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Meine Stadt Hannover: Warum Katrin Langensiepen ins Europäische Parlament will
Hannover Meine Stadt Hannover: Warum Katrin Langensiepen ins Europäische Parlament will
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16:40 13.05.2019
Katrin Langensiepen. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Sie saßen lange Zeit im Rat der Stadt Hannover. Wieso wollen Sie jetzt nach Brüssel?

Für mich stand immer fest, dass ich einmal für das Europaparlament kandidieren möchte. Viele in meiner Generation verstehen sich als Europäer und mir geht das ganz genauso. Ich habe in Marseille und in den Niederlanden gelebt und so erfahren, wie wichtig die Freizügigkeit innerhalb der EU ist. In eine Zeit, in der es wieder Grenzen und unterschiedliche Währungen gibt, möchte ich nicht zurück. Deswegen ist es jetzt umso wichtiger, für Europa und seine Werte einzustehen.

Warum sollte man Sie wählen?

Weil ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich einen einheitlichen Mindestlohn für Europa und eine bessere Sozialpolitik fordere. Wegen meiner Behinderung wurde ich selbst in den Niedriglohnsektor gedrängt. Eine Zeitlang habe ich auch Hartz IV bezogen. Diese Erfahrungen haben mich frustriert und am Ende politisiert. Bei mir kann man sich darauf verlassen, dass ich mich bewusst zu Themen äußere, von denen ich Ahnung habe. Deswegen kämpfe ich als Niedersächsin auch für den Küstenschutz und den ländlichen Raum.

Wegen einer Erbkrankheit haben Sie verkürzte Unterarme. Fühlen Sie sich von der Gesellschaft behindert?

Die Diskriminierung liegt nicht darin, angepöbelt oder ausgelacht zu werden. Die Diskriminierung ist subtil: Man findet sie im Alltag, zum Beispiel am Arbeitsplatz. Ich bin gut ausgebildet, habe studiert und kann genauso arbeiten wie jeder andere Mensch. Trotzdem wollte man mich in Behindertenwerkstätten stecken. Das ist Diskriminierung und hat nichts mit einem inklusiven Arbeitsplatz zu tun. Von den Löhnen, die in den deutschen Werkstätten gezahlt werden, kann niemand leben. Außerdem widersprechen sie der UN-Behindertenrechtskonvention.

„Die Diskriminierung ist subtil“

Ist Europa inklusiv genug?

Nein. Es fehlt an einem inklusiven Arbeitsmarkt und einer europaweiten Rentenversicherung. Das ist übrigens eine Forderung, die über den Behinderten-Begriff hinausgeht und für jeden EU-Bürger Vorteile bringt. Als erste deutsche Abgeordnete mit einer Behinderung will ich gerade in diesem Punkt etwas bewegen.

Was muss sich verändern?

Europa ist eine Wirtschafts- und Finanzunion. Das ist wichtig, aber eben nicht nur. Deswegen muss sich Europa unbedingt zu einer Sozialunion entwickeln. Dabei sollten wir nicht Limbo tanzen, um das unterste Level zu erreichen. Es braucht vernünftige Standards. Wir kommen nicht um einen Mindestlohn, der 60 Prozent des Landesdurchschnitts ausmacht, umhin. Wenn wir jetzt keine sozialen Standards schaffen, erwischt uns die nächste Finanzkrise wieder kalt.

Ist das Ihre Vision von Europa?

Ja, aber nicht nur. Es müssen endlich alle Mitgliedsstaaten vollumfänglich zusammen denken. Gerade beim Thema Klimaschutz – die Uhr tickt. Und ganz ehrlich: Den Eisberg interessiert es ziemlich wenig, ob wir eine Finanz- und Sozialunion haben. Wenn Europa nicht bald handelt, werden wir ein großes Problem mit den Lebensmitteln und der Landwirtschaft bekommen. Arten werden weiterhin sterben. Der letzte Sommer war nicht einfach nur ein heißer Sommer, sondern ein Problemsommer. Schülerinnen und Schüler haben das Thema mit ihren Friday-for-Future-Demonstrationen auf die Agenda gerufen, wir müssen sie ernst nehmen.

„Wir müssen die Schüler ernst nehmen“

Was bereitet Ihnen sonst noch Sorge, wenn Sie an Europas Zukunft denken?

Ganz klar der Faschismus. Dass einige Länder so massiv mit den Werten der Demokratie spielen, hat aber viele Menschen wach gerüttelt. Ich bin mir sicher, das wirkt sich auch auf die Wahlbeteiligung aus.

Die Grünen sind auf einem Höhenflug. Was macht Sie sicher, dass das auch so bleibt?

Nichts ist sicher. Natürlich freue ich mich über die Entwicklung. Die Themen, die wir angesprochen haben, und für die wir jahrelang belächelt worden sind, kochen jetzt hoch. Wir hatten im Februar 20 Grad, das ist nicht normal und wird langfristige Konsequenzen haben. In der Asylfrage wird es künftig nicht mehr nur um politische Fluchtursachen gehen, sondern auch um Klimaflucht. Das haben wir erkannt und daneben viele brisante Themen auf der Tagesordnung. Wir machen nicht nur Öko, wir machen Sozialpolitik, kümmern uns um Menschenrechte und das Klima. Das ist Nachhaltigkeit.

Von Mandy Sarti

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