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Meine Stadt Luft in Hannover besser geworden – aber noch lange nicht gut
Hannover Meine Stadt Luft in Hannover besser geworden – aber noch lange nicht gut
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18:25 14.01.2019
Luftkontrolle: Die Messstation für Feinstaub, Stickoxide und andere Stoffe an der Göttinger Straße / B6 in Hannover hat immerhin einer Verbesserung der Werte registriert. Quelle: von Ditfurth
Hannover

Auf den ersten Blick sieht das gut aus: Die Feinstaubbelastung in Hannover ist auf dem tiefsten Wert seit mindestens 2001 gelandet. 2003 betrug der Jahresmittelwert 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft – jetzt waren es nur noch 21 Mikrogramm (siehe Grafik mit Werten der Hauptmesstation).Und während es beim Grenzwert im Jahr 2005 mehr als 60 Überschreitungstage gab, waren es zuletzt drei Jahre mit höchstens neun solcher Tage.

Auch beim Stickstoffdioxid – besonders im Diesel- und Heizungsabgas enthalten – ist der Trend positiv: Registriert wurden die geringsten Grenzwertüberschreitungen der Jahresmittelwerte seit mindestens 2004. Damals betrug der Wert 66 Mikrogramm – voriges Jahr 42 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Das geht aus den Protokollen des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen hervor, die die NP ausgewertet hat. Weiter unten lesen Sie auch, was es mit den Stoffen Stickstoffdioxid und dem Feinstaub auf sich hat –und wie es um das Ozon bestellt ist.

Nach wie vor eine Problem ...

„Die Luftqualität in der Stadt Hannover ist 2018 gegenüber dem Vorjahr besser geworden“, sagt Andreas Hainsch. Er ist Ingenieur für technischen Umweltschutz und bereitet beim Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim die Daten aller Luftschadstoffüberwachungsstationen in Niedersachsen für die Protokolle auf. Erst recht besser sei die Luftqualität „im Vergleich zu vor zehn, zwanzig Jahren.“ Klingt gut, allerdings: „Dennoch haben wir nach wie vor ein Problem mit dem Stickstoffdioxid.“ Denn seit 2011 geht es nicht weiter runter. Trotz aller Maßnahmen. Kein Wunder, hat doch laut Stadtverwaltung allein von 2008 bis 2016 die Zahl in der Stadt Hannover zugelassener Fahrzeuge um elf Prozent zugelegt. Zudem habe der Diesel-Kfz-Anteil in der Region Hannover von 2006 bis 2016 von 26,4 auf 35,3 Prozent zugelegt.

Stickstoffoxide sind seit Jahren ein viel diskutiertes Thema, gerade im Zusammenhang mit Diesel-Motoren. Besonders aber, seit die Deutsche Umwelthilfe wegen Grenzwertüberschreitungen beim Stickstoffdioxid (zulässiger Jahresmittelwert: 40 Mikrogramm; in höchstens 18 Stunden darf der Wert von 200 Mikrogramm überschritten werden) von vielen deutschen Städten Fahrverbote einfordert – und damit im vergangenen Jahr mehrfach vor Gericht gesiegt hat. An den Zahlen der vergangenen vier Jahre erkennt Hainsch „einen abnehmenden Trend – da scheinen doch gewisse Maßnahmen irgendwie gewirkt zu haben.“ Der 200er-Grenzwert immerhin wurde vergangenes Jahr den Auswertungen nach an den hannoverschen Messstellen kein einziges Mal überschritten.

 Luftreinhalteplan, Feinstaub und der Ostwind

Die Feinstaub-Messwerte sind „im Jahresmittel auch eher abnehmend. Die Luft hat sich hier in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich verbessert“, sagt der Umweltschutz-Ingenieur. So gab es an der Messstelle Göttinger Straße/B6 seit mindestens zehn Jahren keine Überschreitung der maximal erlaubten 35 Überschreitungstage – also Tage, an denen ein Mittelwert von 50 Mikrogramm oder mehr erreicht wurden.

Nun spielen der hannoversche „Luftreinhalteplan“ von 2007 und seine Maßnahmen wohl eher nicht die Hauptrolle, wenn es darum geht, die Schadstoffkonzentration in der Stadt zu beeinflussen. Beim Feinstaub (sein erhöhtes Vorkommen war einst Anlass für die 2008 gemäß Luftreinhalteplan gestartete Umweltzone) etwa ist es so: „Die meisten Überschreitungstage gibt es in der kalten Jahreszeit“, erklärt Hainsch. Gibt es etwa im Winter „austauscharme Wettersituationen“, also recht ruhige, stabile Bedingungen wie bei Inversionswetterlagen, „bleiben die Schadstoffe eher und länger in Bodennähe.“

Je mehr geheizt wird, je höher der Energiebedarf, desto höher auch die Feinstaubemissionen – ein kalter, langer Winter bewirkt da einiges.

Schließlich werde durch „Hochdruckgebiete im Osten“, und damit einhergehendem Wind aus dieser Richtung „eine Grundlast an Feinstaub zu uns rübergeweht“. Denn je weiter es in den Osten geht, desto höher werden anscheinend die Emissionen und Aktivitäten, die Feinstaub erzeugen – vermutlich wegen veralteter Technik in Autos, Heiz- und Industrieanlagen).

Seit 2011 hat Hannover auch einen „Luftqualitätsplan“ – Ziel war es, die Stickstoffdioxidbelastung bis 2015 unter den Grenzwert zu bringen. Das ist nicht gelungen.

Und wie steht es um das Ozon?

Ein weitere Stoff, der im Zusammenhang mit Abgasen steht ist, das Ozon. Während Ozon weiter oben in der Atmosphäre dringend als Schutzschild gegen die Sonnenstrahlung (UV-C) gebraucht wird, ist das Reizgas in Bodennähe unerwünscht ist. Auch hier hat sich die Situation für die Stadt Hannover gegenüber früheren Jahren verändert, sagt Hainsch. An 39 Tagen wurde in der Landeshauptstadt an der Messstation Göttinger Straße/B6 der „Zielwert“ von 120 Mikrogramm je Kubikmeter Luft binnen eines Acht-Stunden-Zeitraums im vorigen Jahr überschritten – das ist noch ein gutes Stück vom „Alarmwert“ 240 Mikrogramm entfernt.

Hainsch nennt die 39 Tage für Hannover „überschaubar – trotz des lange Zeit tollen Sommerwetters ist die Ozonkonzentration nicht so gestiegen, wie wir es noch von vor 10, 15 Jahren kennen. Da hat sich die Situation deutlich gebessert.“ Dies auch, weil weniger „Vorläuferstoffe“ in der Luft sind, die zur Ozonentstehung beitragen, etwa leicht flüchtige Lösungsmittel in Lacken.

Der Ozonalarm-Wert von 240 Mikrogramm ist laut Umwelt-Bundesamt im Jahr 2018 nur an einer Messstation im Bundesgebiet überschritten worden, 2017 gar nicht. Damit zähle das Jahr im Vergleich der letzten 20 Jahre zu den vielen Jahren, wo es keine oder nur wenige solcher Überschreitungen gegeben habe. Hohe Ozonkonzentration habe es etwa in den Jahren 2003 (mit „Jahrhundertsommer“), 2006, 2010 und 2015 gegeben.

Was sind Stickoxide, was ist Feinstaub?

Feinstaub-Quellen sind überwiegend Emissionen etwa aus Kraftfahrzeugen, Kraft- und Fernheizwerken, Öfen und Heizungen; auch beim Umschlag von Schüttgut entsteht Feinstaub. Stickstoffoxide (NOx) entstehen bei Verbrennungsprozessen. Hauptquellen: Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen.

In der Diskussion geht es überwiegend um Feinstaub vom Typ PM10 – das bedeutet: Dieser Feinstaub setzt sich aus festen und flüssigen Teilchen zusammen, die überwiegend nicht größer als ein zehn Millionstel Meter (Mikrometer) sind. Feinstaub ist so leicht, dass er nicht gleich zu Boden sinkt. Sichtbar ist Feinstaub in der Regel nicht, nur bei besonderen Wetterlagen ist er als Dunst wahrnehmbar.

In Ballungsgebieten ist der Verkehr die bedeutendste Quelle für beide Schadstoffarten, besonders Kraftfahrzeuge mit Dieselmotor. Stickstoffdioxid (NO2) greift das Atemsystem an, schädigt Pflanzen und überdüngt und übersäuert Böden und Gewässer. Feinstaub kann tief in die Lunge vordringen. Möglich sind Reizungen, Entzündungen, Ablagerungen in den Blutgefäßen, Thrombosen, Änderungen der Herzschlag-Stabilität.

Von Ralph Hübner

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