Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Schulsanitäter zeigen im Wettkampf ihr Können
Hannover Meine Stadt Hannover: Schulsanitäter zeigen im Wettkampf ihr Können
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:37 12.06.2019
Helm ab? Sandy Heller und Zaara Hayati kümmern sich um das vermeintliche Motorradopfer. Quelle: Petrow
Hannover

Die Schminke wirkt realistisch. Das Bein scheint blutüberströmt, ein Stück Knochen ragt offenbar heraus. Die Darstellerin schreit vor vermeintlichen Schmerzen, die Schreie dringen unter ihrem Helm nur gedämpft hervor. Sie simuliert einen Motorradunfall, und das Team der Schulsanitäter des Misburger Kurt-Schwitters-Gymnasiums muss sein Bestes geben, um sie zu versorgen.

Die Jugendlichen haben ein Heimspiel. Denn ihre Schule ist an diesem Mittwoch Gastgeberin des Regionalwettbewerbs des Schulsanitätsdienstes, der vom DRK organisiert wird. Rund 190 Schülerinnen und Schüler aus 20 Schulen beweisen in 37 Teams, wie gut sie mit Notsituationen klar kommen können.

Neun Stationen sind in der Sporthalle des Gymnasiums aufgebaut, drei weitere außerhalb. „Die Schüler werden dabei mit typischen Unfallsituationen konfrontiert, wie sie ihnen im Schulalltag tatsächlich begegnen können“, erklärt DRK-Sprecherin Nadine Hunkert.

Wie man den Helm abnimmt

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Motorradunfalls an der Schule eher gering ist, sollte doch jeder Ersthelfer auch darauf vorbereitet sein, und ein Schulsanitäter natürlich erst recht. Eine der Helferinnen wird losgeschickt, einen Notruf abzusetzen sowie später die Rettungskräfte einzuweisen und an den Unfallort zu lotsen. Das Unfallopfer scheint noch klar im Kopf zu sein, trotz der Schmerzen. Die junge Frau möchte nicht, dass man ihr den Helm abnimmt. Die Helfer decken zunächst die Wunde großflächig mit einem keimfreien Verbandtuch ab. Dann lagern sie das verletzte Bein hoch, dabei kippt das Opfer um. Es ist bewusstlos geworden.

Nun muss der Helm abgenommen werden, was immer zu zweit geschehen sollte. „Man muss darauf achten, dass nichts gebrochen ist“, sagt Zaara Hayati (13), „und dann den Helm ganz langsam abziehen.“ Dabei stützt ihre Mitschülerin Sandy Heller (18) den Kopf des Opfers. Anschließend stellt sich die Frage der stabilen Seitenlage. Eigentlich selbstverständlich bei einem bewusstlosen Patienten. Doch angesichts der schweren Beinverletzung auf welche Seite? Bevor sich das Team entscheiden kann, ist die Zeit um. „Maximal fünf Minuten haben die Schüler Zeit, die jeweilige Aufgabe zu lösen“, erklärt Hunkert. Anschließend gibt es Manöverkritik von den DRK-Experten, die die Leistung bewerten sollen. Das etwas zu lange Zögern war aber auch die einzige Schwäche der Schwitters-Schüler, alles andere lief super.

Rund 190 Schulsanitäter im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren zeigen im Wettbewerb, was sie drauf haben. An zwölf Stationen galt es, ihre Fähigkeiten aber auch ihr Wissen unter Beweis zu stellen.

Betreuung ist wichtig

Voll des Lobes ist auch Matthias Siegel für den Leistungen des Teams der Tellkampf-Schule. Diesmal waren zwei Mädchen beim Toben mit den Köpfen zusammengestoßen. Eines hatte eine dicke Beule, das andere aber war bewusstlos. Die Sanitäter beschäftigen sich intensiv mit dem ansprechbaren Mädchen, immer auf der Hut, dass sie einen Schock haben könnte. Aufmerksame Betreuung aller Unfallopfer ist wichtig. „Sonst ist sie auf einmal weg“, sagt Siegel.

Das bewusstlose Opfer wird sofort in die stabile Seitenlage gebracht und mit einer Folie gegen den Wärmeverlust bedeckt. Auch die anschließenden Fragen des Beurteilers Siegel beantwortet Teamleiter Richard Gerdes souverän. Kein Wunder, der Vater des 18-Jährigen ist Arzt und seine Mutter Krankenschwester. „Ich bin da familiär vorbelastet und war schon immer am Sanitätsdienst interessiert“, erzählt er. „Ich bin seit der siebten Klasse dabei und habe den Schulsanitätsdienst an der Tellkampfschule mit aufgebaut.“

Mindestalter zwölf Jahre

Die 7. Klasse ist ein typischer Einstiegsjahrgang. „Das Mindestalter beträgt zwölf Jahre“, sagt Nadine Hunkert. „Man muss dabei schon eigenverantwortlich handeln können.“ Seit knapp 25 Jahren gründen sich an Schulen in der Region Schulsanitätsdienste. Die Schüler werden professionell ausgebildet und regelmäßig geschult. Im Rahmen des Sanitätsdienstes organisieren sie tägliche Bereitschaftszeiten während des Unterrichts und in den Pausen, übernehmen aber auch die Versorgung bei Schulveranstaltungen und Klassenfahrten.

„Es ist immer besser, zu wissen, wie man helfen kann als hilflos daneben zu stehen“, sagt Steffen Baumann, Vorstand des DRK Region Hannover. „Der Schulsanitätsdienst setzt da an, Kinder sehr früh darauf vorzubereiten.“ Und die jährlichen Wettbewerbe geben nicht nur zusätzlichen Motivationsschub, sondern sind auch eine prima Übung. Wozu die geschminkten Unfalldarsteller einen wichtigen Beitrag leisten. „Die realistische Notfalldarstellung lässt den Adrenalinpegel steigen, so ähnlich, als ob tatsächlich etwas passiert wäre“, weiß Hunkert.

Gewonnen hat am Ende übrigens die Tellkampfschule – mit einem Punkt Vorsprung vor dem Gymnasium Burgdorf. Gastgeber Kurt-Schwitters-Gymnasium landete auf dem sehr guten sechsten Platz.

Von Andreas Krasselt

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Charco“ wurde als Wallach verkauft. Der Männlichkeitstest in der TiHo zeigte, dass er noch ein Hengst ist. Für diesen Mangel gibt es einen Preisnachlass von 800 Euro, so der prozessuale Vergleich.

12.06.2019

Wer hatte tatsächlich Grün? Die Polizei sucht Zeugen zu einem Verkehrsunfall in der Calenberger Neustadt. Ein Mercedes hatte am Dienstag eine Radfahrerin erfasst und leicht verletzt.

13.06.2019

Jeden Tag garantiert ein frisches Ei auf dem Frühstückstisch? Thomas Weiss (59) vermietet Hühner. Für 89 Euro pro Woche bringt „Hanno Huhn“ fünf Tiere samt Stall, Zaun und Verpflegung in die Kita oder in den Privatgarten. Der NP erklärt er, warum das eine lehrreiche Erfahrung ist.

13.06.2019