Hannover: Soldaten der Evakuierungsmission in Kabul zurück in Deutschland
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Hannover: Soldaten der Evakuierungsmission in Kabul zurück in Deutschland

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22:32 27.08.2021
Soldaten der Bundeswehr sind in Wunstorf gelandet
Soldaten der Bundeswehr sind in Wunstorf gelandet Quelle: MARTIN MEISSNER
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Hannover

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landeten am Freitagabend kurz vor 20 Uhr drei Militärmaschinen – darin befanden sich etwa 380 Bundeswehrsoldaten und Soldatinnen, die in den vergangenen Tagen die Evakuierungsmission in Afghanistan begleitet haben. Für den Rückflug der Soldaten nach Deutschland wurden ein Airbus A310 der Luftwaffe und zwei Militärtransporter A400M eingesetzt. Die Luftbrücke ist damit offiziell beendet.

Mit den Soldaten reisten auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die Wehrbeauftragte Högl sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, nach Niedersachsen. Der Verteidigungsministerin sei in Gesprächen deutlich geworden, dass die Soldatinnen und Soldaten, die Diplomaten aus Kabul sowie Polizisten „Unfassbares gesehen und erlebt haben und dass sie Unglaubliches geleistet haben“, sagte Kramp-Karrenbauer in Wunstorf.

Die Männer und Frauen unter dem Kommando von Brigadegeneral Jens Arlt, dem Kommandeur der Luftlandebrigade 1, hätten volles Vertrauen bekommen und „dieses Vertrauen und alle Erwartungen, wie wir in sie gesetzt haben, mehr als erfüllt“.

Dank vom Bundespräsidenten

„Auf die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ist Verlass! Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Unser Land ist stolz auf Sie“, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf seinen Social-Media-Kanälen. Es habe sich um einen „mutigen Einsatz in einer sehr gefährlichen Mission“ gehandelt.

Die Einsatzkräfte waren in Taschkent gestartet, der Hauptstadt von Usbekistan. Dort hatte die Bundeswehr ein Drehkreuz eingerichtet, um in kurzen Shuttleflügen Deutsche und bedrohte Afghanen aus Kabul auszufliegen. Nach Bundeswehrangaben waren an der Evakuierungsmission 454 Einsatzkräfte beteiligt, darunter 19 Soldatinnen. Ein Teil der Einsatzkräfte und des Materials war am Freitagabend noch in Taschkent.

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„Tag der Freude über die Rückkehr“

Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Erich Pfeffer, hat den Soldaten der Evakuierungsmission für ihren schwierigen Einsatz in Afghanistan gedankt. „Der heutige Tag ist angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan kein Grund zum Feiern. Aber, es ist ein Tag zur Würdigung der erfolgreichen Evakuierung von mehr als 5000 Menschen, ein Tag zur Würdigung Ihres extrem intensiven Einsatzes über nahezu zwei Wochen“, sagte Pfeffer am Freitagabend auf dem niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf vor den mit Waffen angetretenen Einsatzkräften.

Am Freitagabend landeten die Maschinen am Fliegerhorst Wunstorf.

„Gleichzeitig ist es äußerst schmerzhaft zu wissen, dass es uns in der begrenzten Zeit nicht gelungen ist und auch nicht gelingen konnte, alle zu evakuieren, die mit oder für Deutschland in Afghanistan gearbeitet haben“, sagte Pfeffer. „Trotzdem ist es ein Tag der Freude über die Rückkehr unserer Truppen aus Kabul. Doch diese Freude wird auch massiv getrübt durch die niederträchtigen Anschläge auf den Flughafen in Kabul des gestrigen Tages.“

Noch immer Deutsche in Afghanistan

Nach dem Ende des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan warten noch rund 300 Deutsche und mehr als 10.000 Afghanen auf Ausreise nach Deutschland. Das teilte das Auswärtige Amt am Freitag mit. Die Lage am Flughafen von Kabul schätzt das Krisenreaktionszentrum des Amts nach dem verheerenden Anschlag am Vortag weiter als „hochgefährlich“ ein und warnt deutsche Staatsbürger davor, sich in der Nähe des Airports aufzuhalten. Die USA setzten ihre Evakuierungsflüge trotz des verheerenden Anschlags von Donnerstag mit wohl Dutzenden Toten fort.

Die Bundeswehr hatte seit dem 16. August 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern evakuiert, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 4000 Afghanen. Unter den Afghanen sind ehemalige Mitarbeiter von Bundeswehr und Bundesministerien, aber auch besonders schutzbedürftige Menschen, die beispielsweise für Frauen- oder Menschenrechtsorganisationen tätig waren.

Einsatz wird alle prägen

Der Kommandeur des deutschen Evakuierungseinsatzes in Afghanistan wagt keine Prognose, wann der Flughafen von Kabul wieder zivile Flugzeuge abfertigen kann. „Der zivile Teil auf der Südseite (des Flughafens) ist zerstört“, sagte Brigadegeneral Jens Arlt nach der Rückkehr nach Deutschland. Er trug - aus dem Einsatz kommend - noch sein Sturmgewehr.

Wunstorf: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Verteidigungsministerin, umarmt Jens Arlt, Brigadegeneral der Bundeswehr, nach einem Statement der beiden auf dem niedersächsischen Stützpunkt Wunstorf. Quelle: Daniel Reinhardt

Es werde schwierig werden, dort Gebäude und die notwendige Sicherheitsstruktur wieder herzustellen, sagte er. Das Ausfliegen schutzbedürftiger Menschen sei allein aus dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul erfolgt. Deutschland hofft darauf, dass Ortskräfte und andere Personen künftig auch mit zivilen Flugzeugen Afghanistan verlassen können.

Arlt sprach von einem „hochdynamischen Einsatz“ zwischen Kabul und der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Es sei gelungen, humanitäre Not zu lindern. „Dieser Einsatz wird mich prägen, wird uns alle prägen“, sagte der General. „Ich freue mich, dass ich wieder zurück bin in Deutschland.“ Die heimgekehrten Soldaten und Soldatinnen kehrten noch nachts mit Bussen aus Wunstorf an ihre Heimatstandorte zurück.

Von dpa