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Meine Stadt Hannover: Nur wenige wollen demonstrieren
Hannover Meine Stadt Hannover: Nur wenige wollen demonstrieren
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00:17 09.04.2019
Quelle: Franson
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HANNOVER

Was als Einkaufen mit Hindernissen im Vorfeld im Raum stand, entpuppte sich als bunte Bereicherung eines allgemeinen regen Frühlingstreibens in Hannovers Innenstadt: Zwei größere Demos waren der Polizei am Sonnabend angekündigt worden, am Ende kam nur ein Bruchteil der Teilnehmer. Zu umfänglichen Straßenverkehrsbehinderungen kam es laut Polizei nicht.

186 Autos bei Bulliparade, 300 Teilnehmer bei Internet-Demo

Bei der Versammlung „Save the Internet –Entscheidung im Europäischen Parlament zur Urheberrechtsreform“ auf dem Opernplatz mit anschließendem Marsch durch die City waren nach Angaben der Polizei etwa knapp 300 Teilnehmer dabei – zwischen 3000 und 5000 Teilnehmer hatten die Veranstalter angemeldet. Und bei der Aktion „Bullis gegen Dieselfahrverbote“ auf dem Schützenplatz mit anschließender Demofahrt registrierte die Polizei 186 Bullis –etwa 230 wurden erwartet. Und: Die Veranstaltungen waren bereits am Mittag, beziehungsweise am frühen Nachmittag beendet, deutlich eher als den Behörden gemeldet.

BULLIS GEGEN DIESELFAHRVERBOT: Vom Schützenplatz aus waren am Mittag knapp 190 Autos durch Hannover gefahren. Quelle: Behrens

Die knapp 190 Bullis hatten sich um kurz nach 12 Uhr vom Schützenplatz aus in einem Konvoi durch Hannover in Bewegung gesetzt, um gegen die Dieselfahrverbote zu demonstrieren. Dabei waren nicht nur Bullifahrer aus Hannover und Umgebung, sondern auch aus großen Teilen Niedersachsens wie Oldenburg, Delmenhorst, Osterrode im Harz, Verden. Auch aus Berlin, Bielefeld und Pinneberg waren Bullifahrer an die Leine gekommen. Die weiteste Anreise hatte ein Schweizer – er legte glatt 900 Kilometer für die Demo zurück.

Hannoveraner organisiert Demofahrten in anderen Städten mit

„Wir wollen mit dieser Aktion Leute aufwecken, denn die meisten schlafen noch in Sachen Dieselfahrverbote“, so Mitorganisator Thomas Leverst, ein gebürtiger Hannoveraner, der jetzt im Ruhrgebiet lebt. Mit drei weiteren Aktivisten hat der die Demo auf die Beine gestellt, kennengelernt haben sich die Bullifahrer in einem Internet-Forum. Bulliparaden gab es vor einem Monat schon in Berlin. Weitere Städte sollen folgen, etwa in Frankfurt und Hamburg. In Hannover führte die Route unter anderem über das Arthur-Menge-Ufer, den Altenbekener Damm, die Sallstraße, Berliner Allee, Raschplatzhochstraße, Celler Straße und Goseriede.

DAUMEN RUNTER: Eine vierköpfige Gruppe organisiert seit ein paar Monaten Bulliparaden gegen das Dieselfahrverbot in mehreren deutschen Großstädten. Quelle: Behrens

Freies Internet: Am 24.März waren noch 3200 Teilnehmer da

Auf dem Opernplatz haben am Sonnabend nach Polizeiangaben ab 12.30 Uhr etwa 300 Teilnehmer für ein freies Internet und damit gegen die Reform des Urheberrechts durch das Europäische Parlament demonstriert, Motto: „Save the Internet“. Aufgerufen zur erneuten Demonstration hatte die Piratenpartei Hannover. Am 24.März waren noch rund 3200 Menschen mit Plakaten und Bannern durch Hannovers Innenstadt gezogen.

„Es ist wichtig, erneut auf die Straße zu gehen und der herrschenden Politik zu zeigen, was wir von der Entscheidung des EU-Parlaments halten, das freie Internet immer weiter zu beschränken," sagte Thomas Ganskow, der Vorsitzende der Piraten Hannover. Zeitgleich oder zeitnah am Sonnabend fanden ähnliche Demos für ein freies Internet in anderen deutschen Städten wie Kaiserslautern, Kiel, Karlsruhe, Hamburg, Berlin und München statt. Auch in schwedischen und polnischen Städten waren Menschen für ein freies Internet auf die Straße gegangen.

Kritik an Artikel 13 und den Uploadfiltern

Zentraler Kritikpunkt der Demonstranten an der EU-Reform: Artikel 13 und die sogenannten Uploadfilter. Das ist eine Software, mit der Internet-Plattformen bereits beim Hochladen überprüfen können, ob Bilder, Videos oder Musik urheberrechtlich geschützt sind. Kritiker befürchten, dass die Filter auch legale Inhalte wie Parodien oder Zitate blockieren. Befürworter der neuen Gesetzgebung, dstellen klar, dass die Urheberrechtsreform die Rechte von Künstlern, Musikern und Journalisten stärkt. Auch Zeitungsverlage schließen sich dieser Meinung an.

Die Demonstranten in Hannover waren nach ihrer 30-minütigen Auftaktkundgebung auf dem Opernplatz durch die Innenstadt gezogen, darunter über den Ernst-August-Platz, die Kurt-Schumacher-Straße, Georgstraße und Karmarschstraße zurück zum Opernplatz mit anschließender Abschlusskundgebung.

Von Andreas Voigt