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Meine Stadt Hannover benachteiligt? Jagau weist Vorwürfe zurück
Hannover Meine Stadt Hannover benachteiligt? Jagau weist Vorwürfe zurück
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00:17 24.06.2018
Verkehrskonzept gesucht: Die Politik in Hannovers Rat will einen Stadtbahnanschluss für die Wasserstadt Limmer. Der Region reicht eine Busverbindung. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Die Vorwürfe aus Hannovers Rat waren heftig. „Ungeheuerlich“ sei es, dass die Region keinen Stadtbahn-Anschluss für die Wasserstadt bauen wolle, schimpfte die SPD. Die FDP kritisierte, dass diese ihren Aufgaben nicht gerecht werde. Und die Grünen stellten gleich die Region als Ganzes in Frage, weil Hannover benachteiligt werde. Regionspräsident Hauke Jagau wehrt sich dagegen vehement. „Es ist bedauerlich, dass gut 16 Jahre nach der Gründung der Region Hannover in der Stadt Hannover offenbar der Blick dafür verloren gegangen ist, wie sehr diese profitiert hat“, sagte er der NP.

Während die Grünen den Abgeordneten in der Region „Landkreisdenken“ vorwarfen, sieht Jagau dieses Problem auf der anderen Seite des Grabens, der sich im Streit um die Wasserstadt-Bahn aufgetan hat. Das „Stadt-und-Umland-Denken“ sei „vielleicht im Rat der Stadt noch nicht überwunden“, vermutet Jagau. In der Regionsversammlung gebe es diesen Konflikt nicht.

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Jagau: Hannover „um 20 Millionen Euro jährlich entlastet“

Er widerspricht auch dem Vorwurf, dass die Stadt benachteiligt werde. Die Region habe bei ihrer Gründung „von der Landeshauptstadt die maroden Krankenhäuser, schlecht ausgestattete Berufsbildende Schulen und die teuren Sozialkosten übernommen“ und diese so „um 20 Millionen Euro jährlich entlastet“.

Über den öffentlichen Nahverkehr sagte Jagau, es sei „sehr sinnvoll, dieses Thema nicht aus dem eigenen Kirchturm heraus zu betrachten und zu regeln, sondern mit einem Blick, der der gesamten Region gerecht wird“.

Auch Regionsverkehrsdezernent Ulf-Birger Franz ärgert sich über die heftige Kritik aus Hannovers Rat. Bei einigen lägen „die Nerven offenbar blank“, sagte er und forderte den Rat auf, „zur Sachlichkeit zurückzukehren“.

Wasserstadt-Bahn: Region fürchtet Fahrgasteinbruch in Ahlem

Zehn verschiedene Varianten der Anbindung der Wasserstadt mit einer Bahn habe man von einem unabhängigen Büro untersuchen lassen. Keine einzige davon sei wirtschaftlich gewesen. Das gelte ganz besonders für den Abzweig zur Wasserstadt, den die Stadt möglicherweise selbst planen und bezahlen will, wie sie am Mittwoch im Bauausschuss verkündet hat. Die Baukosten von 3,5 Millionen Euro, die die Stadt dann übernehmen würde, seien ohnehin das geringste Problem.

Denn wenn jede zweite Bahn der Linie 10 die Wasserstadt ansteuern würde, verschlechtere sich der Takt nach Ahlem. „Wir würden dadurch in Ahlem deutlich mehr Fahrgäste verlieren als wir in der Wasserstadt gewinnen würden“, erklärt Franz. Gerne hätte man das Gutachten und die Schlüsse daraus auch der Politik im Bauausschuss vorgestellt. Die Stadt jedoch habe das nicht für erforderlich gehalten, so der Verkehrsdezernent, der eine Elektrobuslinie für die Wasserstadt im 7,5-Minuten-Takt für die richtige Wahl hält.

Auch die Regions-SPD hält an ihrer ablehnenden Haltung zur Wasserstadt-Bahn fest. Eine „Sonderbehandlung“ in Sachen Wasserstadt, wie sie wohl manchen Politikern in der Stadt vorschwebe, „kann, darf und wird es nicht geben“, stellt Frank Straßburger, Verkehrsexperte der SPD in der Region, klar. Bei einigen Kollegen im Rat habe sich „ein sehr befremdlicher Umgangs- und Unterton durchgesetzt, den wir so nicht akzeptieren werden“, kritisierte Silke Gardlo, Fraktionschefin der SPD in der Regionsversammlung.

Von Christian Bohnenkamp