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Meine Stadt Restmüll: Vorteil für Eigenheimbesitzer?
Hannover Meine Stadt Restmüll: Vorteil für Eigenheimbesitzer?
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15:44 20.06.2019
MÜLLABFUHR IN LEHRTE: Der Restabfall wird in Säcken entsorgt. Foto: Quelle: Ditfurth
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HANNOVER

Bei den politischen Aussagen zur Abfallpolitik könnte man meinen, es ginge um Leben oder Tod. „Damit führen wir eine Art Wahlfreiheit ein und stoppen die Zwangstonne“, sagt zum Beispiel Bernward Schlossarek, CDU-Fraktionschef in der Regionsversammlung. Gemeint ist, dass Bürger im Umland bei Umzug wieder den Restabfallsack nutzen dürfen, ohne „mit der Tonne zwangsbeglückt“ zu werden.

Die SPD trägt diesen Kompromiss zähneknirschend mit. „Aus Gründen der Plastikvermeidung hätte ich mir etwas Anderes gewünscht“, sagt SPD-Fraktionschefin Silke Gardlo. Aber man habe die CDU davon überzeugen können, an den Mindestmüllmengen nichts zu ändern. Eine Verringerung der Mindestmengen hätte Mieter benachteiligt. „Deshalb gab es den Kompromiss mit dem Restabfallsack“, meint Gardlo.

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Zwei Drittel nutzen Tonne

Derzeit nutzen 63 Prozent der Menschen im Umland die Tonne, der Rest haut in den Sack (häufig Eigenheimbesitzer). Die Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) ist nicht glücklich mit den zwei Abfuhrsystemen im Umland. „Das größte Problem bei der Entsorgung des Restabfallsackes ist der Verschleiß der Mitarbeiter“, sagt aha-Sprecherin Helene Herich. Besonders ältere Kollegen seien wegen der größeren Belastung häufiger krank.

Die Grünen sind schon immer für die Restmülltonne gewesen. „Zwei Systeme sind viel teurer als ein System“, sagt Michael Dette (Grüne). Und seine Fraktion sieht bald auch noch einen weiteren Vorteil für die Sacknutzer. Denn die Groko Regio will die Müllgebührenberechnung umstellen. Anstatt Gewicht und Volumen als Berechnungsgrundlage soll künftig nur noch das Volumen zählen. „Das ist ein Vorteil für die Sacknutzer“, sagt Dette. Denn sie würden die Säcke bis oben hin stopfen, während das bei einer Tonne nicht nötig sei. „Schließlich ist die Tonne häufig nicht voll“, erklärt der Grüne.

FDP begrüsst Wahlfreiheit

Dazu sagt die aha-Sprecherin: „Entscheidend bei der Wahl des Maßstabes ist die Rechtssicherheit.“ Das Abfall-Volumen als Berechnungsgrundlage sei vom Oberverwaltungsgericht (OVG) anerkannt und werde überwiegend in Niedersachsen angewandt.

Auch die FDP trägt die Änderungswünsche der Groko Regio mit. Man lehne jede „Bevormundung der Bürger ab“ und man begrüße die „Wahlfreiheit“ hinsichtlich Sack oder Tonne. Der abfallpolitische Sprecher der FDP, Klaus Nagel, findet auch den „Partysack“ für den Restmüll und den Laubsack völlig in Ordnung. Auch das hat die Groko Regio auf den Weg gebracht.

Von Thomas Nagel