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Meine Stadt Hannover: K.o.-Tropfen im Funpark?
Hannover Meine Stadt Hannover: K.o.-Tropfen im Funpark?
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10:01 12.06.2019
Ein Tropfen genügt: Dieses „Liquid Ecstasy“ macht handlungsunfähig. Quelle: Foto: picture alliance
Hannover

Pfingstsamstag, 3.30 Uhr. Es ist beste Partyzeit, als Max L. (Name geändert) im Kassenbereich des Funparks (Expo Plaza) bewusstlos zusammenbricht. Erinnern kann er sich an diesen Moment nicht mehr. Auch nicht an die Dreiviertelstunde davor. Und das, obwohl der 20-Jährige nicht viel Alkohol getrunken habe. „Mir wurden K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt“, ist er sich sicher. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Um halb eins war die Stimmung noch gut

Um 0.30 Uhr war die Stimmung noch gut: Max, sein Freund und dessen Schwester sind zum Feiern anlässlich des Christopher Street Days in die Partylocation auf dem Messegelände gekommen. Man tanzt, feiert, trinkt. Etwa drei Jägermeister-Energy nimmt der 20-Jährige bis 2.30 Uhr zu sich. „Ich war angeheitert, aber nicht betrunken“, erklärt der junge Mann, der aufgrund seiner Homosexualität lieber anonym bleiben möchte. „Überhaupt bin ich nicht der Typ, der sich exzessiv vollaufen lässt.“

Dennoch wurde er ab 2.30 Uhr „komisch“. „Ich suchte Streit mit meinem Freund, wurde aggressiv und schickte ihn und seine Schwester sogar nach Hause.“ Zum Glück hätten die beiden nicht auf ihn gehört. Auf der Tanzfläche treffen sich Max L. und sein Freund nach dem Streit wieder. „Das ist der letzte Moment, an den ich mich erinnere.“

Auch seine Begleiter haben längst gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Gemeinsam bringen sie ihn zum Ausgang. Im Eingangsbereich der Disco sackt der 20-Jährige zusammen. „Ich soll noch gesagt haben: Mit mir stimmt etwas nicht.“, schildert er. „Dann war ich weg.“

Polizei ermittelt

Gegen 8 Uhr erwacht Max völlig verwirrt auf der Intensivstation des Krankenhauses in Laatzen. Schnell hat er den Verdacht, dass ihm jemand K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt hat, auch wenn die Ergebnisse der Blutuntersuchungen noch ausstehen. Auch die Polizei ermittelt bereits.

Das sind K.O.-Tropfen

Als K.o.-Tropfen werden narkotisierend wirkende Stoffe bezeichnet, die im Rahmen von Straftaten wie Sexual- oder Eigentumsdelikten genutzt werden, um die Opfer wehrlos zu machen. Weit über 100 Wirkstoffe sind missbräuchlich als „K.o.-Mittel“ einsetzbar.

Sie werden Opfern unbemerkt oder in heimlich überhöhter Dosis in Nahrung oder Getränke gemischt, nach Erwachen können sich die Opfer oft nicht mehr an die Tat oder den Tathergang erinnern. Das macht den strafrechtlichen Nachweis schwierig.

Die heimliche Verabreichung erfüllt in Deutschland den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung.

Dennoch wollen der 20-Jährige und sein Freund auch gegen den Veranstalter juristische Schritte einleiten. „Man hat uns weder geholfen noch einen Krankenwagen gerufen“, sagt Max L. „Das ist unterlassene Hilfeleistung.“ Als sein Freund, der selbst sein Handy vergessen hatte, aus Verzweiflung dem Kassierer ein Telefon wegzunehmen versuchte, wurde er zu Boden gedrückt.

„Total aggressiv“

Letzteres bestätigt Veranstalter Louis Meyer. „Der Mann war total aggressiv und schlug von hinten auf den Mann an der Kasse ein.“ Deshalb habe man bereits eine Gegenanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt. Anders als behauptet habe die Security aber sehr wohl einen Krankenwagen gerufen und Max L. auf den Boden gesetzt. Dafür gebe es Zeugen. Man glaubte, der junge Mann habe zu heftig gefeiert, so Meyer: „Mit K.o.-Tropfen hatten wir hier noch nie Probleme!“

Von Simon Polreich

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