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Meine Stadt Hannover: Judotrainer wegen Missbrauchs verurteilt
Hannover Meine Stadt Hannover: Judotrainer wegen Missbrauchs verurteilt
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16:59 01.04.2019
Foto: Quelle: dpa
HANNOVER

Bahram J. (46) ist ein gutaussehender Mann mit lässigem Chic (dunkelgraue Hose, blaues Hemd, schwarzer Mantel). Der Mann (Typ Latin Lover) wurde am Freitag wegen sexuellen Missbrauchs zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Vorausgegangen war eines der merkwürdigsten Geständnisse der hannoverschen Justizgeschichte. „Wir verzichten auf die Aussage des Jungen“, hatte Anwalt Marco Burkhardt zunächst erklärt. Als die Richterin irritiert aufsah, legte der Anwalt nach: „Die Erklärungen der Gutachterin und des Jungen werden nicht angegriffen.“ Mehr zu sagen, sei er nicht befugt.

Doch dieses halbe Geständnis nutzt niemandem. Opfer und Glaubwürdigkeitsgutachterin hätten aussagen müssen. Es folgte eine zehnminütige Pause. Der Iraner hatte wohl auf Grund seines kulturellen Hintergrundes Probleme, sich zu dem Unaussprechlichen zu bekennen. Anschließend sagte der Anwalt: „Der Vorwurf in der Anklage wird vollumfänglich eingeräumt.“ Es war geschafft.

Bahram J. war als Judotrainer im Verein seines Opfers (damals neun Jahre alt) tätig. Und er freundete sich mit der Mutter des Kindes an. So half der Angeklagte beim Umzug und der Renovierung der neuen Wohnung. Als die Mutter im Juni 2017 kurz mal Farbe holen wollte, nutzte der Trainer die Gelegenheit. Er missbrauchte das neunjährige Kind. Schon in den Tagen zuvor war es zu weniger gravierenden Missbräuchen gekommen, doch sie tauchen in der Anklage nicht auf. Sie kamen erst durch die Gutachterin zu Tage.

Bereits am 30. Juni 2018 hatte es eine Verhandlung gegeben. Doch damals leugnete Bahram J. die Tat. Aus diesem Grund kam die Psychologin ins Spiel. Und ihr Gutachten war so überzeugend, dass dem Angeklagten nur das Geständnis blieb.

Opfer-Anwältin Nicole Thiele meinte im Plädoyer: „Langfristige traumatische Auswirkungen sind nicht ausgeschlossen.“ Der Junge könne nicht mehr im Dunkeln und alleine schlafen. Das Kind entziehe sich auch den körperlichen Kontakten der Eltern.

Der Angeklagte muss 1200 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Die Richterin bewertete das späte Geständnis als strafmildernd. Ebenso wie die lange Verfahrensdauer. „Sie hat der Angeklagte nicht zu verantworten.“ Irgendwie doch. Denn hätte er gleich gestanden, wäre das Gutachten (Dauer sechs Monate) nicht nötig gewesen.

Von Thomas Nagel

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