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Meine Stadt Beerdigung im falschen Grab: Immer noch keine Entschädigung
Hannover Meine Stadt Beerdigung im falschen Grab: Immer noch keine Entschädigung
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19:37 08.05.2019
Um dieses Grab geht es: Sowohl Mutter als auch Schwiegermutter wurden auf der linken Seite der Dreiergrabstätte beigesetzt. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Die Erinnerung an die eigene Mutter kann niemand Doris S. nehmen. Das Gedenken an die Verstorbene hat im Mai 2018 jedoch einen unschönen Beigeschmack bekommen. Denn damals hob man das Grab ihrer Mutter auf dem Badenstedter Friedhof aus – und beerdigte in der Grabstelle ihre Schwiegermutter. Eine fatale Verwechslung.

Den Schock hat die 75-Jährige inzwischen überwunden. Aber geklärt ist die Sache immer noch nicht – obwohl die städtische Friedhofsverwaltung bereits einen Fehler eingeräumt hat. Doch der Reihe nach.

Doris S. zahlt seit 1993, dem Jahr, als ihre Mutter verstarb, für ein sogenanntes Wahlgrab für drei Personen, weil sie damals schon beschließt, dass darin ihre Mutter sowie Schwiegermutter und Schwiegervater beigesetzt werden sollen. Bis heute hat sie für die Nutzung des Familiengrabs umgerechnet mehr als 15 000 Euro gezahlt.

Grab der Mutter ausgehoben

Als Doris S. dann im Mai 2018 ihre Schwiegermutter beerdigen will und nach der Kapelle zum Familiengrab geht, erlebt sie einen schweren Schock. Man hat nicht die einzig noch verbliebene freie Stelle, sondern das Grab ihrer Mutter ausgehoben. Es ist bereits fertig präpariert für das Begräbnis ihrer Schwiegermutter.

Friedhofsverwaltung räumt Fehler ein

Nachdem Doris S. monatelang auf eine angemessene Entschädigung gewartet hat, schaltet sie im Oktober 2018 die Neue Presse ein. Auf NP-Nachfrage weist das Bestattungsunternehmen jegliche Schuld von sich, sieht stattdessen die Friedhofsverwaltung in der Pflicht. Dort räumt man kurz darauf einen Fehler ein. Man sei davon ausgegangen, dass es sich inzwischen nur noch um ein Zweiergrab handelt. „Dies be­dauern wir zutiefst“, äußerte sich die Stadt im Oktober.

Dennoch passierte monatelang nichts. Erst auf erneutes Nachhaken der NP Anfang Februar versprach man, Doris S. ein Angebot zukommen zu lassen.

Stadt bietet rund 1000 Euro an

Inzwischen ist dieses bei Doris S. eingegangen. Bei der Badenstedterin ist die Enttäuschung jedoch groß: Die Stadt bietet lediglich an, die für Mai 2018 bis März 2039 gezahlten Nutzungsgebühren für die Dreiergrabstätte zu erstatten. In dem Brief heißt es trocken: „Durch die Bestattung in der eigentlich nicht dafür vorgesehenen Stelle besteht nun aus familiären Gründen kein Bedarf mehr an der dritten Stelle.“ Und weiter: „Wir möchten Ihnen gerne anbieten, dass Sie die Grabstätte auf eine zweistellige Grabstätte verkleinern können. In diesem Fall würden wir Ihnen die Gebühren für eine Stelle (in Höhe von rund 1000 Euro) erstatten.“

Darüber hinaus dürfe Doris S. die Grabstätte weiterhin in der Größe eines Dreiergrabs pflegen und bepflanzen – obwohl sie nur für eine Zweiergrabstätte bezahlt.

4500 Euro in Grabstelle investiert

Bei Doris S. löst das nur Kopfschütteln aus: „Von einem Angebot kann dabei doch keine Rede sein, das finde ich regelrecht unverschämt!“, sagt sie. „Es ist doch selbstverständlich, dass ich nicht auch noch für eine Dreiergrabstätte weiter bezahlen muss, die mir unverschuldet genommen wurde.“ Jahrelang habe sie vorsorglich völlig umsonst rund 4500 Euro für eine dritte Grabstelle investiert. „Ich hätte erwartet, dass die Stadt mir nach ihrem Fehler davon etwas zurückzahlt!“

Das schließt die Stadt jedoch in dem Schreiben aus: „Die dreistellige Grabstelle besteht seit 1993. Diese drei Stellen haben Sie im Laufe der Jahre gärtnerisch genutzt und gepflegt. Daher können wir rückwirkend für diesen Zeitraum keine Gebühren erstatten.“

Klageweg als letzte Option

Die 75-Jährige ist den Streit mit den Behörden inzwischen Leid. Sie hat ihr Anliegen einem Anwalt übergeben. Der hat bereits einen Brief an die Friedhofsverwaltung geschickt, indem er die Zurückzahlung des „überzahlten“ Betrags fordert. „Seit 1993 hat Frau S. für eine Dreiergrabstätte bezahlt, die von der städtischen Friedhofsverwaltung offenbar nur als Zweiergrabstätte geführt wurde, sonst wäre es ja nie zu dem Fehler gekommen“, sagt Anwalt Harald Butte.

Doch die Stadt mauert und bleibt bei ihrem Angebot. Doris S. macht das einfach nur traurig: „Ich versuche schon so lange mein Recht zu bekommen und eine Entschädigung zu erhalten, doch langsam bin ich zu müde um weiter zu kämpfen.“ Dennoch will sie den derzeitigen Stand nicht akzeptieren und denkt über weitere rechtliche Schritte nach. Die könnten auch das Bestattungsunternehmen treffen. „Meine Mandantin hat das Unternehmen gegen Geld schließlich mit dem Begräbnis beauftragt – und das ist gründlich misslungen“, so Anwalt Butte. Er sieht ein klares organisatorisches Verschulden beim Bestatter. Deswegen sei auch der Klageweg eine Option. Auch wenn sich das die Betroffene nicht wüscht: „Es ist einfach schade, dass ich als Leidtragende so im Stich gelassen werde.“

Von Simon Polreich

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