Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover barrierefrei: Noch viel zu tun!
Hannover Meine Stadt Hannover barrierefrei: Noch viel zu tun!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:51 06.06.2019
Zugeparkt: Ein abgesenkter Bordstein am Stephansplatz in der Südstadt. Vor allem für Rollstuhlfahrer, Familien mit Kinderwagen und ältere Menschen mit Rollatoren kann das zum Problem werden. Quelle: Behrens
Hannover

Für Autofahrer sind sie gerade in dicht besiedelten Quartieren ein zwar illegaler aber bequemer Parkplatz. Für Rollstuhlfahrer, ältere Menschen mit Rollatoren und Familien mit Kinderwagen können zugestellte Bordsteinabsenkungen jedoch zum unüberwindbaren Hindernis werden. Nur eines von vielen Problemen, die Experten am Mittwoch im Rathaus zur Sprache brachten.

Die Politik hatte sie eingeladen, um über barrierefreie Stadtplanung zu reden. So viel wurde deutlich: Bis Hannover wirklich barrierefrei ist, ist noch ein weiter Weg zu gehen. „Abgesenkte Bordsteine müssen an Kreuzungen freigehalten werden“, forderte Monika Stadtmüller, die Vorsitzende des Seniorenbeirates.

Zugeparkte Kreuzungen ein Problem in vielen Stadtteilen

Tiefbauamtschef Andreas Bode räumte ein, dass gerade in den alten, in der Gründerzeit entstandenen Stadtvierteln wie der List, Oststadt oder auch der Südstadt „Ecken konsequent zugeparkt“ würden. „Teilweise krass“ sei die Situation. Wo es möglich sei, versuche die Stadt dagegen vorzugehen – zum Beispiel, indem Poller installiert würden.

Stadtmüller setzte sich auch dafür ein, dass Fußwege auch wirklich „ausschließlich für Fußgänger“ zur Verfügung stehen. „Mehr Laternen“ wünscht sie sich, außerdem müssten Supermärkte, Bankfilialen und Apotheken erhalten bleiben, damit in der Mobilität eingeschränkte nicht unnötig weite Wege bewältigen müssen.

Fußgänger-Verein will „weg vom motorisierten Verkehr“

Krzysztof Mieloch vom Verein „Fuß e.V.“ sieht in Hannover „viele negative Beispiele“, durch die Barrierefreiheit verhindert werde – nicht nur für Behinderte, sondern auch für Menschen mit Kinderwagen und Gepäck. Beim Umbau der Kreuzung am Pferdeturm etwa sei ein Ampelmast so platziert worden, dass ein Rollstuhl kaum daran vorbeikomme.

Mieloch plädierte dafür, „die Flächen in der Stadt neu zu verteilen“, die Priorität müsse „weg vom motorisierten Verkehr“. Der Fußgänger-Vertreter setzte sich außerdem dafür ein, dass Hannover einen Fußverkehrsbeauftragten bekommt. In Leipzig gebe es das schon.

Sozialverband für schlechteren Stadtbahn-Takt und Gymnastik

Ingrid Beyer vom Sozialverband setzte sich für einen schlechteren Takt der Stadtbahnen ein. Sie sieht in diesen ein Sicherheitsrisiko. Man müsse sich fragen, ob nicht auch ein 15-Minuten-Takt anstelle eines 10-Minuten-Taktes reiche. Auch würden in der Mobilität eingeschränkte mehr Zeit beim Ein- und Ausstieg in Busse und Bahnen benötigen. Rund 28.000 Hannoveraner seien auf Rollatoren angewiesen.

Beyer regte an, auf Gondeln zu setzen. Diese seien „barrierefrei und nicht auf der Straße“. Radfahrer auf Radschnellwegen müssten zumindest vor Kreuzungen zum Beispiel durch S-Kurven ausgebremst werden, damit diese sicher überquert werden könnten. Außerdem forderte die Vertreterin des Sozialverbandes, dass der städtische Ordnungsdienst in allen Quartieren Streife laufen soll. Eine weitere Anregung von Beyer: Kostenfreie Morgengymnastik auf Plätzen, so wie in Japan.

Üstra-Stadtbahnnetz soll 2030 barrierefrei sein

Kompliziert ist die Umsetzung von Barrierefreiheit auch deshalb, weil selbst die Interessen von Behinderten nicht immer in dieselbe Richtung gehen. Rollstuhlfahrer wünschen sich Bordsteinabsenkungen möglichst ganz ohne Kanten. Für Blinde und Sehbehinderte ist das aber ein Problem, „weil ich dann nicht weiß, wann ich in Gefahr gerate, auf die Fahrbahn zu kommen“, berichtete Hans Joachim Hoffmann vom Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen.

Zwar sind die meisten Haltestellen der Üstra mittlerweile barrierefrei. Auf dem Weg dorthin bewegten sich Blinde und Sehbehinderte jedoch „weitgehend im freischwimmenden Bereich“, so Hoffmann.

Laut Infra-Chef Christian Weske sind aktuell 79 Prozent der Üstra-Haltestellen barrierefrei ausgebaut. Lücken gebe es vor allem noch in Linden, im Norden der Vahrenwalder Straße sowie in Sarstedt. Pro Jahr würden zwei bis vier neue Hochbahnsteige gebaut. Weske geht davon aus, dass das Netz „circa 2030“ komplett barrierefrei sein wird.

Von Christian Bohnenkamp

Zum 14. Mal sucht die NP beim Rendezvous im Stadtpark die Miss NP. Auf die Gewinnerin warten Traumpreise. Jetzt per Mail bewerben!

26.06.2019

Hannovers Grüne wollen am morgigen Freitag ihren OB-Kandidaten öffentlich vorstellen. Nach NP-Informationen ist es der Landtagsabgeordnete Belit Onay.

06.06.2019

Immer mehr Menschen erkranken an Krebs, gleichzeitig werden die Therapiemöglichkeiten immer besser. Doch auch wenn der Krebs besiegt ist, ist der Patient noch lange nicht geheilt. Viele leiden dauerhaft.

06.06.2019