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Meine Stadt So spannend war die 7. Maker Faire in Hannover
Hannover Meine Stadt So spannend war die 7. Maker Faire in Hannover
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18:08 18.08.2019
Hannover: Ronald Duikersloot aus den Niederlanden präsentiert auf der Ideenmesse Maker Faire eine Feuer-Show mit einem VW Käfer. Quelle: dpa
Hannover

Man muss schon ein wenig verrückt sein, sonst klappt das nicht – so lautet das Motto von Otto Troppmann aus Weyhausen (Kreis Gifhorn). Zusammen mir seinem Kumpel Winfried Ruloffs schraubt er so manch Skurriles zusammen, wie das Zapfwellenorchester, einen alten Traktor, der Musik abspielen kann. Den haben sie im vergangenen Jahr auf der Maker Faire in Hannover vorgestellt.

In diesem Jahr zeigt Troppmann das kleinste, fahrbare Fahrrad der Welt. Mit einem Achsabstand von 52 Millimetern ist es nicht gerade für Hochgewachsene geeignet. Aber es funktioniert. Konstruiert haben es die beiden Bastler schon vor mehr als 30 Jahren – und halten damit immer noch den Weltrekord. „Wir haben beide bei VW gearbeitet“, sagt Troppmann. „Da haben wir uns gedacht, wenn wir an den Größten mitgearbeitet haben, können wir das auch im Kleinsten. Dabei haben wir Spaß ohne Ende.“

Der Spaßfaktor ist ein wesentliches Element bei vielen der rund 1200 Aussteller, die an diesem Wochenende bei der siebten Maker Faire im HCC in Hannover ihre Ideen präsentieren. Nicht alles ist schräg, manches auch von Nutzen, wie etwa die kleine Solaranlage für den heimischen Balkon, die immerhin 600 Watt liefern kann. Ob man dafür den Liegestuhl eintauschen mag, bleibt jedem selbst überlassen.

Die Aussteller kommen aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland, viele aber aus Hannover. So stellt der Lindener Hendrik Karstens sein Bambus-Fahrrad vor. Die Idee dazu hatten er und ein Freund in der Berufsschule. „Dabei kamen wir spontan auf Bambus“, erzählt der 23-Jährige. „Vielleicht, weil es Rohre sind.“ Und damit eben von vornherein den Bauteilen eines Fahrradrahmens ähneln.

Hendrik Karstens (23) mit seinem Bambusfahrrad. Quelle: Christian Behrens

„Bambus ist ein nachwachsender Rohstoff“, erläutert Karstens den Umweltaspekt. „Und er federt, der Rahmen ist also auch gut für den Rücken.“ Der robuste Tam Vong Bambus halte dabei auch kräftigere Staturen aus. Die Rahmen fertigt seine Firma Boobam nach Maß an, sie kosten zwischen 350 und 500 Euro, dazu kommen noch die einzelnen technischen Komponenten nach Wunsch. Ein komplettes Bambusrad kostet so ab 900 Euro, in der Pedelec-Variante muss man schon 2000 Euro anlegen. 17 Räder hat der Tüftler schon verkauft.

Tausende Besucher drängen sich in den drei Hallen und im Rosengarten, darunter viele Kinder, die bei den vielen Mitmachangeboten voll auf ihre Kosten kommen. Überall wird geschraubt, gelötet, gebastelt – oder auch mal ein lustiges Katzengesicht mit Schokolade auf eine Waffel gemalt. Lisa (10) ist dabei ganz vertieft in ihre künstlerische Arbeit, die sie anschließend zum Naschen mitnehmen kann. Sie ist mit ihrer Familie aus Esslingen bei Stuttgart gekommen. „Wir sind auf dem Weg in den Urlaub an der Ostsee“, erzählt Mutter Julia Möhle. „Da haben wir hier einen kleinen Zwischenstopp eingelegt.“ Während Lisa malt, sind ihre beiden anderen Kinder mit Robotern und Programmieren beschäftigt.

Impressionen von der erfolgreichen Tüftler-Schau 2019 im HCC in Hannover.

Prinzessin Anna hält Hof

Auch Karin Schmidt und Ehemann haben mit ihren Enkelkindern eine weite Anreise hinter sich. Sie sind aus Osnabrück extra zur Maker Faire nach Hannover gekommen. Während der Siebenjährige voll auf die Roboter abfährt, ist die fünfjährige Ellen ganz begeistert von Prinzessin Anna, sieht sie doch fast genau so aus, wie in dem Disneystreifen „Die Eiskönigin“. Nur größer halt.

In dem Kostüm steckt Vivienne (27), eine von etwa 20 Mitgliedern der Cosplayer Hannover, einer Community, die sich eben gern verkleidet. „Jeder hat so seine Lieblingsfigur“, sagt Vivienne, „und versucht, sie so gut wie möglich zu kopieren.“ Für ein Kostüm bräuchte man je nach Aufwand schon mal zwei Jahre, und ganz billig ist der Spaß auch nicht. Stoff ist teuer. Und was fasziniert einen echten Cosplayer daran, wie eine Comicfigur auszusehen? „Das ist kreativ“, sagt Vivienne, „und fordert einen auch handwerklich. Vielen hilft es auch bei der Stärkung ihres Selbstbewusstseins.“

Die Star-Wars-Droiden werden lebendig

Doch man muss sich nicht selbst verkleiden, um seiner Leidenschaft für Comic- oder Filmfiguren zu frönen. Der R2-Builder-Club etwa hat sich dem Nachbau der Star-Wars-Droiden verschrieben. „Wir sind alles eingefleischte Star-Wars-Fans“, verrät Dietmar Strugholz (54), der den ersten Krieg-der-Sterne-Streifen 1977 als 13-Jähriger im Kino gesehen hat.

Die R2-Bauer, benannt nach dem Droiden R2D2, bilden eine bundesweite Internetgemeinschaft, deren Mitglieder regelmäßig auf Veranstaltungen ihre täuschend echt wirkenden Modelle vorführen. Rund 1000 Arbeitsstunden steckten in so einem Nachbau, die Kosten lägen je nach Material und Ausfertigung bei bis zu 5000 Euro, so Strugholz. Und natürlich setzen die Fans auch auf Aktualität. Torsten Kalbe aus Lehrte etwa führt stolz seinen funktionierenden Nachbau eines „BB-8“ aus den neueren Filmen vor, im Grunde zwei übereinander rollende Kugeln. „Die obere ist magnetisch und hat Rollen“, erklärt der Bastler das Geheimnis. Sein Modell sei aktuell das einzige in Deutschland.

Fantastische Kunst des Computerzeitalters

Der Begriff des Makers aber geht weiter. Eigentlich kann sich jeder dazu zählen, der etwa Eigenes macht. So auch Susanne Freiler-Höllinger aus Kaiserslautern, die die Messe zur Ausstellung ihrer fantastischen Bilder nutzt: ein ungewohnter Mix aus Malerei mit Acryl- oder Ölfarben mit elektronischen Computerbauteilen. Sie wolle damit auf Themen wie Digitalisierung und KI aufmerksam machen, dies durchaus ambivalent. „Wir müssen uns bewusst werden, was mit unseren Daten geschieht“, sagt sie. Ihr Kunstwerke jedenfalls könnten leicht das Cover eines Science-Fiction-Romans zieren.

ELEKTRONIK-KUNST: Die Bilder von Susanne Freiler-Höllinger könnten auch gut auf Buch- oder CD-Covern stehen. Quelle: Christian Behrens

Von Andreas Krasselt

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