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Meine Stadt Hannover: Müll und Grillreste locken Ratten an
Hannover Meine Stadt Hannover: Müll und Grillreste locken Ratten an
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20:00 23.04.2019
APPELL: Mit einem Warnschild bittet ein Eigentümer in der Gretchenstraße, dort keinen Müll vor dem Abfuhrtermin abzustellen. Quelle: Foto: Dröse
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Hannover

Jetzt im Frühjahr zieht es nicht nur uns Menschen verstärkt ins Freie, auch die Ratten werden bei den wärmeren Temperaturen aktiver. Vereinzelt hat das dazu geführt, dass Hauseigentümer wie etwa in der Gretchenstraße (List) Warnschilder aufstellen, mit denen sie dazu auffordern, die Müllsäcke nicht vorzeitig rauszustellen.

Überall dort, wo essbarer Müll rumliegt, tummeln sich bald auch die Nager. „Das heißt aber nicht automatisch, dass es mehr Ratten sind als in den Vorjahren“ betont Stadtsprecher Dennis Dix. Doch unbewohnte und verwahrloste Gebäude wie etwa der Köritzhof in Groß-Buchholz sind bevorzugte Rattendomizile (NP berichtete). Aber auch dort, wo in großem Umfang gebaut werde, könnten Ratten verstärkt gesichtet werden, ergänzt Dix, da sie dort in ihrem Lebensraum gestört und aufgescheucht wurden.

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Köder gegen Ratten

In der Gretchenstraße hat die Schädlingsbekämpfungsfirma Kortwell Giftköder ausgelegt. Der für Menschen eher ungefährliche Wirkstoff sei ein Blutverdünner, so Geschäftsführer Hans-Jürgen Korte. Bei den Ratten würde dadurch der Stoffwechsel kollabieren – schmerzfrei, wie Korte verspricht.

Kammerjäger würden dann von Hauseigentümern beauftragt, wenn die Nager tagsüber gesehen würden. „Das heißt, dass es in der Nacht nicht genug Futter für alle gibt. Dann müssen die schwächsten Tiere tagsüber auf Suche gehen.“ Zu wenig Futter könnte im Umkehrschluss auf zu viele Ratten hindeuten.

Köder im Kanal

Kammerjäger haben bereits vor Jahren vor einer Zunahme der Rattenpopulationen gewarnt. Grund war eine 2013 in Kraft getretene Verschärfung der Bestimmungen, die den Einsatz von Giften regeln. Doch ob sich die Ratten tatsächlich stärker vermehrt haben, lässt sich kaum feststellen.

Die Stadtentwässerung bekämpft die Nager regelmäßig, allerdings nur in den Kanälen. Heute jedoch nur noch mit kostengünstigeren, sogenannten Wurfbeuteln, sagt Schädlingsbekämpfer Hans-Jürgen Korte. Die seien weniger wirksam als die alte Methode mit paraffingetränkten Ködern. Hauptnahrung der Ratten sind Essensreste, die mit der Toilettenspülung in die Kanalisation gelangen. Daher appelliert die Stadt, Essensreste nicht über das Klo zu entsorgen.

Müllsäcke und Vögel füttern ein Problem

Über die Jahre hätten die Rattenpopulationen etwa an den Kiesteichen und in etlichen Grünanlagen zugenommen, so Stadtjäger Heinz Pyka. „Überall dort, wo diese ganzen Grillpartys stattfinden, und die Leute ihren Müll und Essenreste einfach liegen lassen“, schimpft er. So könnten auch zu früh auf die Straße gelegte Müllsäcke zum Problem werden, wenn auch durch die Mithilfe einer anderen Tierart. Pyka: „Die Säcke werden gerne von den Krähen aufgehackt, der Inhalt im weiten Umkreis verteilt. Das kann dann natürlich auch Ratten anziehen.“ Was dem Appell aus der Gretchenstraße zusätzliche Berechtigung verleiht.

Pyka kritisiert aber auch das Füttern von Enten und anderen Vögeln. Auch dabei bleiben immer Reste übrig – für Ratten ein gefundenes Fressen. „Die Leute wollen den Vögeln etwas Gutes tun“, so Pyka, „bedenken aber nicht, dass sie dabei Ratten anlocken, die dann auch die Vogelnester plündern.“

Von Andreas Krasselt