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Meine Stadt Rekordverdächtig wenige Straftaten in Hannover
Hannover Meine Stadt Rekordverdächtig wenige Straftaten in Hannover
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14:41 07.03.2019
Weniger Einbrüche: Die aktuelle Kriminalstatistik bescheinigt vor allem weniger Straftaten im Raum Hannover. Quelle: dpa
Hannover

Eine insgesamt „erfreuliche Bilanz“ zieht Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe angesichts der aktuellen Kriminalstatistik der Direktion Hannover. Die Zahlen des vergangenen Jahres seien mit rund 105 931 Straftaten für Hannover und das Umland fast auf Niveau des 20-Jährigen Niedrigstands von 1999. Doch es gibt auch unerfreuliche Entwicklungen: Eine Steigerung bei den Sexualdelikten und mehr Angriffe mit Stichwaffen.

Rückgang in der Stadt am stärksten

Der deutlichste Rückgang der Straftaten ist im Stadtgebiet zu beobachten, erklärte Kluwe: Dort sanken die Ermittlungsverfahren von 77 886 (2017) auf 70 212 (2018) – im Umland sanken sie im selben Zeitraum „nur“ von 36 799 auf 35 719 Straftaten.

Weniger Einbrüche

Hier sieht es insgesamt gut aus: „Zurückgehende Zahlen im Bereich der Wohnungseinbrüche und des schweren Diebstahls an und aus Autos sowie ein Rückgang der Straßenkriminalität sind eine sehr erfreuliche Entwicklung“, so der Polizeipräsident. „Und auch ein Ergebnis der engagierten Arbeit meiner Mitarbeiter“, lobte er.

Aufklärungsquote steigt

Beleg dafür sei auch die Aufklärungsquote. Sie stieg um ein Prozent auf 63,4 Prozent. Der positive Trend setze sich fort, erklärte Kluwe. Es handle sich um die zweithöchste Aufklärungsquote der letzte zwanzig Jahre – 2010 lag sie bei rund 63,6 Prozent.

10 Prozent weniger Diebstähle

Vor allem die Diebstähle gingen im Raum Hannover von 2017 auf 2018 nach unten – insgesamt um rund 10 Prozent. „Diese positive Entwicklung zieht sich nahezu durch alle Eigentumsdelikte“, so Kluwe. Egal, ob einfache, schwere Diebstähle, Laden-, Fahrrad- oder Taschendiebstähle. Die besten Zahlen liefert dabei der Bereich „Wohnungseinbruchdiebstahl“: Hier verzeichnet die Polizei einen deutlichen Rückgang von 21,6 Prozent – ein minus von 2919 Taten in 2017 auf 2290 in 2018 von 629 Fällen. Hier hält Hannover landesweit den Rekord.

Sexualdelikte steigen weiter

Leider gehe bei den Sexualdelikten „die Kurve nach oben“ wie der Polizeipräsident bedauerte. Die Behörde verzeichnet einen Zuwachs von satten 247 Taten auf insgesamt 1033. „Das ist ein Plus von 31,42 Prozent“, rechnete Kluwe vor. Die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen und Nötigungen in dem Deliktfeld stieg dabei von 192 auf 266 an. Besonders deutlich ist der Anstieg auch im Bereich sexuelle Belästigung seit 2016 von 186 auf 266 Fälle.

„MeToo“ spielt eine Rolle

„Der erneute Anstieg der registrierten Sexualstraftaten ist sehr unerfreulich“, betonte Kluwe. „Dennoch lässt sich anhand der steigenden Zahlen möglicherweise ein positiver Effekt der im Oktober 2017 aufkommenden MeToo-Bewegung und damit einhergehend eine steigende Anzeigebereitschaft der Opfer beobachten.“ Dennoch sei die Dunkelziffer extrem hoch. Man gehe davon aus, dass lediglich 5 Prozent der Fälle angezeigt werden.

Erstmals gesonderte Messerstatistik

Erstmalig wurden auch Taten mit Stichwaffen gesondert vorgestellt – erst seit 2017 werden sie statistisch erfasst. Kritiker hatten dies lange gefordert. Und auch in diesem relativ kurzem Zeitraum sind die Zahlen bereits gestiegen – vor allem bei den vorsätzlichen Tötungen. 2017 kam dazu in 39 Prozent der Fälle das Messer, ein Schraubenzieher oder ein anderer spitzer Gegenstand zum Einsatz, in 2018 bereits in 43 Prozent. Bei Körperverletzungen, Raubtaten oder Bedrohungen kam das Messer dagegen deutlich seltener zum Einsatz (rund 3,7 Prozent).

Mehr Mord und Totschlag

Überhaupt Tötungsdelikte: Die Fälle von Mord und Totschlag stiegen von im Jahresvergleich von 14 auf sage und schreibe 60 Taten an. Dabei handelt es sich in 2018 um 52 Versuche (13 Mordversuche) und acht vollendete Taten (davon vier Morde) im Raum Hannover. Bei den Tötungsdelikten ist die Aufklärungsquote übrigens besonders hoch: Sie liegt 2018 bei rund 91 Prozent.

Häusliche Gewalt weiterhin hohe Zahlen

Ebenfalls unerfreulich hoch: „Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt stagniert auf einem zu hohem Niveau“, so der Polizeipräsident. Insgesamt 4151 Fälle hat die Polizei 2018 im Raum Hannover zu verzeichnen, 2017 waren es mit 4183 nur wenige mehr. Insgesamt haben 3528 Opfer diese Gewalt erlitten, darunter auch 891 männliche Minderjährige und Erwachsene. Das Problem ziehe sich dabei quer durch alle sozialen Schichten, so Kluwe. Und: „Es handelt sich dabei um überwiegend deutsche Täter.“ In 979 Fällen fand die häusliche Gewalt unter Alkoholeinfluss statt.

Flüchtlinge weniger kriminell

Gesondert erfasst hat Hannovers Polizei dabei Kriminalität durch Flüchtlinge. Zumindest versuchte man es angesichts einiger Definitionsprobleme, wie Kluwe erklärte. Insgesamt gingen 2018 bei der Direktion in Hannover 8442 Straftaten ein, eine Gesamtzahl, die seit 2016 (11 489) kontinuierlich sinkt. Anstiege gab es jedoch bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – etwa von 2016 (38) bis 2018 (103). Größte Tatgruppen sind Rohheitsdelikte, wie Körperverletzung, (aktuell 1215 Taten) und Fälschungsdelikte (1754), wobei es sich bei letzterem vor allem um Schwarzfahren handelt.

Von Simon Polreich

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