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Meine Stadt Hannover: SPD powert beim Europafest zum Wahlkampf-Finale
Hannover Meine Stadt Hannover: SPD powert beim Europafest zum Wahlkampf-Finale
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21:18 25.05.2019
Versprühte Zuversicht, für Europa und die SPD. Ministerpräsident Stephan Weil beim Europafest zum Wahlkampfabschluss am Kröpcke.
Versprühte Zuversicht, für Europa und die SPD. Ministerpräsident Stephan Weil beim Europafest zum Wahlkampfabschluss am Kröpcke. Quelle: Nancy Heusel
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Die Umfragewerte zur Europawahl lassen Schlimmes erahnen – kein Wunder also, dass die SPD am Samstagnachmittag an Hannovers Kröpcke noch einmal mit geballter Personalpower um Stimmen kämpfte. EU-Kandidat Bernd Lange (im blauen EU-Kapuzenpulli) verteilte, ebenso gut gelaunt wie Hannovers OB-Kandidat Marc Hansmann, Rosen mit Parteischildchen an Passanten und stellte sich deren Fragen. Doch auch bewährte Zugpferde mussten ran, beim Wahlkampfabschluss des SPD-Stadtverbands unter dem Motto „Kommt zusammen für ein starkes Europa“.

Ministerpräsident Stephan Weil zum Beispiel. Die Umfragetiefs seiner Partei scheinen an seiner Person schlichtweg abzuperlen. Kein Wunder also, dass er bei seinem Auftritt eine Zuversicht versprühte, für die ihn so mancher Genosse beneiden darf. Weil machte gute Stimmung im mittelvoll besetzten Zeltforum, wo mitunter kritische Bürger ihre Fragen auf Bierdeckel schreiben und bei Moderatorin und Bundestagspolitikerin Yasmin Fahimi einreichen konnten. In seinen Antworten schlug Weil zudem mühelos Brücken nach Europa – Antworten auf Fragen, die sich entgegen dem Sinn der Veranstaltung meist doch um innerpolitische Angelegenheiten drehten. Trotz der vielen Europafähnchen und -Luftballons ging es auf Bierdeckeln vornehmlich um Themen wie Inklusion, Pflege oder Wohnungsnot.

So blieb es zunächst an Moderatorin Fahimi, den EU-Bezug herzustellen: „Was tut Europa eigentlich für Niedersachsen?“, wollte sie vom Ministerpräsidenten wissen. „Sehr viel“, so Weil. Sei es am VW-Werk in Stöcken, das nicht zuletzt auch aufgrund von Vorgaben aus Brüssel komplett auf E-Antriebe umrüstet, seien es die Diesel-Fahrverbote oder das Sprengelmuseum, dessen Anbau ohne Millionen-Förderung aus der EU gar nicht zustande gekommen wäre. „In Hannover haben wir ständig mit Europa zu tun.“

Aber Europa könne auch von Niedersachsen lernen, glaubt er. „Vor allem den Zusammenhalt. Hier ziehen viele Menschen am selben Strang, zum Beispiel bei der Flüchtlingshilfe.“ Europa sei – siehe den Brexit – noch zu oft von nationalen Egoismen getrieben. „So manchem Staat täte es gut, da mal etwas zurückzustecken“, mahnte Weil unter dem Applaus der Zeltgäste.

Wiederum von Europa lernen könnten Deutschland und Niedersachsen jedoch in Sachen Inklusion, so Weil auf eine Bierdeckelfrage. Dort seien andere EU-Länder viel weiter, Skandinavien etwa, oder auch Italien, wo sogar Bordsteine flächendeckend abgesenkt seien. „Hier sind wir im Vergleich eine Generation im Rückstand.“

Auch bei einer Frage zur Frauenquote in der Politik fand der Ministerpräsident den EU-Bezug: In Schweden etwa sei die Beteiligung von Frauen deutlich stärker ausgeprägt, während hierzulande im Landes und Bundesparlament der Anteil rückläufig sei. Er begeistere sich sehr für ein Parité-Gesetz nach französischem Vorbild mit einer Quote von 50 Prozent, betonte der Sozialdemokrat. „Dort funktioniert es!“

Übrigens seien die Gremien besonders männerdominiert, in die AfD gewählt wurde, fügte Weil einem Seitenhieb nach rechts hinzu. Was bei der falschen Wahlentscheidung noch passieren könne, habe sich zuletzt in Österreich gezeigt: Der im sogenannten Ibiza-Video belastete Ex-Vizepräsident Heinz-Christian Strache (FPÖ) sei einer von Europas führenden Rechtspopulisten, so Weil. „Das Video sollte auch den letzten abhalten, am Sonntag rechts zu wählen.“

Bei den Zuschauern kam der deutsch-europäische Parforceritt des bürgernahen Ministerpräsidenten gut an. „Er kam hier besser rüber, als etwa im Fernsehen“, urteilte ein kritischer Besucher. Für den EU-Wahlausgang der Sozialdemokraten sehe er allerdings schwarz. Bei aller Zuversicht.

Von Simon Polreich