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Meine Stadt Menschenketten vor Synagogen: Hannover setzt ein starkes Zeichen
Hannover Meine Stadt Menschenketten vor Synagogen: Hannover setzt ein starkes Zeichen
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17:31 06.11.2019
Die Polizei schützt den Eingang zur Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover in der Haeckelstraße. +++ Quelle: dpa
Hannover

„Wer einen von uns angreift, greift uns alle an.“ Dieses Versprechen gaben sich die Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen, als sie vor zehn Jahren in Hannover den Rat der Religionen gründeten. Mit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle hat das Versprechen traurige Aktualität bekommen.

Der Rat der Religionen ruft deshalb die Bürger dazu auf, ein Zeichen der Solidarität zu setzen. „Wir müssen füreinander einstehen, für unsere jüdischen Geschwister“, appelliert der stellvertretende Stadtsuperintendent Thomas Höflich. Denn man müsse gleich etwas sagen und aktiv werden und nicht erst dann, wenn die Zerstörung da ist. Dann sei es zu spät. Das habe ihm schon als Kind sein Vater eingebläut, so Höflich.

Und so wird Hannover an diesem Freitag eine Aktion erleben, die es in dieser Form in der Stadt noch nicht gegeben hat. Möglichst „viele gutwillige Menschen, egal ob sie an etwas glauben oder nicht“, so Höflich, sollen sich dazu vor drei jüdischen Synagogen versammeln, um diesen symbolisch Schutz zu bieten und „Ringe der Solidarität“ um die Gotteshäuser zu schließen. Als Zeichen des Friedens werden Kerzen entzündet. Geplant sind zudem kurze Wortbeiträge von Vertretern aus Religion und Politik. Denn, so heißt es im Aufruf zu der Aktion: „Wir müssen gemeinsam wachsam sein und entschlossen gegensteuern.“

„Ringe der Solidarität“ vor drei Synagogen

Die erste der drei Solidaritätsveranstaltungen, die jeweils etwa 20 Minuten dauern sollen, beginnt um 15.30 Uhr vor dem Jüdischen Zentrum Chabad Lubawitsch (Stettiner Weg 50). Um 17 Uhr geht es an der Jüdischen Gemeinde Hannover an der Haeckelstraße 10 weiter. Den Abschluss bildet der „Ring der Solidarität“ um 18 Uhr auf dem Platz vor der Liberalen Jüdischen Gemeinde in der Fuhsestraße 6.

„Die Vorkommnisse von Halle haben uns fassungslos gemacht“, so Ingrid Wettberg, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Und ist zugleich überzeugt: „Es ist falsch zu sagen, dass der Antisemitismus erst seit dem Anschlag von Halle wieder da ist.In meinen Augen war er nie weg.“ Seit dem Anschlag seien viele Juden in großer Sorge: „Ich kann gar nicht sagen, was diese Tat bei uns ausgelöst hat.“ Eigentlich wolle ihre Gemeinde ein offenes Haus sein, sagt die Vorsitzende: „Aber das können wir nun nicht mehr.“ Das Misstrauen der Gemeindemitgliedern Fremden gegenüber sei gewachsen, und auch die Kosten für verschärfte Sicherheitsmaßnahmen seien rapide gestiegen. „Wir haben täglich die Polizei im Haus, zusätzlich haben wir eine private Sicherheitsfirma engagiert. Die Fenster der Synagoge werden nun mit schutzsicherer Folie beklebt. Das verschlingt sehr viel Geld“, berichtet Wettberg.

„Für unsere jüdischen Freunde ist das Alltag“

Um ein weiteres Zeichen der Solidarität zu setzen, verkündete Regionalbischöfin Petra Bahr, alle fünf jüdischen Gemeinden im Sprengel Hannover mit jeweils 3500 Euro bei deren Kosten für Sicherheitsmaßnahmen zu unterstützen. Denn, so Bahr: „Zum Gottesdienst durch eine Sicherheitsschleuse? Konfirmandenunterricht unter Polizeischutz? Todesdrohungen? In unserer Kirche können wir uns das nicht vorstellen, doch für unsere jüdischen Freunde ist das Alltag.

Im Gottesdienst nach der Solidaritätsaktion setzt die Liberale Jüdische Gemeinde auch dieses bedeutende Zeichen: Eine neue Tora-Rolle, die aus dem Jahr 1914 stammt, wird in die Gemeinde eingeführt. Die wertvolle Schriftrolle wurde von der jüdischen Gemeinde in Odessa für den russischen Zaren geschrieben. Die Gemeinde hatte sie aus dem Nachlass des 2015 verstorbenen Gemeindemitglied Leo Hepner, der in London lebte, geerbt. Die Gemeinde habe schon vor längerem den Plan gefasst, die Tora-Rolle am Vorabend des 9. Oktober, der an die Pogrome von 1938 erinnert, in die Gemeinde einzuführen. Dann sei der Anschlag von Halle dazugekommen, so Wettberg: „Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen zweier Extreme. Wir wollen damit zugleich signalisieren, dass wir bleiben wollen. Wir sitzen nicht auf gepackten Koffern. Und ich bin positiv gestimmt, dass wir es schaffen.Aber das geht nur gemeinsam.“

Von Britta Lüers

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