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Meine Stadt Hannover: Kulturszene fordert mehr Geld
Hannover Meine Stadt Hannover: Kulturszene fordert mehr Geld
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16:08 19.06.2019
Leitidee zur Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025: Hier. Jetzt. Alle. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

“Wir stehen Ihnen beratend zur Seite. Nehmen Sie dies bitte ernst.“ Mit diesen Worten endet ein offener Brief, den Hannovers Kulturrat an den Rat geschickt hat. Die Kulturschaffenden machen Druck. Was die Stadt als jährliche Steigerung im Budget für die Europäische Kulturhauptstadt 2025 vorgesehen hat (plus 1,5 Prozent), reicht aus ihrer Sicht nicht aus.

Bei einer gemeinsamen Sitzung von Finanz- und Kulturausschuss hatten beide Gremien den Etat gebilligt. Den Titel Kulturhauptstadt will sich Hannover 80 Millionen Euro kosten lassen, 18 Millionen Euro aus städtischen Mitteln. 50 Millionen Euro fließen in Veranstaltungen und Großprojekte, 30 Millionen Euro in Werbung, Marketing, Personalkosten und Verwaltung.

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Kämmer spricht von „Kraftanstrengung“

Finanzdezernent Axel von der Ohe bezeichnete das Paket als „Kraftanstrengung“. Seit dem Jahr 2015 sei der Kulturetat um 30 Prozent gestiegen. Weil allen Beteiligten klar ist, dass die Jury beim Zuschlag um den Titel durchaus auch auf den finanziellen Aufwand achtet, wird die Progression von 2021 bis 2026 auf jährlich 1,5 Prozent festgeschrieben.

„Mit dem Beschluss zeigt die Politik sehr deutlich, dass Kultur in Hannover zwar weiterhin gefördert werden soll, aber eindeutig nicht im für eine Kulturhauptstadt erforderlichen Maß im Fokus steht“, argumentiert der Kulturrat. Dem Gremium gehören 22 Vertreter unterschiedlicher Kulturszenen an, vom soziokulturellen Bereich bis hin zu etablierten Institutionen.

„Politischer Rückhalt infrage gestellt“

„Wird das Kulturbudget im vorgesehenen Umfang beschlossen, sehen wir die Ernsthaftigkeit und den politischen Rückhalt der Bewerbung Hannovers zur Kulturhauptstadt Europas ernsthaft infrage gestellt“, heißt es weiter. Dem zuständigen Bewerbungsteam und der Kulturszene müsse der notwendige Spielraum und die Unterstützung gegeben werden, wirkungsvolle Inhalte, Prozesse und Formate zu entwickeln.

Stefan Becker, Vorsitzender der Freunde des Sprengel Museums und damit Mitglied im Kulturrat, teilt die Bedenken um Budgetierung. Ausführung des Stadtkämmerers, die Steigerungsraten von 1,5 Prozent jährlich seien auskömmlich, könnten alle Beteiligten nicht nachvollziehen.

„Vielleicht hilft, besser miteinander zu reden“, sagt Becker. Der Austausch und die Beilegung des Streits seien von großer Bedeutung, denn das kulturelle Angebot sei „das härteste unter den weichen Standortfaktoren“. Sprich: Das Image eines Standortes und damit die Attraktivität für Wirtschaftsansiedlung oder Zuzug hänge entscheidend von der Kultur ab.

Von Vera König