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Meine Stadt Hannover: Ist das Tanzverbot an Ostern noch zeitgemäß?
Hannover Meine Stadt Hannover: Ist das Tanzverbot an Ostern noch zeitgemäß?
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18:53 26.03.2018
Symbolfoto.
Symbolfoto. Quelle: Dpa
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Hannover

 Und jährlich grüßt das Tanzverbot... Auch 2018 darf in Niedersachsen von Gründonnerstag an (ab fünf Uhr) nicht getanzt werden. Erst in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag (ab null Uhr) endet das Verbot. Was für die evangelische Landeskirche Hannover nach wie vor richtig ist, stößt vor allem bei Gastronomen auf Unverständnis.

Louis Meyer, Betreiber der Großraumdiskothek Funpark an der Expoplaza, ist stinksauer. Er wurde separat von der Stadt per Mail darüber informiert, dass seine Tanzveranstaltung Gründonnerstag nicht zulässig ist. Da Meyer bereits letztes Jahr Besuch vom Ordnungsamt bekam, sagte er die Veranstaltung für übermorgen ab. „Das ist ein Unding. Diese Regelung ist absolut nicht mehr zeitgemäß“, sagt der Gastronom.

Die Diskussion kommt jedes Jahr wieder auf. Meyer wünscht sich seitens des Hotel- und Gaststättenverbandes mehr Druck auf die Politik. Doch deren Chef wiegelt ab. „Ich mache den Job jetzt seit 1992. Seither hat sich nicht eine dieser Regierungen da in irgendeiner Form erweichen lassen. Mit der Politik ist diesbezüglich nicht zu rechnen“, sagt Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Niedersachsen.

Die einzige Chance, das Verbot, welches auch Balke als „aberwitzig“ bezeichnet, zeitnah ändern zu können, sieht er bei der Kirche. „Die Kirche hat ja auch ein Mitgliederproblem. Die austretenden Mitglieder werfen ihr vor, nicht mehr zeitgemäß zu sein. Daher würde die Kirche gut daran tun, auch über sichtbare Signale nachzudenken, die sie aussendet – gerade auch an junge Leute. Wenn eines dieser Signale ist, Ostern bedeutet Ruhe und innere Einkehr, muss man sich fragen, ob das die Botschaft ist, die junge Leute erfahren wollen.“

Bei der Landeskirche Hannover weiß man, dass das Verbot nicht populär ist. Dennoch sagt Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann: „Die Kritik an dem Tanzverbot können wir gerade in einem Bundesland nicht nachvollziehen, in dem die große Mehrheit der Menschen einer christlichen Kirche angehört. Jede Kultur braucht Tage, an denen die alltägliche Hektik durchbrochen wird und ein Nachdenken über Leben und Tod seinen Platz hat.“

Nach einem baldigen Kompromiss klingen diese Aussagen nicht. Ein Ende des Tanzverbots scheint weiterhin nicht in Sicht.

Von Timo Gilgen