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Meine Stadt Saufen, pöbeln, urinieren: Obdachlose sorgen für Ärger rund um den „Papenwinkel“
Hannover Meine Stadt Saufen, pöbeln, urinieren: Obdachlose sorgen für Ärger rund um den „Papenwinkel“
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13:45 24.06.2019
Obdachlose sorgen seit Monaten für Ärger rund um die Haltestelle „Papenwinkel“. Quelle: Montage Lill
Hannover

Die Sonne scheint, es ist sommerlich warm, viel Grün blüht rund um die Straßenbahnhaltestelle „Papenwinkel“ – es könnte so schön sein in dem Viertel in Vahrenheide. Doch dort ist die Welt nicht in Ordnung. Immer noch nicht. Anwohner beschweren sich weiterhin über pöbelnde, betrunkene Obdachlose, die die Stadt in der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft an der Straße Alter Flughafen unterbringt. „Nichts hat sich hier geändert“, schimpfen Kornelia (63) und Sabine Kowalski (35). Das Problem hatte schon vergangenen Herbst für Aufregung gesorgt. Der städtische Ordnungsdienst ist zwar im Einsatz – offenkundig aber zur völlig falschen Zeit.

Eine Anwohnerin (51) der Dresdner Straße berichtet von einem Erlebnis am vorletzten Wochenende. Spät am Abend seien fünf Obdachlose – drei Männer und zwei Frauen – aus der Bahn gestiegen, hätten auf polnisch gepöbelt. Der Lebenspartner der Frau versteht die Sprache. Es blieb nicht bei verbalen Entgleisungen: „Sie haben auch mit Bierflaschen geworfen“, berichtet die 51-Jährige.

Wildes Urinieren: Kleingärtnern stinkt’s

Nach ihren Beobachtungen liegen die Wohnungslosen auch auf oder (je nach Alkoholisierung) unter den Bänken an der HaltestellePapenwinkel“. Ihre Notdurft verrichten sie auch öffentlich. Eine 72-Jährige, die an der Peter-Strasser-Allee (zwischen Dresdner Straße und Straße Alter Flughafen) einen Kleingarten hat, ärgert sich: „Die pi... hier immer in den Weg.“ Direkt hinter der Eingangspforte riecht es tatsächlich ekelhaft nach Urin. Alles Probleme, die es bereits im vergangenen Herbst gab.

Neu ist, dass sie bei sommerlichen Temperaturen auf den Wiesen an der Peter-Strasser-Allee sowie zwischen den HaltestellenPapenwinkel“ und „Vahrenheider Markt“ schlafen. Manchmal türmt sich der Müll, leere Schnapsflaschen liegen rum. Laut Mutter und Tochter Kowalski tauchen Obdachlose häufiger auch im Einkaufszentrum „Vahrenheider Markt“ auf. „Im Eiscafé bin ich sogar schon angebettelt worden“, berichtet die 63-Jährige.

Papenwinkel Quelle: Mahrholz

Nach Angaben von Stadtsprecher Udo Möller übernachten zurzeit rund 80 Obdachlose in der Notschlafstelle an der Straße Alter Flughafen – trotz des Sommers nur unwesentlich weniger als im Winter 2018/2019. Die Beschwerdeführer sprechen keineswegs davon, dass alle, die dort untergebracht sind, negativ auffallen. Es handelt sich um einen überschaubaren Personenkreis. Der tritt allerdings immer wieder unangenehm in Erscheinung.

So offenbar auch ein als besonders korpulent beschriebener Mann, der gerne zu nachtschlafender Zeit betrunken an der HaltestellePapenwinkel“ sitzt und laut Musik hört. Die Wohnung der Kowalskis liegt rund 150 Meter Luftlinie entfernt. „Das hören wir bis in die tiefe Nacht hinein“, so Tochter Sabine.

Eine ganz andere Sicht auf die Dinge scheint die Stadt zu haben. Diese Wahrnehmung wurde auch Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg (SPD) so vermittelt. Er habe aus dem Ordnungsbereich im Rathaus die Nachricht erhalten, dass sich die Situation im Bereich „Papenwinkel“ beruhigt habe.

Anwohner rund um die Haltestelle „Papenwinkel“ ärgern sich weiter über das Benehmen von Obdachlosen.

Auf NP-Nachfrage teilt Stadtsprecher Möller mit, dass der städtische Ordnungsdienst von Anfang Dezember 2018 bis Mitte Februar 2019 täglich morgens und nachmittags am „Papenwinkel“ war. Seit Mitte Februar sei man dreimal wöchentlich präsent – zwischen 16.30 und 18.30 Uhr. Oder sporadisch auch morgens. „Bei den Kontrollen ist inzwischen überwiegend wenig oder nichts zu beanstanden“, so Möller.

Mag sein. Allerdings pflegen sich betrunkene, renitente Obdachlose auch wenig an die Arbeitszeiten des städtischen Ordnungsdienstes zu halten. Die Belästigungen, von denen die Rede ist, spielen sich laut Anwohner in der Regel nach 18.30 Uhr ab. Weit danach.

Polizei: Nichts hat sich geändert

Anders die Einschätzung der Polizei. Die Beamten sehen wie die Anwohner wenige Veränderungen zum Positiven am „Papenwinkel“. „Die aktuelle Situation entspricht der Lage aus dem November 2018“, erklärt Sprecher Philipp Hasse.

20 Einsätze hatten seine Kollegen seit Herbst in dem Bereich. Hasse: „Hierbei handelte es sich überwiegend um Sachverhalte, denen keine Straftat zugrunde lag. Es fühlten sich Passanten von angetrunkenen Personen belästigt.“

Obwohl das Problem rein ordnungsrechtlicher Natur ist (und damit ausschließlich Aufgabe der Stadt), will die Polizei im Bereich „Papenwinkel“ weiter Streife fahren. Hasse: „Um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken“.

Die Üstra lässt Protec-Streifen mehrmals täglich bis zum Endpunkt „Alte Heide“ fahren, inzwischen steige die Security aber nicht mehr bei jeder Tour am „Papenwinkel“ aus. Grund ist, dass „in letzter Zeit die Anlässe und dokumentierten Feststellungen deutlich zurückgegangen sind“, teilt Üstra-Sprecher Udo Iwannek mit. Auf Verfehlungen reagierten die Protec-Leute in der Vergangenheit mit Verweisen und Hausverboten, was laut Iwannek aber die betreffenden „Personen nach wie vor eher nicht einschüchtert“.

Obdachlose auch im Winter in Vahrenheide?

Bezirksbürgermeister Grunenberg hatte bei seiner letzten Anfrage an die Verwaltung die Information bekommen, dass die Unterkunft Alter Flughafen bis „mindestens Sommer 2019“ betrieben werden solle. Nun teilte Stadtsprecher Möller auf NP-Anfrage mit, man gehe davon aus, dass „die Notschlafstelle auch im Winter 2019/2020 benötigt wird“. Eine Nachricht, die in Vahrenheide vermutlich nur bedingt gut ankommt.

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Von Britta Mahrholz

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