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Meine Stadt Precht philosophiert über die Zukunft der Arbeit
Hannover Meine Stadt Precht philosophiert über die Zukunft der Arbeit
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16:28 03.04.2019
Future of Work Konferenz: Richard David Precht auf der Hannover Messe Quelle: Droese
Hannover

Richard David Precht gibt sich keine große Mühe, besonders optimistisch aufzutreten. Deutschlands bekanntester Philosoph hat genug davon, dass – aus seiner Sicht – die Arbeitswelt von morgen gern schön geredet wird, dass es heißt, in der digitalen Zukunft gibt es auch weiter Jobs für jeden, man müsse nur die Chancen nutzen und sich weiterbilden. „Wenn Sie 20 Jahre als Busfahrer gearbeitet haben, werden Sie nicht einfach Virtual-Reality-Designer“, ist Precht überzeugt. Der streitbare Denker hat auf der Hannover-Messe beim ersten Kongress „The future of Work in Industrie“ ein eher düsteres Zukunftszenario entworfen. Andere Gäste – darunter VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh – wollten nicht gar so pessimistisch auftreten.

Das ficht Precht nicht an. Er glaubt, dass in Deutschland durch die Digitalisierung „einige Millionen Jobs“ verloren gehen werden – nämlich fast alle Tätigkeiten, für die keine besondere Qualifikation notwendig seien. In Deutschland seien die meisten Politiker und Wirtschaftsvertreter Anhänger der Kompensationstheorie, die besagt, dass bei jedem technologischen Umbruch mittelfristig mehr neue Jobs entstehen als verloren gehen.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Precht hingegen ist überzeugt: „Das werden wir für eine ziemlich lange Zeit nicht kompensieren können.“ Nicht jeder sei zum IT-Experten geboren. Es gebe zwar noch einige Bereiche, in denen der Mensch weiterhin dem Roboter überlegen sein werde – etwa das Handwerk („Ein Roboter kann keine Heizung reparieren“) oder im sozialen „Kümmerer-Bereich“ (Schulen, Kindergärten, Ärzte). Grundsätzlich aber rate er dringend zur intensiven Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen und der Abkehr von der Leistungsgesellschaft, in der der Wert eines Menschen über seinen Verdienst definiert werde. Es sei ein Fehler von Gewerkschaften und Betriebsräten, dass sie sich dieser Debatte bisher verschließen würden.

Menschen mitnehmen bei Veränderungen

Auf diese Diskussion will sich VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh tatsächlich gar nicht erst einlassen. Zum Grundeinkommen sagt er gar nichts. Er habe ausreichend damit zu tun gehabt, Lösungen für die direkte Zukunft der VW-Mitarbeiter zu finden – unter anderem mit dem vor zwei Jahren abgeschlossenen Zukunftspakt. Der Wandel in der Automobilindustrie hin zur E-Mobilität bedeute nämlich, dass in der Produktion 30 Prozent weniger Personal benötigt wird. Osterloh weiß auch: „Wir werden nicht 60 000 VW-Mitarbeiter in Wolfsburg zu Informatikern machen.“ Sein Anspruch sei dennoch, weiterhin Arbeitsplätze zu sichern, auch über Weiterbildung. Um Potenziale in der Belegschaft zu eruieren, solle man dabei nicht nur auf formale Qualifikationen schauen, sondern auch die privaten Interessen und Neigungen einbeziehen. Klar sei: Man müsse die Menschen mitnehmen beim Veränderungsprozess.

Florian Klages, Personalchef beim Springer Verlag, appellierte ebenfalls dafür, die Mitarbeiter in den Veränderungsprozess einzubinden. Konkret wird er dabei nicht, spricht allgemein über Erfahrungen, die man machen müsse, Fragen, die man stellen müsse, und Führungskräften, die ja auch nur Menschen seien und Empathie erst mal lernen müssten. Sein Auftrag sei es dabei, „Menschen zur maximalen Potenzialentfaltung zu bringen“. Es sei wichtig, „die Zukunft mitzugestalten und es nicht einfach über sich ergehen lassen.“

Digitalisierung kein Damokles-Schwert

Ähnlich sieht das Unternehmensberaterin Sophie Hatzelmann, die jeder konkreten Prognose zur Arbeitswelt der Zukunft ausweicht. Sie halte nichts von den „Horrorrechnungen, wie viele Jobs verloren gehen könnten“. Man müsse den Beschäftigten nur klarmachen, dass die Digitalisierung kein „Damokles-Schwert“ sei, sondern dass auch sie daran teilhaben könnten. Viele hätten Angst vor dem Wandel, sie hingegen glaube fest: „Der Einstieg in das Thema Digitalisierung geht immer, egal in welchem Alter.“ Weiterbildung sei überall und jederzeit möglich, auch für 19,90 Dollar im Internet.

Diese Zukunftsgläubigkeit geht Precht eindeutig auf die Nerven. Das „Festhalten am kitschigen Arbeitsbegriff“ sei falsch, man müsse „raus der Leistungsgesellschaft“. Auch künftig werde es noch reichlich zu tun geben, allerdings sei die Frage, ob man dafür auch Geld kriege. Bedanken wollte er sich aber noch bei VW-Betriebsratschef Osterloh: „Ich habe mich gefreut, dass Sie, falls Sie eine negative Einstellung zum Grundeinkommen haben, diese nicht geäußert haben.“

Von Inken Hägermann

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