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Meine Stadt Hannover: Polizei nimmt Radfahrer ins Visier
Hannover Meine Stadt Hannover: Polizei nimmt Radfahrer ins Visier
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20:30 24.04.2019
Flucht: Ein Radfahrer türmte vor der Polizei. Fast wäre er dabei mit einem Auto zusammengestoßen.
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Hannover

Sieben Tote, 229 Schwer- und 1821 Leichtverletzte – das sind die schlimmen Folgen von 2057 Radfahrer-Unfällen 2018 in Hannover und Umgebung. Viel zu viele, sagt die Polizei. Deshalb kontrollieren Beamte der Inspektion Süd im Rahmen einer Aktionswoche verstärkt Radfahrer. Bilanz allein des gestrigen Tages: Insgesamt 62 Sünder wurden ertappt, 15 fuhren bei Rot über eine Ampel, 45 waren entgegen der Fahrtrichtung unterwegs und zwei telefonierten am Lenker.

Wenig Einsicht bei den Betroffenen

Ziel der Polizei ist es, Fehlverhalten von Radfahrern, aber auch von Autofahrern gegenüber Zweiradfahrern abzustellen. Dafür müssen Verstöße eben geahndet werden. So wie gestern an einer Kontrollstelle Marienstraße/Ecke Warmbüchenstraße. Auf Einsicht stoßen die Beamten eher selten.

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Auf der Marienstraße gibt es auf beiden Seiten Radwege, oft benutzen Pedalritter aber die Strecke zwischen Aegi und Berliner Allee verbotenerweise in entgegengesetzte Richtung. So auch eine Frau (34).

Polizistin zeigt Herz

20 Euro kostet der Verstoß. Sie zahlt mit EC-Karte und erkennt damit ihr Fehlverhalten an, ist aber stinksauer wegen der Kontrolle: „Ich glaube, wir haben definitiv größere Probleme“ sagt sie in Richtung der Polizisten. Dass die Aktion eine Reaktion auf die gestiegene Zahl der Unfälle ist, interessiert sie nicht: „Ich fühle mich nicht als Risikofaktor“, fügt sie hinzu: „Die Polizei sollte Rennradfahrer kontrollieren, aber nicht mich. Ich bin ja nur mit einem Omi-Rad unterwegs.“

Auch ein Mann benutzt die Marienstraße entgegen der Richtung, zückt die EC-Karte, um sein Ordnungsgeld zu zahlen. Dann berichtet er Kommissarin Christine Oehm, dass er etwas neben sich steht, beim Arzt habe er gerade eine unschöne Diagnose bekommen. Er will der Polizistin sogar die medizinischen Befunde zeigen. „Ich glaube Ihnen“, so die Beamtin. Er zeigt Einsehen, sie zeigt Herz – und nutzt ihren Ermessensspielraum: Der Betroffene muss die 20 Euro nicht zahlen. Oehm belässt es bei einer mündlichen Verwarnung.

Viele mit Handy am Ohr im Sattel

In Hannover gibt es eine Reihe von Radwegen, die beidseitig befahrbar sind. Sie sind ausgeschildert oder durch Piktogramme erkennbar. Grundsätzlich gilt: „Radfahrer müssen sich stets versichern, ob Radwege in beide Richtungen befahren werden dürfen“, so Polizeisprecher Philipp Hasse.

Aktionswoche der Polizei: Die Beamten kontrollieren verstärkt das Verhalten von Radfahrern. Grund sind gestiegene Unfallzahlen 2018.

Aus ihrem Arbeitsalltag im Streifenwagen weiß Oehm, welches die häufigsten Vergehen von Radfahrern in Hannover sind: „Es sind Rotlichtverstöße und das Telefonieren beim Fahren.“ Deshalb stoppt die Kommissarin auch einen Jugendlichen. Der 17-Jährige reagierte ebenfalls ungehalten auf die Aktion der Polizei und fragt: „Haben die nichts anderes zu tun?“ Die Beamten sollten sich seiner Ansicht nach lieber um „Vergewaltiger und Terroristen kümmern“ als um Radfahrer.

Verfolgung endet in Sackgasse

Nicht alle radelnden Sünder konnte die Polizei am Mittwoch auch schnappen. Einer flüchtete auf der Marienstraße – und prallte dabei fast gegen ein fahrendes Auto. Die Beamten nahmen zwar die Verfolgung auf, in einer Sackgasse entwischte der Mann ihnen allerdings. In der Geibelstraße zogen sie dagegen einen Betrunkenen am Lenker aus dem Verkehr: Der 38-Jährige hatte am Morgen schon fast zwei Promille intus.

Die Schwerpunkt-Kontrollen mit dem Titel „Fehlverhalten von und gegenüber Radfahrern“ dauern noch bis Sonntag.

Von Britta Mahrholz