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Meine Stadt Hannover fast Schlusslicht im Städtevergleich
Hannover Meine Stadt Hannover fast Schlusslicht im Städtevergleich
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17:21 10.07.2019
Auf dem Gelände des ehemaligen Oststadtkrankenhauses entstehen neue Wohnungen, der Abriss ist vollzogen. Quelle: Dröse
Hannover

Voller Stolz hatten Stadt und lokale Wohnungsbauwirtschaft 2016 die Hannoversche Wohnungsbauoffensive gestartet: 5000 neue Wohnungen sollten danach bis 2020 entstehen. Ein hehres Ziel? Im jetzt vorgestellten Städtevergleich im Rahmen des neuen Lageberichts zur Stadtentwicklung eher ein Rohrkrepierer.

Denn das anvisierte Ziel umfasst im Durchschnitt 1000 neue Wohnungen pro Jahr. Doch mit den 1106 tatsächlich im Jahr 2017 realisierten, liegt Hannover im Vergleich der 15 größten Städte Deutschlands auf dem vorletzten Platz. Schlechter sieht es nur in Duisburg aus, dort wurden gerade mal 579 Wohnungen fertiggestellt. Zum Vergleich: Spitzenreiter Berlin brachte es auf 15.669.

Natürlich hinken solche Vergleiche mit absoluten Zahlen etwas. Aussagekräftiger wird es, stellt man sie in Relation zur Bevölkerung. Beim Indikator Bauintensität wird die Anzahl der neu errichteten Wohnungen je 1000 Einwohner gezählt, doch auch da sieht es für Hannover 2017 finster aus. Mit dem Wert 2,1 liegt die Stadt hier vor Essen (2,0) und Duisburg (1,2) auf dem drittletzten Platz.

Lahme Baugenehmigungen

Gebaut werden kann natürlich nur, wenn der Bau auch genehmigt wird. Da haben die 15 Vergleichsstädte in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen und 2017 insgesamt 82.300 Genehmigungen erteilt, wobei Berlin mit knapp 24.750 erneut die Nase vorn hat.

Doch auch hier ist die Intensität der entscheidende Faktor. In München arbeitet das Bauamt mit 9,3 Baugenehmigungen pro 1000 Einwohner offenbar am effektivsten, der Durchschnitt in Großstädten liegt bei 5,7. Und in Hannover? Mit 1,5 landet die Landeshauptstadt erneut vor Duisburg auf dem vorletzten Platz.

Die Wohnungswirtschaft sieht in der schleppenden Genehmigungspraxis ein Haupthindernis für Investitionen. „Die Verfahren sind sehr langwierig. Es gibt viele Auflagen, die es den Bauherren erschweren“, so Michael Nicolai, Sprecher von Haus und Grundeigentum Hannover. „Das führt auch zu Kostensteigerungen.“ Von der versprochenen Umstrukturierung in der Bauverwaltung sei noch nicht viel zu spüren. „Die ist aber dringend nötig.“

Hannover Spitze bei der Wohnungsgröße

Für Reinold von Thadden, Sprecher des Mieterbundes, besteht der größte Nachholbedarf im unteren Segment der preisgünstigen, kleineren Wohnungen. Die Wohnungsgröße ist der einzige Punkt im Städtevergleich, bei dem Hannover die Spitzenposition einnimmt. Hier waren die neu gebauten Wohnungen in den Jahren 2013 bis 2017 im Schnitt 107 Quadratmeter groß. In Frankfurt waren es zum Vergleich nur 79 Quadratmeter. Eine zweifelhafte Auszeichnung, denn große Wohnungen muss man sich eben erst leisten können.

Der Mieterbund setzt nun seine Hoffnungen auf die im April erfolgte Freigabe der Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau. 400 Millionen Euro stellt das Land bereit, dafür sollen bis 2030 landesweit 40.000 neue Sozialwohnungen entstehen. „Jetzt muss man aber mit Nachdruck Gas geben“, so von Thadden. „In Hannover besteht dringender Handlungsbedarf.“

Da für Investoren Renditeerwartungen ausschlaggebend seien, müsse man ihnen den Bau von Sozialwohnungen schmackhaft machen, etwa stärker auf Vorteile wie eine längere Mieterbindung hinweisen. Die Bürokratie müsse abgebaut werden, Verfahren schneller gehen. Da sei auch die Politik gefragt. „Signale sind da. Es passiert was, aber es muss deutlich mehr passieren.“

Politik blickt nach vorne

Das sieht auch Philipp Kreisz, stellvertretender baupolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, ähnlich. Allerdings habe gerade im vergangenen, vom Städtevergleich nicht erfassten Jahr, die Baupolitik an Fahrt aufgenommen. „In Kronsberg-Süd werden 3500 Wohnungen entstehen, das ist ein großer Sprung nach vorn“, betont er.

Wohnungen entstünden auch auf dem Gelände des ehemaligen Oststadtkrankenhauses, in Badenstedt oder der ehemaligen Freiherr-von-Fritsch-Kaserne. „Auch die Umorganisation des Baudezernats wird deutlich Wirkung zeigen“, ist Kreisz sicher. „Da muss definitiv dran geblieben werden. Dezernent Bodemann sollte darüber nach den Sommerferien im Ausschuss berichten."

CDU kritisiert Situation im Bauamt

Die in der Bauverwaltung bislang festzustellenden Veränderungen beobachtet der baupolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Felix Semper, eher mit Sorge. „Die Situation hat sich verschlimmert, da die Mitarbeiter nicht mehr ansprechbar sind.“ Da sie sich auf die Bearbeitung ihrer Akten konzentrieren sollen, seien die Telefone abgestellt und E-Mails würden nicht beantwortet. Es gebe keinen Dialog mehr, mit dem Probleme geklärt werden könnten.

Die eigentliche Bautätigkeit in Hannover habe sich 2018 zwar verbessert. „Das ist aber bei Weitem zu gering“, so Semper, „nur ein kleiner Lichtblick. Die ganzen Jahre zuvor ist zu wenig geschehen.“

Mehr Erbpacht, weniger Tiefgaragen

Auch Elisabeth Clausen-Muradjan, baupolitische Sprecherin der Grünen im Rat, meint, dass noch viel getan werden müsse. „Die in der Wohnungsbauoffensive genannten 1000 Wohnungen pro Jahr reichen nicht, die Zahl muss signifikant erhöht werden“, fordert sie. „Da muss die Stadt mit der Wohnungswirtschaft in Verhandlungen treten, um noch eine Schippe draufzulegen.“

Es gebe wohl auch einige Hindernisse, die man Bauherren aus dem Weg räumen könnte, etwa bei den Grundstückspreisen. „Vielleicht könnte man stärker auf Erbpacht setzen“, schlägt sie vor. „Oder auch den Stellplatzschlüssel für Pkw verringern, es den Bauherren selbst überlassen, ob sie eine Tiefgarage für sinnvoll halten oder nicht. Da sind andere Städte pfiffiger und schneller als wir.“

Immerhin: Im Jahr 2018 sind nach Angaben der Stadt bereits 1526 Wohnungen fertiggestellt worden. Die Tendenz weist also nach oben. „Wir gehen in den kommenden Jahren von steigenden Fertigstellungen aus“, so Stadtsprecherin Michaela Steigerwald. Das im Vergleich mit anderen Städten spätere Einsetzen eines verstärkten Wohnungsbaus liege zum Teil daran, dass hier der Wohnungsmarkt längere Zeit entspannt war, das Bevölkerungswachstum erst später eingesetzt habe.

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Von Andreas Krasselt

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