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Meine Stadt Streit um Obdachlose: „Wir haben genug Kapazitäten frei“
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Hannover will mehr Einzelunterkünfte für Obdachlose schaffen

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18:33 27.10.2020
Kein Mindestabstand: Alle Unterkünfte für Obdachlose sollen laut Stadt jetzt coronagerecht sein. Hier im Jahr 2018 die Obdachlosenunterkunft für Frauen und alleinstehende Frauen mit Kindern in der Langenzsalzastraße.
Kein Mindestabstand: Alle Unterkünfte für Obdachlose sollen laut Stadt jetzt coronagerecht sein. Hier im Jahr 2018 die Obdachlosenunterkunft für Frauen und alleinstehende Frauen mit Kindern in der Langenzsalzastraße. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Nach Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) haben sich nun auch der zuständige Ordnungs- und die zuständige Sozialdezernentin zu der Obdachlosenproblematik geäußert. Hintergrund ist das am 15. Oktober ausgelaufene Nothilfeprojekte im Naturfreundehaus, und die Tatsache, dass 17 Menschen aus diesem Projekt seit Mitte des Monats wieder auf der Straße leben. „Das hat die Stadt bewegt und auch berührt und das ist ja ein gutes Zeichen“, sagte Axel von der Ohe (SPD). Er und Sylvia Bruns (FDP) versuchten mit Hinweis auf Rechtslage und vorhandene Kapazitäten, etwas Druck aus dem Kessel zu lassen.

Erst einmal die Rechtslage: Es gebe obdachlose Menschen mit „sozialhilferechtlichen Anspruch und ohne diesen Anspruch“, letztere wären vornehmlich bei Osteuropäern zu finden. „Aber auch diese Leute lassen wir nicht im Regen stehen.“ Diese könnten zumindest nachts in die so genannten sleep-ins, das sind die Notunterkünfte etwa am Alten Flughafen. Diese seien mittlerweile coronagerecht, es gebe mehr Platz für weniger Leute, Mindestabstände könnten eingehalten werden. Was im Übrigen von Menschen, die dort übernachteten, nach wie vor bestritten wird. Die Stadt stelle etwa 200 dieser Sleep-in-Plätze zur Verfügung, ging von der Ohe auf die Kapazitätenfrage über. Im Jahr würde allein die Notunterkunft am Alten Flughafen inklusive Sozialarbeiter und Security die Stadt jährlich 1,7 Millionen Euro kosten.

Mindestabstand im Drei-Bett-Zimmer?

Für alle anderen Obdachlosen, also jene, die berechtigt sind, Sozialleistungen zu erhalten, gebe es insgesamt 950 dauerhafte Aufenthaltsplätze, „die auch tagsüber geöffnet sind. Da sind Einzelzimmer bei, die meisten sind Zwei-Bett-Zimmer, auch gibt es noch Drei-Bett-Zimmer“. Zur Zeit gäbe es 140 bis 150 freie Plätze, so von der Ohe. Außerdem sei ein Hotel zur Quarantäne für obdachlose Corona-Fälle angemietet worden, „im Moment ist da keiner drin“. Eine weitere Immobilie würde – neben den neuen geplanten wie in der Kleefelder Straße (Zoo) – ins Auge gefasst, um jetzt im Corona-Winter Menschen sicher unterzubringen.

Bruns will mehr Housing-First-Projekte

Sozialdezernentin Sylvia Bruns möchte das Prinzip Housing-First (Die Leute bekommen wie im Naturfreundehaus Einzelunterkunft, kommen zur Ruhe und können mit Hilfe von Sozialarbeitern Perspektiven entwickeln) für Hannover weiterentwickeln und „Ansprachen und Angebote“ auch für spezielle Obdachlosengruppen entwickeln. Gerade die obdachlosen Frauen liegen der neuen Dezernentin am Herzen, diese „brauchen eine andere Ansprache, vielleicht auch eher von Sozialarbeiterinnen“, meinte Bruns.

Zusätzliche Kapazitäten in Arbeit

Die SPD hatte am Vortag einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt und gefordert, an dem Runden Tisch, zu dem OB Belit Onay gerufen hatte, eingeladen zu werden. „Ob wir mit den anderen Ratsfraktionen in den Ausschüssen an dem Thema arbeiten oder ob die mit am Runden Tisch sitzen, ist jetzt nicht die Frage“, so der Ordnungsdezernent. Die SPD hatte unter anderem mehr Unterkünfte gefordert. „Zusätzliche Kapazitäten schaffen wir schrittweise, wir haben da keinen Dissens. Höchstens in der Bewertung des Status Quo.“ Zum Winter hin würden die Obdachlosen auch von Helfern und dem Ordnungsdienst über Möglichkeiten informiert, „es wird auch wieder kostenlose Shuttles zu den Unterkünften geben und wir werden ÖPNV-Karten bereitstellen“, so der Stadtkämmerer.

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Am Abend hatte auch der Oberbürgermeister noch eine Nachricht aus dem Runden Tisch mit Vertretern von Sozialverbänden. „Wir wollen verstärkte noch mehr Einzelunterkünfte und Tagesaufenthalte möglich machen“, twitterte er. „Zudem verstetigen wir den runden Tisch mit den Kooperationspartner“.

Von Petra Rückerl