Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Proteste gegen Straßenumbenennungen
Hannover Meine Stadt Hannover: Proteste gegen Straßenumbenennungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:58 02.11.2018
UMBENENNUNG EMPFOHLEN: Auch der Name der General-Wever-Straße steht zur Disposition.
UMBENENNUNG EMPFOHLEN: Auch der Name der General-Wever-Straße steht zur Disposition. Quelle: Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Der Abschlussbericht des Beirats, der sich im Auftrag der Stadt mit problematischen Straßennamen beschäftigte, sorgt wie befürchtet für weiteren Sprengstoff. Bezirksbürgermeister Henning Hofmann (SPD hat am Freitag schon per Mail und Facebook-Post klar gestellt: „Im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld ist eine Straßenumbenennung zurzeit deutlich nicht mehrheitsfähig." Und auch Ratsherr Maximilian Oppelt, Vize der CDU Hannover-Stadt, hat den Widerstand seiner Fraktion gegen etwaige Umbenennungen angekündigt.

Für Hofmann geht es darum, zunächst einen Diskussionsprozess anzuregen. Dazu plant er eine größere Veranstaltung im ersten Quartal kommenden Jahres. „Wir wollen keinen Schnellschuss und vor allem nicht über die Köpfe der Anlieger hinweg entscheiden", betonte er gegenüber der NP.

CDU-Vize befürchtet Politikverdrossenheit

Auf der Veranstaltung solle der Beirat die Möglichkeit erhalten, seine Empfehlungen näher zu erläutern. Im Bezirk Buchholz-Kleefeld geht es um das Frensenufer (nach Gustav Frensen), den Sauerbruchweg (nach Ferdinand Sauerbruch), den Uhlenhutweg (nach Paul Uhlenhut) und den Konrad-Lorenz-Platz. Neu dabei ist eigentlich nur Konrad Lorenz, die anderen Namen sind schon seit dem Zwischenbericht des Beirats vor drei Jahren bekannt. Hofmann: „Jetzt, wo alles auf dem Tisch ist, können wir darüber reden." Wobei seiner Ansicht nach die Politik zunächst eine nur zuhörende Rolle einnehmen und den Anliegern die Diskussion überlassen sollte – um dann gemeinsam eine Lösung zu finden.

CDU-Vize Oppelt sitzt ebenfalls im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld. Als Ratsherr hat er aber die ganze Stadt im Blick und kritisiert die Tendenz zur Umbenennung generell. „Wer jahrelang die Bevölkerung mit einer Debatte über zwangsweise Straßenumbenennungen traktiert, muss sich über Politikverdrossenheit nicht wundern", schreibt er auf Facebook. Den Befürwortern der Umbenennungen unterstellt er ein Missverständnis. „Natürlich würde heute niemand mehr eine Straße nach Hindenburg benennen." Historisierend betrachtet seien diese Akte jedoch keine Ehrung, sondern „ein Zeugnis der Geschichte unserer Stadt. Es ist deshalb absolut geschichtsvergessen, diese Namen einfach vom Stadtplan tilgen zu wollen und wie im Fall der Hindenburgstraße einem ganzen Stadtteil die Identität zu rauben."

Eine Umbenennung käme für die CDU nicht in Frage, betont er. Zumal sich bei einer Umfrage vor zwei Jahren 90 Prozent der Anlieger dagegen ausgesprochen hätten. Er hält es für angemessen, die geschichtliche Rolle der umstrittenen Namensträger mit einem Legendenschild zu erklären.

Von Andreas Krasselt