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Meine Stadt Hannover: Lange Haft im WM-Mord
Hannover Meine Stadt Hannover: Lange Haft im WM-Mord
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16:06 15.02.2011
Muss lange in Haft: Holger B. Quelle: Dröse

Hannover. Es war ein scheinbar läppischer Streit um Fußball, doch er endete tödlich: Wegen der Ermordung von zwei italienischen Fußballfans muss ein psychisch kranker Frührentner aus Hannover für lange Zeit ins Gefängnis. Das Landgericht Hannover verurteilte den Mann am Dienstag wegen Mordes zu einer Haftstrafe von 14 Jahren und 6 Monaten. Der 43-Jährige hatte die beiden Männer mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Er nahm das Urteil völlig teilnahmslos hin.

Der Baseballkappen-Träger hatte gestanden, während der Fußball-WM im vergangenen Juli in einer Kneipe im Rotlichtviertel von Hannover einen Pizza-Bäcker und einen Koch erschossen zu haben. Er war mit den beiden darüber in Streit geraten, ob Deutschland oder Italien mehr Weltmeistertitel errungen hatte.

Auf eine lebenslange Haftstrafe für den Todesschützen verzichtete das Gericht, weil der Mann bei seiner Attacke nach Aussage von Gutachtern durch Medikamente, zu viel Alkohol und Übermüdung in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt war. Nach Verbüßung der Haftstrafe muss er in eine Entziehungsklinik.

Richter Wolfgang Rosenbusch erklärte, der Täter sei psychisch krank und alkoholabhängig. "Wer so schießt wie sie, der will töten", betonte der Richter aber auch. "Sie haben schwerste Schuld auf sich geladen."

Der Angeklagte ließ zu Prozessbeginn über seinen Verteidiger ein Geständnis und eine Entschuldigung verlesen. Erklärungen für sein Handeln hatte er aber keine parat. Er berief sich darauf, einen Filmriss zu haben.

Die Opfer hatte der Todesschütze zufällig in seiner Stammkneipe, der "Columbus"-Bar, getroffen. Vor der Tat soll er dort nach Aussage von Zeugen mehrere Tage am Stück gezecht haben. Die beiden Italiener hatten den Angriff nicht erwartet und waren völlig arglos. Nach den tödlichen Schüssen hatte der Mörder die Tatwaffe in einen Müllcontainer geworfen und war zu seinem Stiefvater nach Mallorca geflüchtet. Später stellte er sich freiwillig.

Zwei psychiatrische Gutachter waren zu dem Schluss gekommen, dass der 43-Jährige vermindert schuldfähig ist, da er während der Taten wahrscheinlich unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss stand. Zudem leidet er schon seit vielen Jahren an Depressionen, Angststörungen und Panikattacken.

Die Angehörigen der Opfer verfolgten den Prozess als Nebenkläger. Einige von ihnen waren dafür aus Italien angereist. dpa