Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Dürre-Frühling: Stadtförster befürchten Waldschäden
Hannover Meine Stadt Dürre-Frühling: Stadtförster befürchten Waldschäden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:50 24.04.2019
Trockenheit: Sie schadet auch den Bäumen.
Trockenheit: Sie schadet auch den Bäumen. Quelle: Moritz Frankenberg
Anzeige
Hannover

25 Grad, viel Sonne – eigentlich Traumwetter. Doch für April ist dieses Klima viel zu trocken. Was die Menschen freut, macht vor allem Flora und Fauna zu schaffen.

„Wir befinden uns in der Periode, in der neue Blätter austreiben, die für viele Tiere so wichtig sind“, sagt Heinz Pyka, Jäger im Stadtgebiet. Hasen, Rehe und weitere Säugetiere in der Leinemasch bekommen jetzt ihre Jungen. „Und für ihre Milch brauchen sie frisches Grün“, erklärt der Jäger. Das sei bei der derzeitigen Trockenheit aber Mangelware.

Auch an anderer Stelle hat der Mangel drastische Auswirkungen: „Wir haben in der Masch bei Wülfel erstmals seit 25 Jahren zwei Storchennester belegt. Wegen der Trockenheit kommen jedoch kaum Schnecken aus dem Boden an die Oberfläche: Nahrung, die die Störche dringend brauchen.“ Da Störche „nesttreu“ sind, hänge ihre Wiederkehr davon ab, ob die Brut in der Masch erfolgreich verläuft.

Aber auch anderen Vögeln, die gerade brüten, macht die Trockenheit zu schaffen. „Die Amsel, die morgens auf feuchten Wiesen Würmer sammelt, hat Probleme bei der Nahrungsbeschaffung, weil die Würmer in der Tiefe bleiben.“

Der bereits vorhandene Insektenmangel dürfte sich verschärfen, so Pyka. „Im Deister trocknen Bäche aus, die eigentlich nie trocken waren. Die Larven von Fliegen oder Libellen und das ganze kleine Leben, das wir gar nicht sehen, finden keine Bleibe mehr.“ Das wirke sich auf den Fischbestand und das ganze Ökosystem aus.

Zu viel Müll von Menschen

Eine wetterbedingte Auswirkung hat Pyka auch an den Ricklinger Teichen wahrgenommen. Sie ist menschengemacht: „Die Vermüllung durch Wegwerfgrills und Verpackungen ist jetzt schon enorm. Das hat ebenfalls viel Einfluss auf die Tiere in unserer Umgebung“, so der Stadtjäger. Seine Bitte: „Keine Wegwerfgrills kaufen, oder sie zumindest mit dem anderen Müll in die zahlreich aufgestellten Eimer werfen.“

An Petrus hat er auch eine Bitte: „Zehn Tage Regen für die Natur“, sagt Pyka. „Von mir aus auch nur nachts!“

Das würde auch die Bäume in den städtischen Wäldern wie Tiergarten oder Eilenriede freuen: Zwar gibt es in den in den tieferen Bodenregionen noch Wasser. „Da die Wetterprognose bis Mitte Mai keinen Regen vorhersagt, könnte sich die Situation allerdings deutlich verschlechtern“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. „Dann ist mit Waldschäden zu rechnen.“ Außerdem hätten die Stadtförster beobachtet, dass sich die Vegetation in Parks und Straßengrün „zurückhaltender entwickelt“, als es jahreszeitlich üblich ist. Jungbäume werden deshalb bereits häufiger als in anderen Jahren bewässert. Auch im Wald mussten in diesem Frühjahr gepflanzte Bäume bereits gewässert werden.

Weitere Folgen: Ausgetrocknete Felder und Waldbrandgefahr

Von Simon Polreich