Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Vater hat Tochter vergewaltigt – Gefängnis
Hannover Meine Stadt Vater hat Tochter vergewaltigt – Gefängnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 27.06.2019
Anzeige
HANNOVER

Häufig erhalten Straftäter in der Berufung einen gewissen Strafrabatt. Die Tat liegt dann schon länger zurück. Und im Gegensatz zur ersten Instanz wird auch ein Geständnis abgelegt. Nicht so bei Thomas L. (60). Er wurde am Montag im Landgericht wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Für jemanden ohne Vorverurteilungen ist eine solche Strafe ein Brett. Aber in zwei Instanzen hatte er die Vergewaltigung seiner Tochter (damals 10) geleugnet. Vier Mal musste das Kind im Laufe der Jahre aussagen. „Das Gericht hat dem Angeklagten mehrfach Brücken gebaut, um seiner Tochter eine weitere Aussage zu ersparen“, erklärte Opfer-Anwalt Michael Tusch. Doch Thomas L. blieb dabei: „Ich habe meine Tochter niemals unsittlich berührt.“ Hätte er gestanden, wäre eine Bewährungsstrafe drin gewesen.

Anzeige

Tochter schlief mit Vater in einem Bett

Angeklagt war lediglich ein Fall, ungewöhnlich für Missbrauchsfälle. In den Osterferien 2016 kam es zu der Vergewaltigung in Langenhagen. Die Tochter war zu Besuch bei ihrem Vater. Die Eltern hatten sich 2012 scheiden lassen. Das Kind schlief (wie so häufig) im Doppelbett beim Vater. Die Tochter habe im Laufe der Jahre das Kerngeschehen widerspruchsfrei erzählt, urteilte die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts.

Vor dem Amtsgericht Neustadt wurde Thomas L. für den sexuellen Missbrauch zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Am Montag wurde der Angeklagte wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu der härteren Strafe verurteilt.

Kind schilderte authentische Symptome

„Das Kind hat authentisch eigenes Erleben wiedergegeben“, erklärte Richterin Monika Thiele. Das Kind habe das Geschehen mit ihren Begriffen geschildert, ohne sich bewusst zu sein, um was es sich handelt. Deshalb könnten ihr Erwachsene die Wörter nicht in den Mund gelegt haben.

Der Anwalt des Angeklagten hatte versucht, die Aussage des Kindes anhand der Familiensituation zu erklären. So habe das Kind unter der Trennung der Eltern gelitten. Und die Mutter und ihr neuer Partner hätten der Tochter mehr oder weniger ihre Aussage in den Mund gelegt. Richterin Thiele: Das passt allerdings nicht dazu, dass das Kind Symptome und Schmerzen geschildert habe, die laut Gerichtsmediziner typisch für eine Vergewaltigung seien.

Von Thomas Nagel