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Meine Stadt Hannover ohne Strom: "Einfach saumäßig unheimlich"
Hannover Meine Stadt Hannover ohne Strom: "Einfach saumäßig unheimlich"
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10:51 14.07.2011
Hannover war Mittwochabend ohne Strom.
Hannover

Die letzten Minuten der Fußball-WM, 3:1 für Japan gegen Schweden. Kaum Chancen, das Ding noch zu drehen – und der Hannoveraner ab der 88. Minuten plötzlich chancenlos, den Abpfiff zu erleben. Licht aus. Stromausfall. Nichts geht mehr.

Sekunden, bis in den Nachbarfenstern die ersten Kerzen angehen, auf dem Balkon hört man aufgeregte Rufe zu den Nachbarn: „Habt ihr auch keinen Strom?“ Ein Schrei nach Licht, ins Dunkle. „Nö, alles aus“ schreit es zurück. Handy tot, Festnetz tot, Internet tot. Eine unerwünschte Entschleunigung. Ein Geschenk für die, die eh zu viele Hunderter-Packungen-Ikea-Teelichte in der Schublade haben.

Ins Auto, die Straße wird zum Abenteuer. Radfahrer ohne Licht werden plötzlich noch gefährlicher, Fußgänger stehen hilflos am Königsworther Platz – nicht mal die Autofahrer wissen, wer wann wohin soll, erst recht traut sich kein unmotorisierter dazwischen. Das Leben wird kompliziert, hilflos steht man vor Schranken zu Parkplätzen, die plötzlich Sperrgebiet sind. Im Kino im Anzeiger-Hochhaus endet der Film abrupt. Dafür gab es Gutscheine, wenigstens Kino-Fans kriegen eine Verlängerung, wenn schon die WM aus ist. Auch die Gastronomie weiß nicht weiter.

Im Zaza brennen Kerzen. Bei McDonalds, so bekundet ein Nutzer bei Facebook, habe man zwei Burger für einen Euro verkauft – Notverkauf, ehe die Buletten kalt werden. Überhaupt, kurz nachdem der Strom wieder da war kollektives Zusammenrücken bei Facebook. 2000 Kommentare in der schnell eröffneten Gruppe zum Stromausfall. „Hannover probt den Weltuntergang“ schreibt einer. Taxi-Unternehmen freut es. „Jeder Wagen ausgelastet“, sagt einer anm Bahnhof, ehe der nächste Fahrgast den Fünfsitzer stürmt, nach Langenhagen will. „Hier fährt ja nichts“, schimpft eine Dame, keine S-, kein U-Bahn. Vor den Clubs am Steintor stehen Menschentrauben. Abenteuerstimmung, ein bisschen Wildnis im Großstadtdschungel. „Ist der Wahnsinn, sowas habe ich noch nciht erlebt“, sagt ein junger Mannn vor der Sansibar. Seine Freundin findets weniger amüsant, sondern „einfach nur saumäßig unheimlich.“

Entspannt wie bei den Feiernden war es nicht überall. Im Roderbruch wurden die Türen eines Edeka-Marktes aufgebrochen. „Wir hatten Vollalarm für alle Freiwilligen Feuerwehren, alle Züge der Berufsfeuerwehr im Einsatz“, sagt Sprecher Jan Feichtenschlager. Neben wenigen kleinen Bränden waren die Einsatzkräfte vor allem damit beschäftigt, Strom zu verteilen. „Anders als die großen Krankenhäuser haben viele kleine Pflegeeinrichtungen keine Notstromaggregate.“ In der MHH habe es einen Großeinsatz nach einer Rauchentwicklung geben, es habe sich laut Feichtenschlager aber nur um eine durchgebrannte Leuchtstoffröhre gehandelt. Andere wollten nach Mitternacht noch Flammen gesehen haben. Immerhin: An vielen Orten gab es dann doch noch einen richtig schönen Moment. Wie bei den Dutzenden Menschen vor dem Hauptbahnhof. Ein großes „Ooooohhhh“, als das Licht plötzlich wieder anging. seb