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Meine Stadt Region Hannover: Zeigte Ausbilder Nacktfotos?
Hannover Meine Stadt Region Hannover: Zeigte Ausbilder Nacktfotos?
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00:21 24.09.2018
In Unruhe: Das Haus der Region nach dem Missbrauchs-Skandal. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Um den Fall von mutmaßlicher sexueller Belästigung ist ein regelrechter Arbeitskampf in Hannovers Regionshaus entbrannt. Inzwischen sind nach NP-Informationen weitere Mitglieder des Gesamtpersonalrats (GPR) zurückgetreten. Der Gleichstellungsbeauftragten der Region, Petra Mundt, ist das nicht genug. Sie fordert den geschlossenen Rücktritt des GPRs und sammelt im Haus per Mail Unterschriften bei den Mitarbeitern. Der GPR lässt das nicht auf sich sitzen und schlägt seinerseits zurück.

„Wir lassen prüfen, ob es Anhaltspunkte für die Verletzung des Datenschutzes, für die Behinderung von Personalratstätigkeit und für mögliche Straftatbestände gibt“, sagt die neue GPR-Vorsitzende Bärbel Horenburg in Richtung Dienstherr.

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Das war passiert: Ein Ausbilder der Region Hannover soll eine Mitarbeiterin sexuell belästigt haben. Der 62-Jährige soll ihr Urlaubsbilder mit Nacktaufnahmen von sich gezeigt haben. Regionspräsident Hauke Jagau sprach dem Mann wegen „groben Fehlverhaltens im Dienst“ bereits die fristlose Kündigung aus. Regionssprecherin Christina Kreutz spricht von einem eindeutigen Fall. Die Kündigung ist bis heute ohne große Wirkung, denn der Gesamtpersonalrat verweigerte die notwendige Zustimmung zum Rauswurf. Das Brisante: Der Ausbilder ist selber Mitglied in diesem Gremium.

Einige Mitglieder sind zurückgetreten

Ausgerechnet der GPR-Vorsitzende nahm daraufhin seinen Hut, aus Protest gegen die Entscheidung seines Gremiums. Nach NP-Informationen sollen noch weitere zwei GPR-Mitglieder zurückgetreten sein. Da sich Regionsverwaltung und Personalrat nicht einigen konnten, geht der Fall jetzt vor das Verwaltungsgericht. In den kommenden Wochen soll es zu einer mündlichen Verhandlung kommen, hieß es dort.

Ruhe kehrte daraufhin aber nicht im Regionshaus ein. Inzwischen hat sich Regions-Gleichstellungsbeauftragte Mundt zu Wort gemeldet. Sie wirft der Arbeitnehmer-Vertretung vor „keine klare Haltung gegen sexuelle Belästigung“ zu zeigen. Dadurch habe der Personalrat bei den Mitarbeitern viel Vertrauen verloren, so Mundt. Sie hat mittlerweile 200 Unterschriften bei den rund 3000 Mitarbeitern gesammelt, warte noch weitere Rückmeldungen ab und werde die Liste dann dem GPR übergeben. „Als symbolisches Signal.“

Die Vorwürfe lässt die neue Vorsitzende nicht auf sich sitzen: „Nach wie vor gibt es im Gesamtpersonalrat keine Toleranz gegenüber sexueller Belästigung!“, wehrt sich Horenburg. Man habe sich mit den von der Dienststelle vorgelegten Unterlagen befasst und „auf dieser Grundlage eine sachgerechte Entscheidung getroffen“.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Das sieht man auf Arbeitgeberseite allerdings völlig anders. Mittlerweile hat der Dienstherr Anzeige gegen den Ausbilder erstattet. So sollen sich auf dem Dienstrechner des 62-Jährigen Pornobilder befunden haben. Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft, erklärt: „Die Akten sind bei der Polizei, wir ermitteln.“

So soll sich der Ausbilder in nahezu „schulbuchmäßiger“ Weise seiner Auszubildenden genähert haben. Er habe ihre körperliche Nähe gesucht, angeboten ihr was Schickes zu kaufen, Fotos gezeigt und von gemeinsamen Urlauben gesprochen. Dabei habe er das Abhängigen-Verhältnis auch mittels subtiler Drohungen ausgenutzt. Die junge Frau soll lange gezögert haben, das übergriffige Verhalten dem Arbeitgeber zu melden.

Wenn der Fall so eindeutig ist, warum stellt sich der mehrheitlich mit Frauen besetzte GPR hinter seinen Kollegen? Diese Frage beschäftigt zurzeit viele Mitarbeiter im Regionshaus. Eine klare Antwort gibt es darauf wohl derzeit nicht.

Von Simon Polreich und Thomas Nagel