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Meine Stadt Betrug mit Klassenfahrten: Mutter verdient Geld mit Kindern
Hannover Meine Stadt Betrug mit Klassenfahrten: Mutter verdient Geld mit Kindern
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17:13 27.05.2019
HAT FÜNF KINDER: Liana R. wurde wegen Sozialbetrugs verurteilt (mit Anwalt Timo Rahn). Sie kassierte Geld für fiktive Klassenfahrten. Quelle: Nagel
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HANNOVER

Liana R. (42) hat mit ihren Kindern gutes Geld verdient. Dafür wurde die fünffache Mutter am Montag wegen gewerbsmäßigen Betruges zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Amtsrichter Michael Siegfried setzte die Strafe zur Bewährung aus. Als strafmildernd würdigte er, dass das Job-Center den Betrug der Angeklagte sehr leicht gemacht habe.

Mutter sagte nicht viel vor Gericht

Die Mutter brachte vor Gericht kaum ein Wort heraus. Mehrmals musste sie der Richter ermahnen, lauter zu sprechen. Viel zu sagen hatte sie nicht. Ihr Anwalt Timo Rahn legte für R. ein Geständnis ab. Allerdings habe sie die Hilfe eines „Wirtschaftsberaters“ in Anspruch genommen. Dieser Mann habe auch 80 Prozent des „Gewinns“ eingestrichen. Die Beute betrug 5172 Euro.

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Liana R. reichte von August 2013 bis 2017 in 18 Fällen Bescheinigungen beim Job-Center ein. Sie beantragte das Geld für Klassenfahrten; zum Beispiel nach Amsterdam oder London. Nur haben ihre Kinder diese Fahrten nie gemacht. Mal fanden die Ausflüge gar nicht statt, mal untersagte die Mutter die Teilnahme.

Richter rügt Betrug an den Kindern

Genau das fand Richter Siegfried besonders schlimm: „Für mich haben Sie auch Ihre Kinder betrogen und zwar um das Gemeinschaftsgefühl einer Klassenfahrt.“ In einem Schreiben hatte die Angeklagte geklagt, dass ihr Sohn „sehr traurig“ sei, wenn er nicht auf Klassenfahrt dürfe. In Wahrheit hat sie dann das Geld kassiert, und ihrem Kind die Fahrt untersagt.

Dabei habe ihr das Job-Center den Betrug sehr leicht gemacht, befand der Richter. Liana R. hat neun Vorstrafen wegen Betrugs und Diebstahl. Die Angeklagte fälschte Schulstempel und Unterschriften. Klebte teilweise ihre Bankverbindung in die Schulschreiben. „Dass das nicht früher aufgefallen ist, verwundert mich schon“, so der Richter. Mit diesen plumpen Fälschungen floss das Geld vom Job-Center nicht wie üblich an die Schulen, sondern auf das Konto ihrer Kinder.

Liana R. hat neun Vorstrafen – wegen Betrugs und Diebstahls. Während der Tatzeit wurde sie drei Mal verurteilt. Derzeit bekommt sie nicht mal Geld vom Job-Center, sie ist gesperrt. Wovon die Frau derzeit ihre Kinder ernährt, blieb ungeklärt. Ein Gewerbe im Im- und Export, das sie angemeldet hat, werfe derzeit keine Gewinne ab, erklärte ihr Anwalt.

Von Thomas Nagel