Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Von Freundin reingelegt? Hannoveraner gesteht Vergewaltigung
Hannover Meine Stadt Von Freundin reingelegt? Hannoveraner gesteht Vergewaltigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:44 28.03.2019
Symbolfoto.
Symbolfoto. Quelle: dpa
Anzeige
HANNOVER

Auf den ersten Blick ist es ein klarer Fall: Stephan F. (42) hat seine Ex-Freundin (32) vergewaltigt und körperlich attackiert. Schöffenrichterin Sabine Mzee verurteilte den Angeklagten am Mittwoch zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung. Klar war der Fall, weil der Angeklagte die Taten gestanden hatte; schon bei der Polizei. Und im Amtsgericht wiederholte der Mann das Geständnis. Doch am Ende des mehr als fünfstündigen Prozesses bleibt ein ungutes Gefühl zurück.

Und das hat im wesentlichen mit dem mutmaßlichen Opfer zu tun. Die Frau (Beruf: „derzeit Praktikantin“) beschrieb sich als „hochtraumatisiert“. Sie leide unter Schlafstörungen, Alpträumen und Depressionen. Ärztliche Atteste gibt es nicht. Die Beziehung zu Stephan F. habe sie nach der Vergewaltigung am 10. Januar 2018 beendet. Danach habe es nur noch „Gespräche“ mit ihm gegeben. Auf Nachfrage räumt sie auch körperliche Kontakte ein. „Die waren aber nicht freiwillig, nur mit Überredung.“

Doch das passt nicht zu der Aussage eines Nachbarn (27). Der junge Mann hörte den Angeklagten und die Freundin am 7. November 2018 beim Liebesspiel – inklusive ihrer Lustschreie. Das war ein Tag, bevor die Frau den Angeklagten bei der Polizei der Vergewaltigung bezichtigte. Der Nachbar berichtete auch, dass das vermeintliche Opfer ihn gefragt habe: „Wie können wir das angehen, ihn schlecht aussehen zu lassen?“. Damit war der Angeklagte gemeint. Stephan F. habe ihr nach dem Näherungsverbot nachgestellt, erzählte sie. Es gibt ein polizeiliches Auswertungsprotokoll seines Handys. In Teilen straft es die Frau Lügen.

Psychiatrische Untersuchung des mutmaßlichen Opfers?

Richterin Mzee sprach in ihrem Urteil von einer „toxischen Beziehung“. Zumindest ging es zwischen den Beiden immer hoch her. On-Off. Hat sich der Angeklagte in eine Art Liebeswahn gesteigert? Er könnte als Double von Meister Propper auftreten, sie ist eine grazile, orientalische Schönheit. Was hat die beiden in ihre mehr als zweijährigen Beziehung verbunden? Man weiß es nicht. Das Gericht interessiert sich auch nicht dafür.

Im Publikum verfolgen Nachbarn der Frau die Verhandlung. Ein älterer Mann behauptet, dass sie ihn auch schon wegen Einbruchs angezeigt habe. Eine Frau will wissen, dass schon einmal ein Mann wegen angeblicher Vergewaltigung der „Praktikantin“ vor Gericht gewesen sei. Man könnte meinen, alles übler Tratsch. Aber im Plädoyer erwähnt Anwalt Pascal Ackermann eine Ärztin, die eine psychiatrische Untersuchung der 32-Jährigen vorgeschlagen habe.

Doch Stephan F. hat gestanden, deshalb wurde er verurteilt. Er saß mehr als vier Monate in U-Haft, hat seine Arbeit verloren. Seine Wohnung will er kündigen, um seiner Ex nicht mehr zu begegnen. Eine gute Idee.

Von Thomas Nagel