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Meine Stadt Hannover: VWN-Chef kündigt „Jahr des Aufbruchs“ an
Hannover Meine Stadt Hannover: VWN-Chef kündigt „Jahr des Aufbruchs“ an
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19:17 28.03.2019
Volle Kraft Richtung Zukunft: VWN-Chef Thomas Sedran  will die Marke mit Sitz in Hannover umbauen – vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister..
Volle Kraft Richtung Zukunft: VWN-Chef Thomas Sedran will die Marke mit Sitz in Hannover umbauen – vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister.. Quelle: Scheffen/VWN
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HANNOVER

Thomas Sedran scheut große Worte nicht. Der Elektro-Bulli ID Buzz, der ab 2022 bei VW Nutzfahrzeuge (VWN) vom Band laufen soll, sei „das Sinnbild für die Zukunft der Marke“, erklärte der Vorstandschef von VWN am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz der VW-Tochter. „Extrem nützlich, extrem innovativ und zugleich extrem sexy“ sei das Modell, das sich im Design stark an der ersten Transporter-Generation orientiert. „Love is back“, versprach Sedran mit feinem Schmunzeln.

Trotz der großen Gefühle – VWN steht vor einem gewaltigen Veränderungsprozess. 2019 werde ein entscheidendes Jahr für die Marke, „ein Jahr des Aufbruchs“, sagte der Vorstandschef. Denn die „Nutzis“ wollen nicht mehr nur praktische Fahrzeuge für gewerbliche Kunden und emotionale Autos für Privatleute bauen, sie sollen künftig auch Mobilitäts- und Transportlösungen entwickeln und anbieten. Zudem müssen Werke, Produkte und Mitarbeiter fit gemacht werden für die Zukunftstechnologien Elektromobilität und Autonomes Fahren. 1,9 Milliarden Euro nimmt die Marke in diesem Jahr dafür in die Hand. „Das ist das anspruchsvollste Transformationsprogramm in der Geschichte von VWN“, so Sedran.

Kooperation mit Ford soll helfen

Dabei helfen soll auch die Partnerschaft mit dem US-Konkurrenten Ford, mit dem bereits Anfang des Jahres eine Kooperation verkündet wurde. Unter anderem wurde die gemeinsame Entwicklung eines Pickup konkret vereinbart, später sollen auch ein Transporter für Gewerbekunden und ein Caddy-Nachfolger zusammen gebaut werden. Kooperationen bei der E-Mobilität und beim Autonomen Fahren werden geprüft. Sedran kündigte an, dass VWN und Ford künftig auch „Einkaufs-, Entwicklungs- und Produktionskapazitäten“ bündeln wollen. Damit senke man die Kosten, steigere die Profitabilität und sichere langfristig die Auslastung der Werke.

Der Transporter für die Gewerbekunden soll laut Kreisen vermutlich in einem Ford-Werk in der Türkei gebaut werden. Im Stöckener Werk bleiben die „Premiumfahrzeuge für Freizeit und Familie“ wie der Multivan oder ab 2022 der vollelektrische ID Buzz. Die nächste Generation des Transporters, der T7 Multivan (für Privatkunden), wird allerdings nicht wie ursprünglich geplant 2020, sondern erst 2021 an den Start gehen. Zudem wird es keine rein elektrische Variante des T7 geben (NP berichtete).

Zahl der Mitarbeiter soll bis 2018 auf etwa 10 000 sinken

Um die Produktion effizienter zu gestalten, sollen im Werk die Prozesse stärker automatisiert und Mitarbeiter für neue Aufgaben geschult werden. Man versuche, alle betroffenen Beschäftigten „auf die Position zu bringen, auf der sie sich wohlfühlen“, sagte Produktionsvorstand Josef Baumert. Bis 2028 könnte die Zahl der Mitarbeiter in Stöcken von derzeit 14 500 auf rund 10 000 sinken. Der Stellenabbau soll aber anhand der demografischen Linie erfolgen, hieß es.

Zudem wird bei VWN in Hannover die konzernweite Entwicklung des automatisierten Fahrens gebündelt, etwa mit Blick auf ein selbstfahrendes Robo-Taxi – auch hier spielt die Kooperation mit Ford eine Rolle. So verhandeln die Partner gerade über den Einstieg von VW bei der auf autonomes Fahren spezialisierten Ford-Tochter Argo. Diese Gespräche seien „auf einem guten Weg“, erklärte Sedran, er rechne in einigen Monaten mit einem Ergebnis.

2018 hat VWN übrigens das „zweitbeste Ergebnis“ der Unternehmensgeschichte eingefahren: Der Umsatz hielt sich mit 11,9 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau, der Vorsteuergewinn sank von 853 auf 780 Millionen Euro. Das hatte vor allem mit den Problemen auf das neue Abgas-Prüfsystem WLTP zu tun. Für 2019 erwartet die Marke Auslieferungen auf dem Niveau von 2018 (500 000). In den kommenden Jahren rechnet Sedran mit Kosten im dreistelligen Millionenbereich, die das Ergebnis belasten, weil VWN beim Mutterkonzern CO2-Zertifikate einkaufen muss, um Strafzahlungen wegen zu hoher Abgaswerte zu vermeiden.

Von Inken Hägermann