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Meine Stadt Hannover: Wie geht’s weiter mit Housing First?
Hannover Meine Stadt Hannover: Wie geht’s weiter mit Housing First?
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17:29 27.03.2018
Ein Obdachloser schläft in einer U-Bahn Station in Hannover.
Ein Obdachloser schläft in einer U-Bahn Station in Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

Der Winter verabschiedet sich dieser Tage aus Hannover. Damit rückt oftmals das Schicksal der wohnungs- und obdachlosen Menschen – immerhin rund 4000 sollen es in Hannover sein – aus dem Fokus. Aus Reihen der Opposition im Stadtrat gibt es viel Kritik. So sagt Linken-Fraktionschef Dirk Machentanz: „Die Stadt hat überhaupt keine Übersicht, wenn eine Wohnung zweckentfremdet wird. Es gibt keine genaue Statistik wie viele Obdachlose es gibt.“

Auch das Angebot, Wohnungs- und Obdachlose in Dreibettzimmern unterzubringen, sei unwürdig, findet Machentanz. Doch ganz untätig ist die regierende Ampel-Koalition nicht.

Zunächst braucht es mehr Wohnraum

Ende letztes Jahres stellte sie im Stadtrat das Konzept Housing First vor. Die Idee dabei ist, Menschen zuerst ein stabilisierendes Dach über dem Kopf zu bieten. Erst danach kann die eigene Wohnung durch sozialarbeiterische Hilfsangebote ergänzt werden. Doch die Sache hat einen Haken. „Solange wir nicht auch den Wohnraum haben, in dem wir unsere Konzepte umsetzen können, solange nützt uns das nichts. Deshalb ist die vorrangigste Frage, wie wir möglichst schnell Wohnraum in unserer Stadt schaffen“, sagt Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf. Sie erhofft sich hier auch Hilfen aus der Stadtgesellschaft:

„Man sollte überlegen, welche Stiftungen in unserer Stadt, die Möglichkeit haben, Wohnungen zu bauen, damit man sich nicht nur auf konventionelle Wohnungsbaugesellschaften stützt“, sagt Beckedorf. Man sollte sich auch unkonventionellere Wege überlegen, wer mit unterstützen könne, um möglichst schnell Wohnraum zu schaffen.

Fahlbusch: Mehr Wohnungen alleine reichen nicht

Reinhold Fahlbusch, Vorsteher der Wagenerschen Stiftung ordnet ein: „Man sollte nicht glauben, dass mit mehr Wohnungen das Problem gelöst ist. Das Problem liegt zunächst in den Menschen selber. Wir brauchen also ein abgestuftes Konzept.“ Das sieht auch Beckedorf so. „Der Begriff Housing First ist nicht in Beton gegossen. Da gibt es Alternativen, wie man das kreativ ausgestaltet. Wir wollen das auch sehr passgenau machen“, verspricht sie. Stand jetzt ist offen, wie und wann das Angebot auch umgesetzt werden soll.

Von Timo Gilgen