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Meine Stadt Hannover: Wer zahlt für die Folgen eines Unwetters?
Hannover Meine Stadt Hannover: Wer zahlt für die Folgen eines Unwetters?
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20:10 08.10.2017
PECH GEHABT: Dieses Auto wurde in Hannover in der Bultstraße von einem durch Sturm Xavier gefällten Baum erwischt. Quelle: Dröse
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Hannover

Schäden durch Sturm deckt nach Auskunft des hannoverschen Versicherers HDI die Wohngebäudeversicherung ab. Heißt: mindestens Windstärke 8 (das sind 62 km/h), registriert von entsprechenden Wetterstationen für das Gebiet, in dem der Schaden aufgetreten ist. Diese Versicherung schließt normalerweise der Eigentümer oder die Eigentümergemeinschaft ab.

Ein Baum sollte weder durch Schnee noch Stürmen umstürzen oder (größere) Äste verlieren – dafür ist der laut HDI Baumeigentümer verantwortlich. Passiert doch etwas, muss er mit Ersatzansprüchen der Geschädigten rechnen: „Nur wenn der Baumeigentümer beweisen kann, dass er seine Verkehrssicherungspflicht erfüllt hat oder der Schaden auch bei Beachtung der Verkehrssicherungspflicht eingetreten wäre, haftet er nicht.“ Am besten lasse man den Zustand der Bäume regelmäßig durch eine Fachfirma kontrollieren und dies dokumentieren. Stürzt ein Baum auf das Nachbargrundstück, können sich Geschädigte an den Baumeigentümer wenden. Dessen Privat- oder Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung ist für solche Schäden zuständig.

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Schäden am eigenen Auto sind über die Kaskoversicherung abgedeckt. Baumeigentümer müssen in diesem Fall mit Regressansprüchen des Kraftfahrtversicherers rechnen. Wer keine Kaskoversicherung für sein Auto abgeschlossen hat, sollte laut HDI den Baumeigentümer herausfinden und den Schadenersatz direkt bei ihm einfordern – im Zweifel geht das vor Gericht.

Die Hausratversicherung kommt für Schäden auf an dem, was beweglich im Hause ist, nicht für Schäden am Gebäude. Schäden durch Sturm und Hagel sind laut HDI damit abgedeckt, andere Elementarschäden, „also Schäden durch Naturereignisse“ (wie Überschwemmung, Erdrutsch, Lawine, Erdbeben), nicht. Diese Versicherung springt freilich nicht ein, wenn etwa vergessen wurde, das Fenster zu schließen und damit die Naturgewalt ungehindert Zugang ins mit High-Tech ausgestattete Wohnzimmer hatte. Und wenn etwa Ihr Blumenkasten vom Wind vom Balkon geweht wird und dann Schaden anrichtet – dann springt eine Privathaftpflicht ein, die ohnehin als wichtigste aller Versicherungen gilt.

Bei unmittelbarer Gefahr – etwa durch einen umgestürzten Baum – sollte der Betroffene die Feuerwehr informieren und ihr die Aufräumarbeiten überlassen, rät die Versicherungsgruppe ERGO. Man sollte möglichst auch alle Schäden fotografieren (lassen). Bis die Versicherung oder ihr Schadensermittler den Schaden begutachtet hat, empfehle es sich, mit umfangreichen Aufräum- und Reparaturarbeiten zu warten. Ist umgehend eine Reparatur notwendig – etwa bei größeren Schäden am Dach – sollten die Betroffenen zunächst die Versicherung kontaktieren, bevor sie einen Handwerker beauftragen.
 

Von Ralph Hübner