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Meine Stadt Hannover: Wie schmutzig ist die Leine?
Hannover Meine Stadt Hannover: Wie schmutzig ist die Leine?
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12:34 15.08.2019
Die Leine am Hohen Ufer – verschmutzt durch sinkenden Wasserpegel. Quelle: Dröse
Hannover

Von Koblenz bis Berlin befreien sie Gewässer vom Plastikmüll, damit der nicht in den Meeren landet: Am 25. August legen die Umweltschützer des „Clean River Project“ auch in Hannover an, um Ihme, Leine und Maschsee zu säubern – dabei ist die Wasserqualität im Vergleich zu früher erheblich besser geworden.

Heinz Pyka, Vorsitzender des Anglerverbands, erinnert sich: „Als ich 1972 nach Hannover kam, gab es in der Leine gerade noch vier Fischarten. Der Fluss war so gut wie tot.“ Mit einer großen Demo vor dem Landtag kämpften die Umweltschützer damals für eine saubere Leine. Mit Erfolg. So baute etwa die Alfelder Papierfabrik eine Kläranlage, und auch das Klärwerk in Herrenhausen wurde errichtet. „Heute leben in der Leine wieder 32 Fischarten“, sagt Pyka, der mit seinen Vereinsmitgliedern sogar jeden Monat loszieht, um Plastikmüll aus dem Wasser zu fischen.

Aktionstag gegen Plastikmüll

Das „Clean River Project“ macht unsere Gewässer sauber: Am 25. August gehen die Aktivisten in Kanus auf Sammeltour. Und Mitstreiter sind erwünscht. „Wer ein eigenes Boot hat, kann dieses gern mitbringen. Ansonsten stehen von unserer Seite circa 60 Boote bereit“, kündigt Franziska Braunschädel, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Clean River Project, an. „Bei hohem Wasserstand sammeln wir auf sechs bis sieben Kilometern durchschnittlich eine Tonne Müll, bei niedrigem Wasser circa eine halbe Tonne.“

Abfallentsorger Aha sitzt mit im Boot: „Wir unterstützen das Projekt gern“, sagt Mathias Quast, Leiter der Stadtreinigung. Schließlich stehe die Aktion im Einklang mit der Kampagne „Hannover sauber!“. Wer mitmachen will, kommt um 13 Uhr zum Pier 51 am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer. Gegen 16.30 Uhr endet die Aktion am Strandleben – mit einem Vortrag zum Thema Plastikmüll und einem Konzert der Band Passepartout aus Hannover.

Regelmäßige Kontrollen

Mittlerweile werden die Gewässer seit 1980 kontinuierlich überwacht. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) betreibt insgesamt 354 Messstellen und 23 Messstationen, an denen biologische und chemische Parameter erhoben werden. Im Bereich Hannover gibt es drei Messstellen: An der Leine in Herrenhausen und in Grasdorf, an der Ihme in Oberricklingen.

„Die Messstellen werden monatlich beprobt“, so NLWKN-Sprecherin Bettina Dörr. Die Ergebnisse würden im Internet veröffentlicht und könnten über die Landesdatenbank von jedem eingesehen werden. Die Daten aus diesem Gewässerüberwachungssystem (GÜN) würden regelmäßig plausibilisiert, ausgewertet sowiein die ökologische und chemische Bewertung des Gewässerzustands einfließen. „Die Ergebnisse dieser Auswertungen werden alle sechs Jahre in den Bewirtschaftungsplänen veröffentlicht“, so Dörr.

Zuständig sind Kreise und Städte

Zuständig für die Gewässeraufsicht aber seien die Landkreise und kreisfreien Städte als Untere Wasserbehörden. Die auch in Alarmplänen geregelt hätten, was im Fall einer Verschmutzung zu unternehmen sei. Das Land stelle seine fachliche Expertise und gegebenenfalls Fördermittel für Maßnahmen zur Verfügung.

Veröffentlicht werden die Daten also regelmäßig. Deren Bedeutung mag sich dem Laien indes nicht so ohne Weiteres erschließen, zumal einige für eine vergleichende Bewertung auch erst umgerechnet werden müssen. Wie etwa bei dem Nitratwert, einem wesentlichen Indikator für die Belastung durch Überdüngung. Die Datenbank weist hier nur Werte für Nitratstickstoff aus, die mit dem Faktor 4,427 multipliziert werden müssen, um die Nitratkonzentration zu erhalten.

Auch Verbände messen die Wasserqualität

Doch Messungen werden nicht nur durch die Behörden gemacht. So hat etwa der Verein VSR-Gewässerschutz im März 2017 auf einer Messfahrt die gesamte Leine unter die Lupe genommen. Das Fazit der Umweltschützer damals: Dort, wo Naturschutzflächen den Düngereintrag regulieren, ist auch die Nitratbelastung geringer. Weshalb sie eine Ausweitung dieser Flächen für nötig halten.

Die Oberflächengewässerverordnung hat einen Grenzwert von 12,3 Milligramm Nitrat pro Liter festgesetzt, der an der Mündung der Leine in die Weser nicht überschritten werden sollte, um die Belastung der Nordsee zu verringern. Ein Wert, der bei der Messfahrt an keiner Stelle eingehalten wurde. Immerhin blieb er ab Neustadt bis zur Mündung stabil bei 14,5. Im Bereich Hannover war er sogar geringer. In Laatzen und Döhren lag der Wert bei 13,8, in Seelze bei 14,1. Ergebnisse, die allerdings mit den amtlichen Messungen nicht ganz übereinstimmen. So wurden vom NLWKN am 8. März 2017 laut Datenbank 4,3 mg/l Nitratstickstoff gemessen, was nach der Umrechnung gut 18,9 mg/l Nitrat ergibt. Im Januar und Februar lag der Wert noch weit höher, um dann im Lauf des Frühjahrs und Sommers bis auf 2,5 mg/l (11 mg/l) abzusinken.

Baden in Fluss und Kanal auf eigene Gefahr

Auch der Anglerverband misst regelmäßig die Wasserqualität – schließlich haben die Petrijünger ein lebhaftes Interesse an einer vielfältig vitalen Unterwasserwelt. Auch wenn für sie etwas andere Parameter von Interesse sind, etwa der pH-Wert oder der Sauerstoffgehalt, wie Heinz Pyka verrät.

Inwieweit die Wasserqualität der Flüsse gut genug ist, um gefahrlos darin ein Bad nehmen zu können, wird offenbar von niemandem geprüft. Von den Gesundheitsbehörden überwacht werden nur die ausgewiesenen EU-Badestellen. Wer woanders ins Wasser steigt, was etwa am Mittellandkanal immer wieder zu beobachten ist, tut dies auf eigenes Risiko – nicht zuletzt auch wegen des Schiffverkehrs.

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