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Meine Stadt Hannover: Plädoyers im Mafia-Prozess
Hannover Meine Stadt Hannover: Plädoyers im Mafia-Prozess
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17:52 01.07.2019
ANGEKLAGT: Ewaldas S. (mit Anwalt Mindaugas Jacinevicius) soll den Raubüberfall auf Juwelier Bielert organisiert haben. Foto: Quelle: Nagel
HANNOVER

Oberstaatsanwältin Maren Stolper hat das Verfahren gegen Ewaldas S. (26) mit „Clan-Verfahren in Berlin“ oder Prozessen gegen Hells Angels verglichen. Sie meinte damit, dass Zeugen aus Angst vor dem Angeklagten ihre Aussagen revidierten oder ganz zurückgenommen hätten. Wegen schweren Raubes beantragte sie am Montag sechs Jahre und vier Monate gegen den Litauer.

Ewaldas S. soll der Drahtzieher des Überfalls auf Juwelier Bielert in Neustadt gewesen sein. Drei Räuber erbeuteten am 17. Januar 2017 Uhren im Wert von etwa 30 000 Euro. „Der Angeklagte war keine Randfigur, er hat im Hintergrund die Fäden gezogen“, so Stolper. Er habe Hotels gebucht, den Juwelier ausbaldowert, Pistole (unecht) und Reizgas den Räubern übergeben.

Ist S. der „Logistiker“?

Die Räuber sind in Hannover zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie waren Teil der litauischen Mafia. Ewaldas S. soll auf der „Logistik-Ebene“ der organisierten Kriminalität angehören. Chef der litauischen Mafia soll der mysteriöse „Der Alte“ sein. Die deutschen Behörden wissen nicht, um wen es sich dabei handelt. Aber er soll verantwortlich für brutale Raubüberfälle auf Juweliere in ganz Europa sein.

In Neustadt sollten die Täter Uhren im Wert von 200 000 Euro rauben. Doch sie griffen sich nur „billigere“ Uhren. Zum Ausgleich sollten sie kurze Zeit später einen Juwelier in Aachen ausrauben. Die Polizei fand eine genaue Skizze bei einem der Täter. Auch diesen Raub soll Ewaldas S. vorbereitet haben.

Anwalt sieht zahlreiche Widersprüche

Für Anwalt Siegfried Schäfer sind das alles Räuberpistolen. Er sieht allenfalls eine Beihilfe zum Raub. Ein bereits verurteilter Litauer sei der Drahtzieher gewesen. Nur in dessen Auftrag habe S. die Hotelzimmer gebucht. Die beiden Belastungszeugen hätten gelogen, als sie seinen Mandanten als Drahtzieher bezeichneten. Mehr als eine halbe Stunde listet er die Widersprüche in ihren Aussagen auf. Der Hauptbelastungszeuge habe Ewaldas S. nur zum Drahtzieher der Raubüberfälle erkoren, weil er sich Strafrabatt erhofft habe. Einen konkreten Antrag auf ein Strafmaß stellt der Verteidiger nicht.

Ewaldas S. ist in Litauen wegen Vergewaltigung und zwei weiterer Delikte vorbestraft. Im Prozess hatte er sich als Mitläufer dargestellt, der mit den Raubüberfällen eigentlich nichts zu tun hatte. Er wurde mit europäischem Haftbefehl in Litauen verhaftet; und sitzt seit 5. Dezember in Haft.

Urteil am Freitag

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