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Meine Stadt 2018 wieder Miese eingefahren – aber Üstra ist zufrieden
Hannover Meine Stadt 2018 wieder Miese eingefahren – aber Üstra ist zufrieden
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07:34 27.04.2019
BITTESCHÖN: Betriebsratschef Christian Bickel (von links), die Üstra-Vorstände Denise Hain und Volkhardt Klöppner sowie Aufsichtsrats-Chef Ulf-Birger Franz haben in der Unternehmenszentrale die Jahresbilanz 2018 vorgestellt.
BITTESCHÖN: Betriebsratschef Christian Bickel (von links), die Üstra-Vorstände Denise Hain und Volkhardt Klöppner sowie Aufsichtsrats-Chef Ulf-Birger Franz haben in der Unternehmenszentrale die Jahresbilanz 2018 vorgestellt. Quelle: Villegas
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HANNOVER

Diese Bilanz kann sich aus Üstra-Sicht sehen lassen: Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2018 ein Minus in Höhe von 25,9 Millionen Euro erwirtschaftet – acht Millionen Euro weniger als ursprünglich kalkuliert. Und: Das Minus fiel um 5,8 Millionen Euro niedriger aus als im Geschäftsfahr 2017.

Grund genug für Üstra-Chef Volkhardt Klöppner, bei der Vorstellung der aktuellen Jahresbilanz davon zu sprechen, man habe „eines der wirtschaftlich am besten Ergebnisse seit den siebziger Jahren“ erzielen können. Üstra-Aufsichtsrats-Vorsitzender Ulf-Birger Franz (zugleich Verkehrs-und Wirtschaftsdezernent bei der Region) sagte: „Es war ein insgesamt erfolgreiches Jahr.“

Fahrgastzahlen gingen um 500 000 Gäste leicht zurück

Die Üstra-Vorstände Volkhardt Klöppner und Denise Hain hatten das Geschäftsjahr 2018 erstmals komplett alleine verantwortet. Hauptgrund für das bessere Ergebnis als 2017 sind nach ihren Angaben geringere Aufwendungen für Instandhaltungen in Höhe von 12,3 Millionen Euro und weniger Ausgaben bei der Kommunikation – gemeint sind etwa Kampagnen rund um die 125-Jahr-Feier der Üstra 2017.

Bei den Fahrgastzahlen lag die Üstra mit 174,4 Millionen Gästen um rund 500 000 Kunden unter dem Niveau von 2017, Begründung: „ Wir hatten einen heißen und langen Sommer, die Hannoveraner sind aufs Rad umgestiegen“, so Klöppner. Und: „Es gab zwei Streiktage, dazu Behinderungen durch zahlreiche Baustellen.“ Das habe vor allem die Buslinie 121 zu spüren bekommen – das Fahrgastaufkommen ging dort gleich um 25 Prozent zurück. Bei den Mitarbeiterzahlen legte das Unternehmen hingegen zu, um 41 Angestellte auf 1950 mit Stand Ende Dezember 2018. Den Anteil der Frauen konnte die Üstra um einen Prozent auf aktuell 20,1 Prozent anheben. „Beim weiblichen Fahrpersonal haben wir aber noch Nachholbedarf“, so Denise Hain.

350 Millionen Euro Investitionen in Flotte und Immobilien

Sowohl Klöppner als auch Franz betonten, dass die Üstra weiter in Zukunftstechnologien und in eine moderne Flotte investieren werde. Gut 89 Millionen Euro seien es 2018 gewesen, vor allem in die neuen Stadtwagen TW 3000 sei investiert worden – im vergangenen Jahr habe man den 100. Wagen des aktuellen Typs in Betrieb genommen. In den kommenden fünf Jahren wolle man 350 Millionen Euro in die Hand nehmen, etwa für weitere Fahrzeugbeschaffung wie Elektrobusse. 48 neue Busse des Typs – darunter 18 Gelenkbusse – sind bis 2023 geplant. Und: In den Betriebshof Glocksee müsse man einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren, kündigte der Üstra-Chef an. „Das allein können wir mit unseren Mitteln nicht aufbringen, bis 2023 müssen wir etwa 124 Millionen Euro an Neukrediten aufnehmen“, so Volkhardt Klöppner. Folge: Das Üstra-Minus werde in den nächsten Jahren ansteigen.

KUNDENSERVICE: Die Üstra verhandelt mit der VW-Tochter Moia aktuell darüber, ob ein Fahrservice von der Haltestelle zur Haustür möglich ist. Interessant ist das vor allem im ländlichen Bereich. Quelle: dpa

Eine Verbesserung des Kundenservice hat sich das Unternehmen ebenfalls auf die Fahnen geschrieben. Durch Fördergelder in Höhe von 4,7 Millionen Euro wolle man den Ausbau des Internetzugangs mittels W-Lan in Busse und Bahnen bis Ende 2020/Anfang 2021 abgeschlossen haben. Die GVH-App biete demnächst den Fahrkartenkauf ohne Registrierung sowie das bargeldlose Zahlen mittels Paypal oder Google Pay an. Und: Die Verkehrsbetriebe verhandelt aktuell mit der VW-Tochter Moia über eine Zusammenarbeit mit dem Ziel, den Kunden einen Fahrservice von der Haltestelle zur Haustüre anbieten zu können, gerade in ländlichen Gebieten des Umlandes.

Üstra einigt sich auch mit Ex-Chef Andre Neiss

Geeinigt hat sich die Üstra auch mit ihrem Ex-Chef Andre Neiss. Wie Aufsichtsrats-Chef Ulf-Birger Franz mitteilte, habe der Aufsichtsrat am Freitag einer außergerichtlichen Einigung zugestimmt. „Über die Einzelheiten wurde Stillschweigen vereinbart. Für beide Seiten ist die Einigung aber wirtschaftlich vernünftig“, so Franz. Andre Neiss sei jetzt ausgeschieden. Ihm war im Dezember 2017 gekündigt worden, obwohl Andre Neiss noch vier Jahre Vertrag hatte – bei einem Jahresverdienst von 310 000 Euro. Es ging also um eine Summe von 1,24 Millionen Euro.

Im März hatte sich das Unternehmen bereits mit Üstra-Vorstand Wilhelm Lindenberg außergerichtlich über eine Abfindungszahlung geeinigt. Den langjährigen Üstra-Chefs Neiss und Lindenberg wurde offiziell wegen eines Fehlers beim Kauf von Hybrid-Bussen gekündigt. Sie wurden bestellt, obwohl der Förderbescheid des Landes noch nicht vorlag. Der Schaden für das Verkehrsunternehmen beläuft sich auf 1,85 Millionen Euro, da die Subvention wegfiel. Das Verhältnis zwischen Regionsspitze und Üstra-Vorständen galt davor aber schon als arg belastet.

Von Andreas Voigt