Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Alarmierende Zahlen: Sterben die Amseln aus?
Hannover Meine Stadt Alarmierende Zahlen: Sterben die Amseln aus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 10.01.2019
Immer seltenerer Anblick: Eine Amsel sitzt auf einem Ast. Der Bestand dieser Art ist erneut deutlich zurückgegangen.
Immer seltenerer Anblick: Eine Amsel sitzt auf einem Ast. Der Bestand dieser Art ist erneut deutlich zurückgegangen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Offenbar arg bedroht ist die Amsel. Das hat eine Zwischenbilanz der Wintervogelzählung des Naturschutzbundes (NABU) ergeben. Der Bestand in Niedersachsen sei im Vergleich zum Vorjahr um etwa 15 Prozent gesunken. Ein erneuter Rückgang: Bereits von 2017 auf 2018 sank der Bestand um 22 Prozent.

Hauptgrund für das mysteriöse Amselsterben in jüngster Zeit ist nach Einschätzungen des NABU Niedersachsen die Usutu-Epidemie, die im vergangenen Sommer erstmals fast deutschlandweit aufgetreten ist und ihren Schwerpunkt auch in Niedersachsen hatte, erklärt NABU-Pressereferent Matthias Freter aus Hannover. „Sicher konnten im sehr trockenen Sommer 2018 aber auch weniger Jungvögel überleben, da sie auf Regenwürmer angewiesen sind, die sie nur bei feuchtem Boden leicht finden können.“

Flächendeckende Zählungen in Niedersachsen haben eine Durchschnittsmenge von 3,17 Amseln pro Garten ergeben. Im Bundesvergleich steht die Amsel mit durchschnittlich 2,72 Amseln pro Garten noch schlechter da.

Mehr als 10 000 Teilnehmer

Zutage getreten ist diese alarmierende Entwicklung der Vogelart durch die vom Naturschutzbund initiierte bundesweite Wintervogelzählung „Stunde der Wintervögel“. In Niedersachsen haben sich bereits über 10 800 Teilnehmer ihre Beobachtungen gemeldet.

Bei anderen Vogelarten sieht es übrigens nicht dramatisch aus. „Es wurden unter anderem mehr Ringeltauben und Rotkehlchen gezählt“, so Freter. „Insgesamt liegt die Zahl der gesichtete Vögel pro Garten bei 37 und damit bisher nur leicht geringer als im Vorjahr mit 38 Vögeln pro Garten.“ Am häufigsten gesichtet wurden in Niedersachsen wie im Jahr zuvor der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling.

Die „Stunde der Wintervögel“ fand zum neunten Mal am ersten Januarwochenende statt und ist nach NABU-Angaben Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. Noch bis zum 15. Januar können Zählergebnisse nachgemeldet werden, auch die Eingabe von Meldungen, die per Post kommen, steht noch aus. Die Endauswertung der Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ ist für Ende Januar geplant.

Von Simon Polreich