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Meine Stadt Hannover: Pianist spielt am Hauptbahnhof für Obdachlose
Hannover Meine Stadt Hannover: Pianist spielt am Hauptbahnhof für Obdachlose
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16:22 27.02.2018
Für den guten Zweck: Pianist Arne Schmitt spielt vor dem Hauptbahnhof.
Für den guten Zweck: Pianist Arne Schmitt spielt vor dem Hauptbahnhof. Quelle: Foto: Behrens
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Seit fünf Jahren ist der Hauptbahnhof für den Obdachlosen Rainer (50) sein Zuhause. Gestern hatte er zum ersten Mal seit langer Zeit die Möglichkeit, den Kopf frei zu kriegen und die Gedanken loszulassen. Der Grund: Er lauschte den Klängen von Pianist Arne Schmitt. Der Straßenmusiker spielte von 12 bis 20 Uhr unter dem Motto „Mehr Hilfe für Obdachlose“ auf dem Ernst-August-Platz.

Das Ziel des Musikers: „Ich möchte möglichst viele Leute auf die Situation von Obdachlosen aufmerksam machen. Es kann nicht sein, dass sie bei diesen Minusgraden auf der Straße schlafen müssen.“ Schmitt ist in der ganzen Welt mit seinem Piano unterwegs. Auch in Hannover spielte er schon öfter: „Das Thema der Obdachlosigkeit gehe ich zum ersten Mal an.“ Die Idee entstand vor etwa zwei Wochen, als der 45-Jährige am Kröpcke einen Obdachlosen sah, der vor lauter Verzweiflung am Weinen war: „Man muss den Menschen einfach mal zuhören und ihnen dadurch Energie geben. Oftmals sind es traurige Schicksale, die zu einem Leben auf der Straße führen.“ Schmitt wünscht sich, dass die Zustände für Obdachlose verbessert werden.

Ein Passant in Hannover spendete spontan Geld

Viele Passanten sind von dem riesigen schwarzen Piano beeindruckt und bleiben stehen. Auch Sven Herberger. Er ist zufällig am Hauptbahnhof vorbeigekommen und hat 30 Euro ge­spendet: „Die Menschen auf der Straße können einem einfach nur leidtun. Da muss mehr getan werden.“ Das eingenommene Geld wird an die Obdachlosen rund um den Bahnhof verteilt. Rolf Vie­brans (62) war selber mal von Obdachlosigkeit betroffen: „Ich weiß, wie es ist, auf der Straße zu leben. Jetzt möchte ich den Menschen helfen.“

Rainer freut sich währenddessen über die musikalische Abwechslung und hofft auf mehr Unterstützung von der Stadt: „Es soll mehr unternommen werden, die Notunterkünfte sind so dreckig, da schlafe ich lieber auf der Straße.“ Für seine Zukunft wünscht er sich nicht viel: „Eine Wohnung, eine Heizung und ein Bett.“

Von Cecelia Spohn