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Meine Stadt Hannover: Kröten auf dem Truppenübungsplatz
Hannover Meine Stadt Hannover: Kröten auf dem Truppenübungsplatz
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10:57 17.04.2019
Ortserkundung: Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kugelfangtrift Hannover werden wertvolle Lebensräume für Kröten und Echsen aufgewertet. Quelle: Dröse
Hannover

Sie sind laut und auffällig. Die Lockrufe der männlichen Kreuzkröten sind über zwei Kilometer weit zu hören, der weiße Streifen auf dem Rücken ihr Erkennungszeichen. Doch die Amphibienart ist vom Aussterben bedroht. In Hannover findet man die Kreuzkröte inzwischen nur noch auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kugelfangtrift, in Langenhagen ist sie bereits seit 2005 ausgestorben. 26 Männchen und maximal 15 Weibchen wurden am Kugelfangtrift im vergangenen Jahr nur noch gezählt. „Wenn man bedenkt, dass das der Gesamtbestand in ganz Hannover ist, ist die Zahl sehr gering. Der heiße Sommer 2018 war dramatisch für die Kröten, sie konnten sich nicht vermehren“, sagt Ricky Stankewitz vom Nabu Langenhagen. Um die Kreuzkröte besser zu schützen, werden auf dem alten Militärgelände nun die Lebensräume der Tiere aufgewertet.

Die Kröten brauchen Pfützen

Das etwa 60 Hektar große Gelände, auf dem einst Panzer fuhren, hat sich über Jahrzehnte zu einem wertvollen und artenreichen Naturareal entwickelt. „Unbeabsichtigt haben die Panzer hier günstige Lebensbedingungen für die Kreuzkröten und andere seltene Pflanzen- und Tierarten geschaffen, offene Sandflächen oder Kleingewässer. Die Art braucht zum Überleben Katastrophenlandschaften in Form von Pfützen. Doch Pfützen gibt es in Städten kaum noch, alles ist begradigt“, berichtet Tom Kutter vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, kurz NLWKN. Doch über die Jahre seien die vorhandenen Laichgewässer auf dem ehemaligen Militärgelände immer stärker von Birken, Erlen und Weiden zugewachsen. Kutter: „Wir mussten hier schnell Maßnahmen einleiten, um die lokale Kreuzkröten-Population vor dem Aussterben zu bewahren.“

„Ein Geschenk des Himmels“

Seit Januar wurden daher im Zuge des Projektes „Atlantische Seelandschaften“ zahlreiche Gehölze an den Tümpeln entfernt, die Gewässer zum Teil entschlammt und abgeflacht. So soll das zeitweise Trockenfallen der Bereiche wieder möglich werden. „Auch für die ebenfalls bedrohte Zauneidechse stellt der alte Truppenübungsplatz mit seinen weitläufigem Magerrasen, Tümpeln und Gehölzen einen wichtigen Rückzugsraum dar. Für die Tiere haben wir größere Totholzhaufen nahe der Gewässer als Winterquartiere, Sonnenplätze und Verstecke errichtet“, so Reinhild Muschter von der Unteren Naturschutzbehörde der Region. Es sei wichtig, die bedrohten Tierbestände zu stabilisieren: „Das Projekt ist daher ein Geschenk des Himmels.“

Immer mehr Naturschutzgebiete im Land

Die Zahl der Naturschutzgebiete in Niedersachsen hat sich binnen eines Jahres von 799 auf 815 erhöht. Die Fläche wuchs um rund zehn Prozent auf 242 000 Hektar an, wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mitteilte. Der Flächenzuwachs ergibt sich auch daraus, dass die Flussmündungen von Naturschutzgebieten etwa an Ems oder Elbe nun miteinbezogen wurden. Der Anteil der Naturschutzgebiete an der Landesfläche beträgt inzwischen mehr als vier Prozent. Vor zehn Jahren betrug die Zahl der Naturschutzgebiete noch 774 und 1981 waren es 285 Gebiete.

Zu den 2018 neu ausgewiesenen Schutzgebieten gehören das Henneckenmoor bei Celle, die Sandgrube Pirgo im Kreis Cloppenburg, die Bergwiesen bei St. Andreasberg, die Bachtäler im Kaufunger Wald (Kreis Göttingen) oder auch die Meerbruchswiesen am Steinhuder Meer.

Außerdem hat Niedersachsen 71 EU-Vogelschutzgebiete ausgewiesen. Geschützt werden dadurch gerade auch Vögel, die auf große ökologisch zusammenhängende Landschaften angewiesen sind wie etwa der Rotmilan, Kiebitze oder Heidellerchen.

Am 27. April bietet der Nabu Langenhagen ab 21 Uhr eine kostenlose Nachtwanderung durch das Gebiet an. Interessierte können sich über die Arbeiten auf dem Gelände informieren. Anmeldungen unter Telefon 0511/ 27 08 20 19.

 

Von Britta Lüers