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Meine Stadt Hannover: Zähes Ringen um den Erhalt des Godehardistifts
Hannover Meine Stadt Hannover: Zähes Ringen um den Erhalt des Godehardistifts
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19:28 03.05.2019
Hat noch Hoffnung: Ulrich Büchler, der auch eine Onlinepetition für den Erhalt gestartet hatte, erklärt auf der Versammlung den Stand der Dinge..
Hat noch Hoffnung: Ulrich Büchler, der auch eine Onlinepetition für den Erhalt gestartet hatte, erklärt auf der Versammlung den Stand der Dinge.. Quelle: Villegas
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Hannover

Mitarbeiter des Godehardistifts und Angehörige von Bewohnern ringen um den Erhalt des Seniorenzentrums in der Posthornstraße (Linden-Mitte). Sie haben eine Initiativgruppe gegründet, die am Freitagnachmittag zu einer ersten Versammlung eingeladen hatte. Zusammen mit Fachleuten der Stadt und Vertretern der Heimleitung sollten Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden. Allerdings blieb man unter sich. Das jedoch mit rund 80 Teilnehmern im gut gefüllten Saal der St.-Godehard-Gemeinde.

Die Stadt hielt eine Teilnahme nicht für nötig, zumal sie diese auch terminlich nicht habe einrichten können, so Sprecher Dennis Dix: „Die Stadtverwaltung ist mit diesem Thema aber umfänglich befasst und steht in engem Austausch mit der Heimleitung und den Interessenvertretern.“ Auch der Geschäftsführer der Einrichtung, Wolfram Rohleder, war verhindert, schickte aber eine E-Mail mit dem Stand der Dinge – aus seiner Sicht.

Betreiber würde an anderer Stelle neu bauen

Im Januar hatte der Betreiber, das Evangelische Johannesstift, bekannt gegeben, dass das Godehardistift zum Ende des Jahres schließen werde. Das Gebäude sei marode und eine Sanierung nicht möglich. Interessiert am Erhalt des Altenstifts sind offenbar alle Parteien. Dennoch scheint es ein zähes Ringen zu geben. Das Johannesstift ist bereit, ein neues Gebäude an einem anderen Standort zu errichten – gerne auch in Linden, wie Rohleder versicherte. Seiner Ansicht nach wäre ein Altenheim dieser Größe an der Posthornstraße nicht umzusetzen. Sollte ein geeignetes Grundstück für einen Neubau gefunden werden, würde die Schließung des Godehardistifts um zwei oder drei Jahre verschoben werden, um dann einen kompletten Umzug zu ermöglichen.

Die Stadt dagegen hält einen entsprechenden Neubau am alten Standort durchaus für möglich, zumal dort eben laut Bebauungsplan ohnehin nur Senioreneinrichtungen zugelassen sind. Was wiederum dem Johannesstift den Vorwurf einer „Gentrifizierungsstrategie“ einbrachte. Zumal der Betreiber in Gesprächen mit der Stadt auch bekräftigt hatte, am jetzigen Standort eher in Richtung Seniorenwohnungen zu denken. Was eher Profit verspricht als das Seniorenheim, das in den zehn Jahren seit der Übernahme von der Caritas nur rote Zahlen schrieb.

Stadtverwaltung misstrauisch?

Dass es mittlerweile zu Gesprächen mit der Stadt kommt, wertet Ulrich Büchler von der Initiativgruppe als „deutlichen Fortschritt“. Bis dahin habe es allerdings zwei Monate gedauert, „was mich ein bisschen deprimiert hat.“ Er habe den Eindruck, dass es bei der Verwaltung ein deutliches Misstrauen gegenüber dem Betreiber gebe. „So aber kann man nicht zusammenarbeiten.“

Immerhin: Mittlerweile hat die Stadt offenbar zwei Grundstücke im Stadtteil für einen möglichen Neubau angeboten. Eines davon hält das Johannesstift für ungeeignet, das Zweite indes für diskussionswürdig. „Das ist ein kleines Pflänzchen Hoffnung, mehr nicht“, betonte Herbert Möhrs von der Initiativgruppe, der die Mail von Rohleder vorlas. Zwei weitere Vorschläge fielen von vornherein unter den Tisch, da sie teilweise bereits bebaut sind.

Betreiber stellt Ultimatum bis Ende Mai

Rohleder stellte in seiner Botschaft jedoch ein klares Ultimatum: Bis Ende Mai müsste die Grundstücksfrage geklärt sein, zumindest in Form einer belastbaren Absichtserklärung. Denn um den Termin der Schließung zum Jahresende einzuhalten, müssten die notwendigen Kündigungen ab Mitte Juni eingeleitet werden. „Es geht in diesem Monat ans Eingemachte“, so Möhrs. „Wenn dann kein Grundstück da ist, war es das. So bitter das ist.“

Die Initiativgruppe setzt auf pragmatischen Konsens, weniger auf weltanschauliche Auseinandersetzung, weshalb Büchler auch nichts davon hält, dem Betreiber den Schwarzen Peter zuzuschieben. Gegen Appelle an das christliche Selbstverständnis der Stiftung wäre indes nichts einzuwenden. Ein Aufschub der Entscheidung um ein Jahr, wie ein Teilnehmer vorschlug, würde den Druck erheblich vermindern. Ein anderer betonte: „Das Heim ist ein Teil unseres Kiezes. Es gehört zum Kiez, dass unsere Senioren hier auch ihren Lebensabend verbringen können.“

Kritik an Verzögerungshaltung der Stadt

Büchler kritisierte vor allem die Verzögerungshaltung der Verwaltung: „Es ist eine Sauerei, dass die Stadt es nicht geschafft hat, in drei Monaten in ein Gespräch einzusteigen.“ Die Stadt halte weiter an ihrem Wunsch nach einer bezahlbaren Pflegeeinrichtung für Senioren fest, so Sprecher Dix. Direkte Einflussnahme sei ihr indes nicht möglich, da das Johannesstift bei allem christlichen Selbstverständnis dennoch ein gewinnorientiertes Privatunternehmen sei.

Auch die Zukunft der ebenfalls betroffenen, auf dem Gelände untergebrachten Kita „Junges Gemüse“ ist ungeklärt. Der Träger konnte im Stadtbezirk Linden-Limmer noch keine räumliche Alternative finden. Auch hier hofft die Stadt, dass, sollte eine Grundstücksalternative für das Godehardistift gefunden werden, dort auch Platz für Krippenkinder wäre.

Von Andreas Krasselt