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Meine Stadt Sandwich-Eis: So entsteht die Spielfläche am Pferdeturm
Hannover Meine Stadt Sandwich-Eis: So entsteht die Spielfläche am Pferdeturm
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09:37 10.08.2019
DIE HERREN EISMEISTER: Thomas Kinschere (vorne) und Dominik Sundhaupt haben an elf Tagen die Spielfläche der Hannover Indians aufgebaut. Eine Präzisionsarbeit. Quelle: Petrow
HANNOVER

 In einer Jahreszeit, in der die meisten bei (hoch-) sommerlichen Temperaturen vor allem ans kühlende Freibad denken, schlüpft Dominik Sundhaupt lieber in eine warme Fleecejacke. Zumindest, wenn der Eismeister der Hannover Indians die 1800 Quadratmeter große Spielfläche am Pferdeturm betritt. Denn die ist seit Ende Juli auf minus elf Grad heruntergekühlt –Grundvoraussetzung dafür, dass das Eis bis Start des Trainingsbetriebs am Pferdeturm in diesen Tagen aufgebaut und fertig ist.Heißt: dick, hart und blank poliert. Verbraucht haben die Helfer dann insgesamt 34 000 Liter Wasser.

Sieben Schichten für vier Zentimeter dickes Eis

Bis das glatte Spielgeläuf diese Güte hat, braucht es allerdings viel Vorlauf. Auf vier bis fünf Zentimetern bauen Sundhaupt und sein Eismeister-Kollege Thomas Kinschere das Eis auf – das dauert Tage. Denn: Um die Dicke von vier Zentimetern zu erreichen, muss das Eis in sieben Schichten aufgetragen werden. Weil aber pro Stunde nicht mehr als ein bis drei Millimeter Eis aufgebracht werden können, ist exaktes Timing gefragt. Und eben Zeit. Der Aufbau des Eishockey-Eises gleicht im Prinzip einem Sandwich, bei dem Schicht für Schicht Salat, Gurken, Ei und Wurst übereinander gestapelt werden. Nur, dass es beim Eishockey allgemein und am Pferdeturm speziell nicht ums Essen geht – sondern ums Eis.

Rückblick: Mitte März waren die Indians in den Play-Offs ausgeschieden, danach gab es noch ein Pferdeturm-Legenden-Spiel, eine Saison-Abschlussparty hinterher – dann wurde die Eismaschine abgeschaltet, das Eis taute ab, eine graue Betonschicht kam zutage: Sommerpause im Kleefelder Kulttempel. Das war Anfang April. Jetzt, vier Monate später, muss die Eisfläche wieder her, beginnt alles wieder von vorne. Zunächst mit einem prüfenden Blick auf den Beton: „Wir haben nur ein paar kleine Löcher gefunden, keine größeren Schäden“, sagt Eismeister Sundhaupt.

Die Arbeitstemperatur liegt bei minus elf Grad

Bevor es aber überhaupt losgeht, muss der Untergrund abgekühlt werden – ein Vorgang, der allein schon 24 Stunden in Anspruch nimmt. Dass das Eis dann konstant kalt bleibt, liegt am Zaubermittel Ammoniak. Die chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff kühlt am Pferdeturm zunächst eine Sole – eine wässrige Salzlösung – auf die vorgegebene Temperatur runter. Diese Sole wird dann über ein Kühlschlangen-Rohrsystem unter die Piste geführt – es bleibt so gleichbleibend kalt. „Wie eine Fußbodenheizung, nur dass unser System eben kühlt“, erklärt Dominik Sundhaupt. „Unsere Arbeitstemperatur liegt bei minus elf Grad“, erklärt Kollege Thomas Kinschere. In der Saison habe man dann minus acht Grad auf dem Eis, je nach Witterung. Wenn die Indians spielen, könnten es aber schon mal minus zehn Grad sein – damit das Eis schön hart ist.

Mal eben den Rasen abkreiden wie beim Fußball – das geht beim Eishockey nicht. Alles in allem dauert das Eismachen elf Tage.

An diesem Tag Ende Juli – dem Auftakt des Eismachens – hat der Arbeitstag der beiden Eismeister um 8 Uhr begonnen: Mit dem Aufbau einer Schicht Grundeis von wenigen Millimetern, unspektakulär mit Hilfe des Wasserschauchs. Sie dient dem Schutz des Bodens. Das Wasser ist binnen 30 Minuten gefroren. Nach dem Grundeis kommt weiße Farbe ins Spiel. Durch das Weiß verschwindet nicht nur der graue Hallenboden, auch Schiedsrichter und Zuschauer haben das Spiel später besser im Blick. Die beiden Eismeister rühren insgesamt 200 Kilogramm Kalk aus Österreich in einen Bottich der Marke Eigenbau, in dem das Weißwasser elektrisch verrührt wird.

Weißes Kalkwasser macht die Spielfläche schön

Ein ratternder Kompressor pumpt das Kalkwasser – immerhin 1000 Liter – dann aus dem Bottich in einen gelben, etwa 35 Meter langen Schlauch, an dessen Ende eine ebenfalls selbst gebastelte Düsenvorrichtung sitzt. Über die wird das geweißte Wasser nun auf die Spielfläche fein säuberlich aufgespritzt. „Das Weißen dauert eine Weile, weil wir öfter über die Spielfläche gehen“, sagt Dominik Sundhaupt. Anders als handelsübliche Farbe bröckelt diese Mischung nicht in der Kälte, sondern gefriert zu einer perfekt ebenen Fläche.

War die Arbeit der beiden Eismeister bislang handwerkliche Routine, ist nun Konzentration und Präzision gefragt: Beim Auftragen der Spiellinien und der Sponsorenlogos – beides muss fehlerfrei sein. Denn: Torraum, Torlinie, Kurvenradius, Bullykreise, die blauen Linie und die (rote) Mittellinie müssen den vorgegeben Maßen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) entsprechen – Fehler werden nicht verziehen, dann müssen die Linien neu gezogen werden. Bei den Sponsorenlogos geht es schlicht ums Wirtschaftliche: Wer für das Logo zahlt, will schließlich fehlerfrei präsentiert werden. „Wir nehmen uns für die Linien einen ganzen Tag Zeit“, berichtet Dominik Sundhaupt.

Eine Zamboni für den letzten Schliff – Saisonstart in Leipzig

 Seine Hilfsmittel: Maßband, Maurerschnüre, Zirkel und eine Handvoll Helfer, die die Linien des Spiels und später die Logos millimetergenau mit aufbringen. Damit nichts verrutscht oder später kaputt gefahren wird, kommen danach wieder mehrere Schichten Eis zwischen und auf die Linien und Logos. Wichtig: Am Pferdeturm verwenden die Eismeister Spezial-Kreppband für die Linien, andere Vereine nehmen auch Farbe.

Die Eismaschine

Auch das Eis will gepflegt sein – denn die Fläche nutzt sich beim Eishockey binnen weniger Minuten ab. Nach jedem Drittel wird das Eis deshalb bearbeitet. Mit seiner Eismaschine bereitet der Eismeister die Spielfläche wieder auf – ein Vorgang, der sich im Inneren der Maschine abspielt. Zu sehen ist nur ein schimmernder Wasserfilm, den die Maschine zurücklässt. Am Heck sitzt ein scharfes Messer, das zunächst die oberste Eisschicht weghobelt. Mittels einer Schneckenwelle wird das abgeschabte Eis in die Maschine befördert, in den sogenannten Schneetank. Dort wird es gefiltert und bei der nächsten Fahrt wieder verwendet.

Hinter dem Messer am Heck wird dann Waschwasser auf die Fläche gelassen, um Pulverschnee aufzulösen und Furchen zu glätten. Durch Saugdüsen wird das überschüssige Wasser von der Eisfläche abgepumpt. Unter dem Schneetank sitzt ein Warmwassertank. Das etwa 50 Grad heiße Wasser wird dann auf die Eisfläche gesprüht und mit einem Tuch verteilt, um Unebenheiten auszugleichen. Durch das warme Wasser wird die Eisschicht aufgetaut, das neue Wasser verschmilzt mit der alten Eisschicht. Warum heißes Wasser auf Eis? Das heiße Wasser enthält weniger Luft, wodurch das Eis nicht so weich wird.Im letzten Arbeitsschritt wird das aufgebrachte Wasser noch mit einem Wischtuch in den Rillen und Fugen verteilt, um entstandene Unebenheiten direkt wieder auszugleichen. Schließlich befindet sich am Eiswagen noch ein Besen, der die Banden von Schneeresten reinigt. Da das Eis am Rand oftmals dicker ist als in der Mitte, besitzen die meisten Maschinen noch seitlich ein Messer, das das Eis wieder auf die einheitliche Höhe bringt.

Inzwischen ist Anfang August. Die beiden Indians-Eismeister haben die Spielfläche mit Nutzeis in Schichten weiter aufgebaut. Das Ende naht, denn jetzt kommt die treckerartige Eismaschine vom Typ Zamboni zum Einsatz, benannt nach dem Kalifornier Frank J. Zamboni, der die Technik erfunden hat. Sie gibt der Spielfläche den letzten Schliff. Optisch ist es nach mehreren Runden nun das, womit dieser Sport überhaupt erst möglich ist: eine spiegelglatte Fläche, auf der Eislauffreunde bei öffentlichen Veranstaltungen wie der Eis-Disco ihre Runden drehen und die Spieler der Indians nun trainieren und demnächst auch spielen. Das erste Mal am 30.August im Test gegen Liga-Konkurrent Hamburg Crocodiles. Die Oberliga-Saison beginnt dann am 27.September, einem Freitag. Die Indians müssen nach Leipzig.

Das Herz piekt ein bisschen bei den ersten Kratzern im Eis

Elf Tage Arbeit liegen nun hinter den beiden Eismeistern vom Pferdeturm. Zufrieden blicken sie zurück, etwas wehmütig nach vorne: „Wenn die Läufer die ersten Kratzer ins Eis fahren, piekt das schon ein bisschen im Herz.“ Und: Da es sich beim Pferdeturm um ein offenes Eisstadion handelt, haben Tauben in den vergangenen Tagen hier und da über der Eisfläche ihr Geschäft verrichtet. Es wurde zur eingefrorenen Hinterlassenschaft. Und zu kleinen Schönheitsfehlern in einem ansonsten perfekten Sandwich-Eis.

Von Andreas Voigt

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