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Meine Stadt Hannover: Einzigartiges Musiktechnik-Museum geplant
Hannover Meine Stadt Hannover: Einzigartiges Musiktechnik-Museum geplant
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15:28 20.12.2018
SO SOLL ES AUSSEHEN: Der Entwurf des geplanten Musiktechnik-Museums am Weidendamm. Quelle: Deutsche Rockmusik Stiftung
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Hannover

Als Geschäftsführer des Musikzentrums hat Holger Maack schon oft bewiesen, dass er ein kreativer Geist ist. Nun plant er in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Deutschen Rockmusikstiftung eine Art Mitmach-Museum zur Geschichte der Musiktechnik. Wobei dort allerdings auch kräftig Zukunftsmusik geschrieben werden soll.

Der Arbeitstitel klingt vielleicht etwas sperrig: „BackwardPLAYForward“ soll dabei an die Bedientasten alter Kassettenrekorder erinnern, das Zurück-, Ab- und Vorwärtsspielen der Bänder. Lässt man den Namen auf sich wirken, entwickelt er einen gewissen Charme. Mehr jedenfalls als die offizielle Bezeichung als „Deutsches Zentrum für Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Musiktechnik“.

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Die Idee dahinter hat auch die hannoversche SPD-Bundestagsabgeordnete Yasmin Fahimi so sehr begeistert, dass sie 4,5 Millionen Euro Bundesmittel dafür locker machen konnte. Von der Stadt gibt es ab 2019 noch einmal 50 000 Euro pro Jahr dazu.

Museum statt Übungsräume

Damit ist aus der Idee schon konkrete Planung geworden. Einrichten will Maack das Museum im Rundbunker an der Ecke Weidendamm/Kopernikusstraße in der Nordstadt. Den hatte die Stiftung von der Stadt gekauft, ursprünglich um dort Übungsräume einzurichten.

Dann ging der CD-Produzent EDC pleite, und dessen Betriebsrat konnte etliche, musikgeschichtlich bedeutsame Erinnerungsstücke aus der Konkursmasse retten. Die wurden in Zusammenarbeit mit Kai Schirmeyer vom kre-h-tiv-Netzwerk in der Halle 96 ausgestellt. „Ich traf dann mit Schirmeyer zusammen, und im Kopf fing es an zu rattern“, so Maack.

„Die Ausstellungstücke waren Teile der Vergangenheit, eine Stiftung ist vom Grundgedanken her ja etwas für Ewigkeit. Ich dachte, das passt gut zusammen.“ Aber nur zurückzublicken, sei stinklangweilig. Man müsse auch gucken, was es jetzt gebe und wie es in 30 Jahren aussehen könnte. „Es wäre spannend, Hannover so wieder in den Fokus der Musiktechnik zurückzuholen“, betont Maack.

Musiktechnik gestern, heute und morgen

Wo sich die Stadt früher bereits befand. Gerade die Nordstadt war ein wichtiger Schauplatz der Musikgeschichte – und ist es noch heute. In der Kniestraße etwa wurde in der damaligen Fabrik der Deutschen Gramophone die erste Schellackplatte hergestellt. Mit dem Institut für Wohklangforschung und der Firma Time Tools befinden sich gleich zwei Tonstudios mit zukunftsweisender Technik in der Nähe, und auch die Musikhochschule unterhält Räume am Weidendamm.

Verläuft alles nach Plan, könnte das Museum bereits 2022 eröffnen. Der Rundbunker müsse komplett entkernt und Fenster eingebaut werden, erklärt Maack, weil sich in seinem Inneren nur winzige Räume befänden. Der fertige Bau soll sieben Stockwerke enthalten, die Idee, zwei Stockwerke auf den Bestandsbau aufzusatteln, sei aus dem Bauamt gekommen. „Auch dort wird man bei dem Vorhaben offenbar kreativ.“ Maack plant auch einen modernen Anbau, mit dreieckigen Fenstern in Form der Rückwärts- und Vorwärtssymbole auf den alten Rekordern. „Wenn die nachts erleuchtet sind, wäre das ein toller Anblick“, schwärmt er.

Mit allen Sinnen

Die Ausstellung soll auch Schulen ansprechen. Sie solle zeigen, was es alles gebe – und was man alles selber machen könne. Es werde Übungsräume und Tonstudios geben, Besucher könnten selbst Musik machen und Aufnahmen mit nach Hause nehmen. „Es soll immersiv gestaltet sein, damit man es mit allen Sinnen wahrnimmt“, sagt Maack. Dazu gebe es viele Ideen, etwa eine Riesenschallplatte, deren Rillen man abgehen und dadurch Töne erzeugen könne. Darüberhinaus sollen internationale Künstler nach Hannover eingeladen werden, um vielleicht drei Monate in einer Art Laborsituation Musik der Zukunft zu komponieren.

„Wir planen ein Leitprojekt mit globaler Ausstrahlung“, sagt Maack. Und auch Yasmin Fahimi schwärmt: „Mit diesem bundesweit einzigartigen Projekt wird ein Stück hannoversche Musikgeschichte geschrieben, und die Nordstadt ist um einen kreativen Leuchtturm reicher.“ Was vielleicht weitere Projektpartner anziehen könnte. Denn für Innenausbau und Betriebskosten werden weitere zwei Millionen Euro benötigt.

Von Andreas Krasselt