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Meine Stadt Hannover: Wo landen die Filme der Unfall-Gaffer?
Hannover Meine Stadt Hannover: Wo landen die Filme der Unfall-Gaffer?
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18:04 07.11.2018
GAFFER: Ein junger Mann wollte sich am Sonnabend am Kröpcke das Leben nehmen – dieser Passant filmte sich und den Einsatz und lud alles auf Facebook hoch.
GAFFER: Ein junger Mann wollte sich am Sonnabend am Kröpcke das Leben nehmen – dieser Passant filmte sich und den Einsatz und lud alles auf Facebook hoch.
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Hannover

Gaffer behindern nicht nur die Rettungskräfte, ihre Videos laden sie zum Teil auch im Internet hoch. Von dem schweren Unfall in der Calenberger Neustadt, bei dem eine Fußgängerin von einem Lastwagen erfasst und dabei tödlich verletzt wurde, sind ebenfalls Aufnahmen bei der Video-Plattform Youtube zu sehen. Der Mann, der das Video dort hochgeladen hat, wirft in seinem beigestellten Kommentar den Rettungskräften sogar Untätigkeit vor. Er behauptet, dass die Feuerwehrmänner nicht alles dafür getan hätten, das Leben der 77-jährigen Frau zu retten. Sie hätten es versäumt, den Lkw anzuheben. „Ein sinnvoller Einsatz sieht anders“, tönt er.

„So was wie du sollte sich schämen.“

In den Kommentaren unter dem Video gab es für seine Aufnahmen und die Kritik an den Rettungskräften heftigen Gegenwind. „Für solche Aktionen hasse ich das Internet“, schreibt ein User. Ein anderer kommentiert: „So was wie du sollte sich schämen.“ In den Diskussionen mit ihnen wehrt sich der Urheber des Videos gegen den Vorwurf, gegafft zu haben. „Das habe ich nicht getan, sonst wäre ich stehen geblieben. Ich habe überlegt, wie ich helfen könnte“, behauptet er. Aufnahmen von der zu dem Zeitpunkt noch verletzten Seniorin sind in dem Video immerhin nicht zu sehen.

Ein anderes Video, das bei Facebook hochgeladen worden ist, zeigt die dramatischen Szenen am Sonnabend am Kröpcke. Dort wollte sich ein 21-Jähriger vom Europa-Haus in die Tiefe stürzen. Mehrere Gaffer filmten die Szene. So auch ein Mann aus Litauen, der seinen Zuschauern in seinem Live-Video sogar erzählte, was sie dort sehen. Auch sein Nebenmann hatte das Handy gezückt und freute sich: „Ich habe ihn drauf.“ Kurze Zeit später forderte eine Polizistin die Männer auf, das Smartphone wegzulegen. „Was habt ihr eigentlich nicht verstanden, Handys weg“, schimpfte sie. Obwohl der Litauer die Aufforderung offenbar verstanden hatte, hielt er weiter drauf und filmte sich nachher sogar noch selbst.

Keine rechtliche Handhabe

So gefühlskalt die Aufnahmen auch sind, in beiden Fällen lägen keine strafbaren Handlungen vor, erklärt Rechtsanwalt Arne Ritter aus Hannover: „Es sind weder Verletzte gefilmt worden, noch wurden Rettungskräfte oder Ersthelfer be­hindert.“ Auch eine dreimalige Aufforderung der Polizei, den Platz zu verlassen, habe es offenbar nicht gegeben. „Wir haben im Moment keine rechtliche Handhabe gegen solche Gaffer. Das ist ein Problem“, bedauert Ritter.

Von Sascha Priesemann