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Meine Stadt Promis kämpfen für Marktkirchen-Fenster
Hannover Meine Stadt Promis kämpfen für Marktkirchen-Fenster
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Kämpft für das neue Fenster: Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg, hier bei einer Bürgerpredigt in der Marktkirche.
Kämpft für das neue Fenster: Ex-Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg, hier bei einer Bürgerpredigt in der Marktkirche. Quelle: Wilde
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Hannover

Der Erbe des Architekten ist dagegen. Nun allerdings gibt es prominente Unterstützung für das vom Künstler Markus Lüpertz entworfene Fenster, das Hannovers Marktkirche bekommen soll. Der frühere Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und weitere bekannte Vertreter der Stadtgesellschaft haben ein Plädoyer für das umstrittene Projekt unterzeichnet.

Lüpertz’ „Werk in der Marktkirche wäre eine Bereicherung“, schreiben sie. Der offene Brief richtet sich vor allem an Georg Bissen, Stiefsohn und Urheberrechtserbe des Architekten Dieter Oesterlen, der die Marktkirche nach dem Zweiten Weltkrieg umgestaltet hatte. Der in Tokio lebende Rechtsanwalt hatte den Einbau des Fensters untersagt, das Altkanzler Gerhard Schröder der Gemeinde schenken möchte. Bissen kritisiert, dass der Einbau die Atmosphäre des Kirchenraums wesentlich beeinträchtigte.

Erbe soll Blockadehaltung aufgeben

Die Unterzeichner des Plädoyers, zu denen unter anderem der Kabarettist Matthias Brodowy, Reinhard Spieler, der Direktor des Sprengelmuseums, und die ehemaligen Nord/LB-Chefs Manfred Bodin und Gunter Dunkel gehören, fordern Bissen auf, „die Realisierung des Fensters nicht zu blockieren“. Sie wundern sich, dass es „ausgerechnet für die Nachkriegsüberarbeitung auf unbestimmte Zeit einen exklusiven Bestandsschutz“ geben soll.

Schließlich handele es sich bei der Marktkirche um eine „historische, gotische Architektur, die im 17. Jahrhundert barockisiert und im 19. Jahrhundert wiederum neogotisch ausgestattet wurde“. Kirchenausstattungen und Kirchenfenster seien „oft im Verlauf von Jahrhunderten ergänzt oder ausgetauscht“ worden, heißt es in dem Brief. Beispiele dafür seien Fensterergänzungen im Kölner Dom durch Gerhard Richter, im Naumburger Dom von Neo Rauch sowie in St. Stephan in Mainz durch Marc Chagall.

Weiteres neues Fenster auf der anderen Seite?

Widerstand gegen das Fenster gibt es allerdings nicht durch den Oesterlen-Erben Bissen. Auch viele Gemeindemitglieder sind dagegen. Sie stören sich an der Gestaltung des Werkes, das neben einer stilisierten Luther-Figur auch fünf dicke Fliegen zeigen soll. Die Unterzeichner des Briefes betonen, dass es Hannover gut tue, „wenn über Kunst diskutiert wird“. Sie können sich sogar eine „weitere künstlerische Intervention auf der gegenüberliegenden Seite“ der Kirche vorstellen.

Der Kirchenvorstand selbst diskutiert derzeit, wie er mit Bissens Veto umgehen soll. Laut Sprecher Fabian Gartmann kommt auch eine Klage in Frage.

Von Christian Bohnenkamp