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Meine Stadt Hannover: Margot Käßmann wird verabschiedet
Hannover Meine Stadt Hannover: Margot Käßmann wird verabschiedet
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18:45 29.06.2018
Geht in Rente: Margot Käßmann macht Schluss im Alter von 60 Jahren.
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Hannover

Diese Frau hat viel bewegt. Margot Käßmann wird am Samstag in den Ruhestand verabschiedet. In der Marktkirche wird sie ein letztes Mal predigen. Vorerst. Ganz zurückziehen will sie sich dann doch nicht.

Vor allem das Bücherschreiben bleibt weiter ihre Leidenschaft. Ihr nächstes Buch soll schon bald erscheinen und trägt den Namen „Schöne Aussichten“.

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Wie genaue diese aussehen sollen, weiß Käßmann aber selbst noch nicht: „Ich werde mir die Zeit nehmen, mich in den Ruhestand reinzufinden. Mein sechstes Enkelkind ist unterwegs, da werde ich keine Langweile haben“, sagte die 60-Jährige am Freitag vor ihrer Verabschiedung. Ist sie nicht noch etwas zu fit für den Ruhestand? „Ich gehe in Ruhestand, weil ich noch so fit bin, weil ich noch was davon haben will.

Käßmann will eine politische Kirche

Käßmann wünscht sich, dass ihre Kirche weiter politisch bleibt. „An unserer Politik finde ich momentan bedrückend, wie nur noch über Flüchtlinge als Problem gesprochen wird und das Schicksal dieser Menschen überhaupt nicht mehr im Blick ist. Europa ist dabei, seine eigenen Werte zu verraten.“ Auch das ist Käßmann, wie man sie kennt. Deutliche Worte scheut sie nicht.

So läuft der Abschied

Am Samstag um 15 Uhr startet die Verabschiedung von Margot Käßmann in der Marktkirche. Landesbischof Ralf Meister wird seine Vorgängerin „entpflichten“. Entpflichtet wird grundsätzlich jede Pastorin und jeder Pastor der evangelischen Kirche. Da das Interesse an Käßmann aber etwas größer sein dürfte, werden vor der Marktkirche sogar zusätzliche Sitzplätze und eine Leinwand aufgestellt, auf der der Gottesdienst übertragen wird.

Die Veranstalter erwarten bis zu 2000 Gäste, 800 Sitzplätze gibt es in der Marktkirche. Der Gottesdienst wird zudem live auf der Facebookseite der Evangelischen Landeskirche übertragen. Die Predigt wird Käßmann selbst halten.

Vor 35 Jahren wurde Käßmann in ihr erstes kirchliches Amt gewählt. Zwischenzeitlich schaffte sie es sogar bis zur Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Ich war leidenschaftlich gerne Pfarrerin. Ich konnte was dazu beitragen, dass es heute selbstverständlich ist, dass Frauen diese Ämter in der evangelischen Kirche wahrnehmen. Für mich wird Religion insgesamt immer noch viel zu sehr von Männern repräsentiert. Dass sich die evangelische Kirche streitbar zeigt, war für mich immer ein Anliegen und Teil meines Wirkens“, sagt sie rückblickend.

Gedanken an Weihnachtsgottesdienste und Robert Enke

Von 1999 bis 2010 war Käßmann Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannover. Hier hat sie ihr zu Hause gefunden. „Die Marktkirche ist mir besonders wichtig. Dort habe ich die bewegendsten Gottesdienste erlebt. Da denke ich gerne an die völlig überfüllten Weihnachtsgottesdienste zurück, die legendär sind in Hannover.“ Aber auch traurige Anlässe wie der 11. September 2001 und der Gedenkgottesdienst für Robert Enke werden Käßmann in Erinnerung bleiben.

Hannover ist ihre Heimat

Vor kurzem zog sie auch wieder nach Hannover. „Als klar war, dass ich in Ruhestand gehe, habe ich überlegt, ob ich Berlin bleibe. Aber dann habe ich doch gemerkt, dass ich mich in Hannover beheimatet fühle. Ich habe hier meine stärksten sozialen Kontakte. Ich lebe sehr gerne in Hannover und werde mal gucken wie sich das einpendelt mit dem Häuschen auf Usedom und hier.

Aber Hannover ist für mich am ehesten die Stadt mit dem Heimatgefühl. Und sie ist einfach sehr lebenswert“, findet Käßmann.

Von Timo Gilgen