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Meine Stadt Hannover: Professor wird wie Putzfrau bezahlt
Hannover Meine Stadt Hannover: Professor wird wie Putzfrau bezahlt
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16:48 25.10.2018
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Hannover

Die Karriere des Medizin-Professors liest sich eindrucksvoll: Seit 1984 Facharzt der Urologie, seine beruflichen Stationen führten ihn über die MHH auf den Chefarzt-Posten im Siloah. 2011 ließ der Mediziner seine Karriere als „Senior Consultant“ im Friederikenstift ausklingen. Mit einer halben Stelle war er der Vertreter des Chefarztes in der Urologischen Klinik. Sein Jahresverdienst betrug 36 672 Euro.

Es ging um gut 16000 Euro

So die Praxis. Im Arbeitsvertrag stand aber nichts von einem „leitenden Oberarzt“, sondern nur von einem „Senior Consultant“ – was auch immer man darunter verstehen mag. Am Donnerstag klagte der Medizin-Professor im Arbeitsgericht auf Nachzahlung seines Gehaltes. Im Arbeitsgericht ging es um gut 16 000 Euro und die entgangene Jahreszulage. Einen Vergleich hatte die Diakovere abgelehnt. Der Richter hatte vorgeschlagen, dass der Arbeitgeber 7500 Euro an den „Senior Consultant“ zahlt.

Mehr Putzfrau als Arzt

„Meine Gehaltssteigerungen waren eher die einer Putzfrau als die eines Arztes“, sagte der Kläger. Und man habe vereinbart, dass er der Vertreter des Chefarztes sei. Ansonsten hätte er niemals seine Stelle im Siloah aufgegeben.

Klage abgewiesen

Doch Richter Axel v. d. Straten wies die Klage ab. Begründung: Im Arbeitsvertrag sei keine Rede von einem leitenden Oberarzt gewesen. Kuriosum am Rande: Die Diakovere (Frederiken-, Anna- und Henriettenstift) schrieb den Professor als „Führungskraft“ an, und bat ihm auf einen Teil der Jahreszulage zu verzichten. Wie gesagt, die Zulage hatte der Professor nie erhalten.

Von Thomas Nagel