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Meine Stadt Sexueller Übergriff auf Seniorin nach Zechgelage
Hannover Meine Stadt Sexueller Übergriff auf Seniorin nach Zechgelage
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14:58 29.05.2019
Symbolfoto.
Symbolfoto. Quelle: NP
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HANNOVER

Grzegorz D. (29) kann kein Wort sagen, legt aber ein Geständnis ab. Der Pole ist taubstumm. Eine Gebärden-Dolmetscherin übersetzt für den Angeklagten. Am 31. Juli 2017 hat sich der Mann eines sexuellen Übergriffs schuldig gemacht. Sein Opfer ist 38 Jahre älter als er, ebenfalls hörgeschädigt.

Dass der Mann erst jetzt verurteilt werden konnte, ist aufmerksamen Polizisten zu verdanken. Am Tatort gab es nur DNA-Spuren des Täters. Sie waren aber in der Datei des Landeskriminalamtes noch nicht hinterlegt. Auch die Fingerspuren an einem Glas halfen den Ermittlern nicht weiter. Bis Mitte 2018. Dann wurde Grzegorz D. wieder mal beim Schwarzfahren in der Bahn erwischt. Die Bundespolizei nahm Fingerabdrücke vom Täter.

Der Ermittler bei der Polizei Hannover nahm sich die Akten noch mal vor und fand die übereinstimmenden Fingerabdrücke. So konnte der Angeklagte Ende 2018 verhaftet werden.

Und im Grunde haben nur die DNA-Spuren D. überführt. Denn die Beweislage ansonsten sei sehr unklar gewesen, so Schöffenrichter Jörn Thyen. Für den Angeklagten war sein späteres Opfer und ihr Freund eine Zufallsbekanntschaft am Bahnhof. Mit dem Paar ging er in ihre Vahrenwalder Wohnung. Dort tranken sie, Wodka und Bier. „Auf einmal wurde mir schwarz vor Augen“, sagte die Frau. Auch ihr Freund sank in die Bewusstlosigkeit. Das Ende der fröhlichen Zechrunde: Die Frau lag übelst zugerichtet am Boden. Gerichtsmediziner fanden DNA des verschwundenen Mannes in ihrem Intimbereich.

So blieb Grzegorz D. nichts anderes übrig, als ein Geständnis abzulegen. Er wurde zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt und muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Auf einen Bewährungshelfer verzichtete der Richter, weil das wegen der Bestellung eines Gebärden-Dolmetschers zu aufwändig sei. Außerdem habe der Angeklagte ja Frau und Kind in Düsseldorf.

„Aber fahren Sie nicht wieder schwarz“, empfahl der Richter dem Angeklagten. Die letzte Schwarzfahrt führte Grzegorz D. in die sechsmonatige Untersuchungshaft.

Von Thomas Nagel

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