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Meine Stadt Hannover: Neues Programm macht fit für das Pedelec
Hannover Meine Stadt Hannover: Neues Programm macht fit für das Pedelec
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16:52 09.05.2019
Jutta Meißenburg fährt mit dem Pedelec durch den Parkour am Expo-Park. Quelle: Droese
Hannover

Das Pedelec erobert zunehmend die Radwege. Gerade bei Senioren ist das mit einem Elektromotor ausgestattete Fahrrad beliebt. Sie können trotz nachlassender Ausdauer und Kraft weiter mit dem Rad unterwegs sein. Allerdings sind die E-Bikes aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeiten von bis zu 25 Kilometer die Stunde auch nicht ganz ungefährlich. Die Verkehrswacht hat daher am Donnerstag ein neues vom Verkehrsministerium gefördertes Sicherheitsprogramm für Anfänger und Fortgeschrittene gestartet. Die Initiative „Fit mit dem Pedelec“ soll all jenen helfen, die lernen wollen, wie sie sich sicher mit den Pedelecs fortbewegen können.

Senioren zumeist schwerer verletzt

„Für viele sind die hohen Geschwindigkeiten und die Beschleunigung ungewohnt“, sagt Heiner Bartling, Präsident der Landesverkehrswacht. Das Training solle dabei helfen, die Häufigkeit der schweren Unfällen zu reduzieren. Die Zahl der getöteten Pedelec-Fahrer sei in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen – auch weil natürlich immer mehr Menschen mit den E-Bikes unterwegs sind. „Übung macht nicht nur den Meister, sondern schafft auch Sicherheit“, sagt Thomas Buchheit, Verkehrssicherheitsexperte im Landespolizeipräsidium.

Zu den Pedelec-Programm gehört auch ein theoretischer Teil. Quelle: Dröse

Das Hauptproblem: Viele Senioren, die das Pedelec nutzen, sind körperlich nicht mehr ganz so fit und möglicherweise auch einige Jahre nicht mehr Rad gefahren. „Gerade Senioren sind in die schweren Pedelec-Unfälle verwickelt. Sie sind auch anfälliger dafür, sich schwerer zu verletzen“, sagt Heiko Johannsen. Der Leiter der Unfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gibt zugleich aber auch Entwarnung: Bereinige man die Unfallzahlen um das Alter und die gefahrenen Kilometer, dann sei das Pedelec nicht wesentlich gefährlicher als das normale Fahrrad.

Was sind die Tipps der Experten?

Training hilft aber trotzdem und so waren auf der Expo-Plaza diverse Pilonen aufgestellt. Die Senioren umkurvten mit ihren Pedelecs Slalomstangen, fuhren enge Kurven und machten Bremstests. Auch ein Theorieteil gehört zum vierstündigen Anfängerkurs. Antje Peltzer saß zum ersten Mal auf einem E-Bike. Denn die 73-Jährige überlegt noch, ein Pedelec zu kaufen. „Ich kann mir vorstellen, dass das Bremsen deutlich schwieriger ist. Die Fahrräder sind ja auch schwerer.“ Helmut Meißenberg (69) hat bereits ein E-Bike und rät: „Beim Auf- und Absteigen muss man sich umstellen.“

Viele Senioren kommen mit der Geschwindigkeit der Pedelecs nicht klar. Quelle: Dröse

Doch was sind die Tipps der Experten? Ein Helm beuge schlimme Verletzungen vor. „Ohne den sollte man sich nicht auf ein Pedelec setzen“, sagt Christoph Wilk vom Verkehrsministerium. Unfälle verhindere das allerdings noch nicht. Die beiden Trainer Rudi Czipull und Lutz Dietrich empfehlen, zunächst das Fahrrad ohne Motor-Unterstützung in einem geschützten Bereich zu testen und dann den E-Antrieb langsam dazu zu schalten. „Fahren Sie nie schneller mit dem E-Bike, als sie es mit dem normalen Rad tun würden“, sagt Czipull.

Pedelec-Fahren steigert die Fitness

Vor allem aber das Bremsen sollte man üben. „Die Bremsen auf den E-Bikes sind gut, da kann es passieren, dass das Vorderrad blockiert“, warnt Czipull. Eine weitere Schwierigkeit ist das Auf- und Absteigen. Viele Menschen seien es gewöhnt im Fahren aufzusatteln. „Wenn dann durch den Fuß auf dem Pedal bereits der Motor angetrieben wird, kann das in einem Sturz enden“, erklärt Dietrich.

Pedelec-Fahren hält fit. Quelle: Dröse

Ansonsten mache die Fahrt auf dem Pedelec aber viel Spaß – und verbessere zugleich die Fitness. „Die Intensität des Trainings ist bei vielen Pedelec-Fahrern fast vergleichbar mit dem normalen Fahrrad“, sagt Uwe Tegtbur, Leiter des MHH-Instituts für Sportmedizin.

Wer an dem Kurs teilnehmen möchte, sollte seine örtliche Verkehrswacht kontaktieren. Das Training kostet zehn Euro.

Unfallzahlen steigen drastisch an

Die Zahl der Unfälle ist im vergangenen Jahr zwar gesunken, dafür hat die Schwere zugenommen. Im vergangenen Jahr starben 60 Radfahrer auf Niedersachsens Straßen. 2017 waren es noch 48 gewesen. In drei von vier Fällen waren sie dabei nicht Hauptverursacher des Unfalls.

Dass immer mehr Menschen mit dem Pedelec fahren, spiegelt sich auch in dieser Statistik wieder. 19 der 60 getöteten Radfahrer saßen auf einem E-Bike. Sechs mehr als noch im Vorjahr. Auffällig: 84 Prozent der getöteten Pedelec-Fahrer waren älter als 65 Jahre.

Auch bei den leichteren Unfällen zeigt sich ein drastischer Anstieg. So habe es im vergangenen Jahr 218 schwer verletzte Pedelec-Fahrer gegeben (65,15 Prozent mehr als im Vorjahr) und 812 Leichtverletzte (70,59 Prozent mehr als im Vorjahr). Untersuchungen der Unfallforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeigen, dass diese sich kaum von den normalen Fahrrad-Unfällen unterscheiden. „Wir haben bei Pedelecs aber deutlich öfter einen Kontrollverlust über das Fahrrad“, sagt Heiko Johannsen, Leiter der MHH-Unfallforschung.

Und Pedelecs liegen weiter im Trend. Nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) ist im vergangenen Jahr die Zahl der verkauften Pedelecs in Deutschland um 36 Prozent auf rund 4,4 Millionen E-Bikes gestiegen.

Von Sascha Priesemann

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