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Meine Stadt „Hannover wäre prädestiniert als autofreie Stadt“
Hannover Meine Stadt „Hannover wäre prädestiniert als autofreie Stadt“
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06:51 24.01.2019
SLALOM: Durch einen zugeparkten Radweg weicht eine Fahrradfahrerin auf die Fahrbahn aus. Experte Andreas Knie empfehlt weniger Autos in den Innenstädten. Quelle: Foto: picture alliance/Alexander Hei
Hannover.

Professor Andreas Knie, Soziologe an der Technischen Universität Berlin, Leiter der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), plädiert für eine Verkehrswende und die Abkehr der autofreundlichen Verkehrspolitik.

Lindener Bürger
wollen eine Anwohnerzone einrichten
, ergibt das Sinn?

Ja, grundsätzlich schon, denn es gibt einfach zu viel Autos. In verschiedenen Städten wird das ja bereits gemacht. Madrid, Paris und Rom sind da schon deutlich weiter als beispielsweise Hannover. Am radikalsten und konsequentesten geht Madrid vor. Dort dürfen nur noch Anwohner in die Innenstadt.

Was hat das bewirkt?

Die Lebensqualität ist gestiegen. Die berühmte Urbanität tritt wieder auf, es kommt zu Begegnungen, man kann auf den Straße laufen, man kauft auch – deswegen denkt der Einzelhandel da jetzt auch um. Die sogenannte autogerechte Stadt – bestes Beispiel dafür ist ja Hannover – war mal für eine bestimmte Zeit gut, aber jetzt muss man die Fläche wieder für den Menschen zurückgewinnen. Das ist in Deutschland allerdings auch schwierig.

Warum?

Ein Beispiel: Die erste Maßnahme ist ja immer, aus einer normalen Straße eine Fahrradstraße mit Tempo Zehn für Autofahrer zu machen. Das darf man aber nur, wenn man vorher gezählt hat und feststellt, dass sowieso mehr Fahrradfahrer auf dieser Straße fahren. Wenn man das erst erreichen will, dann geht das in Deutschland nicht. Wir haben eine Situation, in der das Auto nach wie vor in der Rechtsordnung dominiert. Es gibt einen sogenannten Gemeingebrauch, danach hat das Auto immer Vorrang.

Die Zone in Linden ist schon verkehrsberuhigt, aber der Parkplatzsuchverkehr nervt alle kolossal ….

Sie kriegen mit solchen – eigentlich guten – Maßnahmen den Straßenraum nicht vernünftig reduziert. Und dann haben Sie eine Miniinsel, die schön ist, aber das Problem wird nur verlagert. Die Anzahl der Autos muss tatsächlich zurückgehen.

Also müsste man die ganze Innenstadt autoärmer gestalten?

Genau. Und Hannover wäre dafür prädestiniert, weil es die richtige Größe hat und eine gute Infrastruktur. Natürlich lässt man Taxis, Moia, Handwerker, Rettungswagen und so weiter fahren, aber der Privatverkehr dürfte nicht mehr erlaubt sein. Das würde der Stadt gut tun. In den Außenzone, an den ÖPNV-Haltestellen, kann man Parkplätze einrichten, da kann man das Auto abstellen. Das darf und sollte auch für Anwohner gelten, mit Besuchern kann man anfangen. Wenn man den Leuten erklärt, dass man dafür Platz und Lebensqualität bekommt, ziehen die meisten auch mit.

„Politiker glauben, dass der Mensch am Auto hängt.“

Was bietet man den Bürgern an, damit sie autofrei leben?

Man muss die freigewordenen Orte dann auch begehbar machen, man muss sie mit Fahrrad- oder Autosharing-Angeboten nutzbar machen – etwa für Anlieferungen. Und man muss die Privatautos auch so abstellen können, dass man da gut und bequem hinkommt. Dafür bedarf es einen gut ausgebauten und intelligent getakteten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Natürlich müsste dieser auch gute Konditionen anbieten, da ist ja im Moment das Wiener Modell im Gespräch: Fahren für einen Euro täglich.

Laut Üstra sind schnellere Taktungen nicht möglich.

Verkehrsunternehmen überall in Deutschland sind seit mehr als 100 Jahren in eine bestimmte Betriebslogik eingebunden, das hat sich seitdem kaum geändert. Auch in Hannover wäre mehr Luft nach oben. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber es ist eben auch eine Frage der Finanzierung, der ÖPNV ist nach wie vor knapp kalkuliert. Es fehlt hier aber auch an einer Kundenorientierung, bisher werden Bus- oder Zugkilometer finanziert und nicht die Menge der mitfahrenden Menschen.

Wäre auch Luft nach oben bei der Politik in Hannover?

Auf jeden Fall. Politiker glauben, dass der Mensch am Auto hängt, und das Auto sei dessen Existenz. Und wenn man ihm das Auto nimmt, dann wird der Politiker nicht gewählt oder sogar abgewählt. Das stimmt nicht mehr: Wenn man den Leuten eine bessere Lebensqualität gibt, wenn man die Maßnahmen dazu auch zur Abstimmung bringen, dann sind die Bürger auch bereit dafür.

Also statt – wie in Hamburg – zwei Straßen für den Dieselverkehr zu sperren, lieber alles dichtmachen und Ausnahmen zulassen?

Genau, Handwerker müssen ja fahren, auch alte Leute müssen mobil sein – niemand darf abgehängt werden. Aber es ergibt keinen Sinn, zwei Straßen abzusperren, die Autofahrer fahren darum herum und die Schadstoffemissionen wachsen dadurch. Das ärgert die Leute auch, deswegen wären konsequente Lösungen hilfreicher.

Von Petra Rückerl

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